Flüchtlinge

Weniger Integrationslotsen für Flüchtlinge in Spandau

Weil die Mittel in dem Landesprogramm künftig anders verteilt werden, fallen in Spandau Stellen weg. Das sorgt für Unverständnis.

Die Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben (GIZ) ist als Träger für die Integrationslotsen in Spandau zuständig.

Die Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben (GIZ) ist als Träger für die Integrationslotsen in Spandau zuständig.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Berlin. Die Fördersumme für das Landesprogramm der Integrationslotsen in Berlin steigt, dennoch stehen in Spandau ab sofort weniger Helfer für Migranten zur Verfügung. Wie die Senatsverwaltung für Integration auf Nachfrage mitteilte, fließen in diesem Jahr etwas mehr als 7,3 Millionen Euro in das Programm, das sind gut 600.000 Euro mehr als zuletzt. In Spandau sinkt die Zahl der Integrationslotsen aber, weil die Mittel nun anders verteilt werden.

Hintergrund ist, „dass Spandau bei der letzten bezirklichen Kontingentermittlung im Jahr 2017 aufgrund sehr hoher Unterbringungszahlen im Bezirk mit einem sehr hohen Kontingent ausgestattet worden ist“, erklärte eine Vertreterin der Senatsverwaltung. Dies sei jedoch nicht mehr der Fall, wodurch sich der Rückgang ergebe.

Weniger Flüchtlinge in Unterkünften in Spandau untergebracht

Tatsächlich zeigen die Zahlen für die Spandauer Flüchtlingsunterkünfte, dass dort inzwischen deutlich weniger Menschen leben als vor einigen Jahren. Derzeit bietet der Bezirk Spandau in sechs Unterkünften – darunter zeitlich befristete Tempohomes – rund 2000 Plätze für Flüchtlinge, belegt waren davon Ende 2019 knapp 1800. Zu Spitzenzeiten hatte es in Spandau 5500 Plätze für Flüchtlinge gegeben. Zum Sommer 2021 soll allerdings eine neue Unterkunft in Hakenfelde fertig werden, die dann 274 Menschen Platz bietet.

Dass das Geld für das Programm nun zwischen den Bezirken anders aufgeteilt wird, sei laut der Sprecherin auf Initiative der Bezirke hin entschieden worden. Der Verteilungsschlüssel für die Jahre 2020/2021 sei „in einem partizipativen Verfahren unter der Federführung der Senatsverwaltung für Integration weiterentwickelt“ worden, erklärte sie. Durch die Änderungen könnten die aktuellen Bedarfslagen besser abgebildet werden.

CDU, Linke und Grüne kritisieren die Entscheidung

Aus Spandau kommt, erwartungsgemäß, Kritik daran, dass es im Bezirk künftig weniger Lotsen gibt. Sie begleiten etwa Flüchtlinge und andere Zugezogene aus dem Ausland zu Terminen in Ämtern und Behörden und können dabei als Übersetzer helfen. Außerdem bieten sie öffentliche Sprechstunden an. „Das Angebot wird seit vielen Jahren gut angenommen, die Fallzahlen steigen“, erklärte Thorsten Schatz, integrationspolitischer Sprecher der Spandauer CDU-Fraktion, in einer Mitteilung. Umso unverständlicher sei es, dass nun Stellen gestrichen werden.

„Nach unserer Auffassung sind die Integrationsbemühungen zu verstärken, da es nicht nur um die Integration von Geflüchteten, sondern auch um die nach Spandau Zugezogenen geht“, teilte auch Elmas Wieczorek-Hahn, integrationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, mit. Kurz vor Weihnachten hatte der Spandauer Integrationsausschuss einen Antrag der CDU-Fraktion beschlossen, wonach sich das Bezirksamt dafür einsetzen soll, die Stellenzahl der Integrationslotsen in Spandau mindestens zu erhalten.

Auch die Linksfraktion hatte einen ähnlichen Antrag gestellt. Die Entscheidung zur Reduktion der Mittel für Spandau verkenne die Realität, heißt es darin. Auch wenn weniger geflüchtete Menschen im Bezirk ankommen, sei der Bedarf an der Dienstleistung der Lotsen „immens hoch“.

15 statt 19 Integrationslotsen in Spandau

Die Anträge kamen allerdings wohl zu spät: Wie der Spandauer Träger, die Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben GmbH (GIZ) auf seiner Internetseite schreibt, wird es in diesem und im kommenden Jahr 15 Integrationslotsen in Spandau geben. Im vergangenen Jahr gab es 19 solcher Helfer, die insgesamt 21 Sprachen gesprochen haben. Laut GIZ war das Spandauer Projekt mit im Durchschnitt mehr als 2000 Beratungen im Jahr zu einem der erfolgreichsten Integrationslotsenprojekte berlinweit geworden.

Wie die CDU weiter mitteilte, ist das Thema aber noch nicht abgehakt: Im Februar soll es im Integrationsausschuss erneut auf der Tagesordnung stehen.

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