Stadtplanung

Siemens-Campus: 2750 Wohnungen sollen entstehen

Im Januar wird der Siegerentwurf für den Siemens-Campus ausgewählt. 18 Architektenbüros haben sich beteiligt. Geplanter Baustart: 2021.

Das Siemens-Verwaltungsgebäude in der Spandauer Siemensstadt. Auf dem Gelände soll der Siemens-Innovationscampus entstehen.

Das Siemens-Verwaltungsgebäude in der Spandauer Siemensstadt. Auf dem Gelände soll der Siemens-Innovationscampus entstehen.

Foto: Jessica Hanack

Berlin. Die Entwicklung des Siemens-Innovationscampus in Spandau geht in eine entscheidende Phase. In zehn Tagen soll ein Preisgericht über die beim städtebaulichen Wettbewerb eingereichten Entwürfe beraten. 18 Architekten- und Stadtplanungsbüros, unterstützt durch Experten, etwa aus dem Bereich Verkehrsplanung, haben sich daran beteiligt.

Unter den Preisrichtern sind zum Einen Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, aber auch Vertreter von Siemens, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) sowie weitere Vertreter des Landes. Nach der Sitzung des Preisgerichts am 8. Januar soll das Ergebnis in einer Pressekonferenz verkündet werden.

Siemens-Campus: Derzeit vorhandene soziale Einrichtungen reichen nicht

Dazu, was sich künftig auf dem rund 70 Hektar großen Areal auf beiden Seiten der Nonnendammallee befinden soll, gibt es aber bereits klare Vorgaben, wie nun Wohn-Staatssekretär Sebastian Scheel auf eine Anfrage der Abgeordneten Katalin Gennburg (Linke) erklärte. Entscheidender Punkt dabei ist die soziale Infrastruktur. Mit den vorhandenen Einrichtungen „können keine Bedarfe des neuen Quartiers gedeckt werden“, teilt Scheel in seiner Antwort mit. Kalkuliert wird mit etwa 2750 Wohnungen, die auf dem Siemens-Gelände entstehen und in denen künftig rund 5500 Menschen leben könnten.

Daher müssen schon bei den Entwürfen im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs Flächen für zahlreiche soziale Einrichtungen eingeplant werden. Aufgelistet werden Kitas mit Platz für 300 Kinder sowie eine Grundschule mit vier Klassen pro Jahrgangsstufe, so dass 580 Plätze entstehen sollen. Zwei Züge davon seien vom Vorhabenträger, also Siemens, zu realisieren, erklärt Scheel.

Daneben sollen eine Jugendfreizeiteinrichtung, ein Standort für den regionalen sozialpädagogischen Dienst des Spandauer Jugendamts und ein Seniorenclub einplant werden. Auch eine öffentliche Stadtteilbibliothek und eine Galerie für Kunstausstellungen sind auf dem Areal vorgesehen.

Lesen Sie auch: Erste Arbeiten an der Siemensbahn sollen Anfang 2020 starten

„Der Siemens-Campus darf kein toter Ort werden“

Linken-Politikerin Gennburg sieht bei der geplanten Infrastruktur noch Luft nach oben, wünscht sich etwa mehr Begegnungsräume für die Nachbarschaft. „Der Siemens-Campus darf kein toter Ort werden“, so Gennburg. Inwieweit die geplanten Schul- und Kitaplätze ausreichen, müsse man sich genauer anschauen. Noch habe sie Zweifel.

„Durch die Umwandlung von Industrieflächen in gemischte Wohngebiete gibt es einen enormen Bodenwertzuwachs für Siemens“, sagte die Abgeordnete weiter. „Das Land Berlin muss deshalb adäquate Gegenleistungen einfordern.“ Für den Fall, dass Siemens einen Weiterverkauf von Flächen plant, sei es zudem entscheidend, ein Vorkaufsrecht für das Land Berlin zu verankern.

Neben Wohnungen und sozialen Einrichtungen spielt auf dem Campus -Gelände erwartungsgemäß auch die Wirtschaft eine große Rolle: 420.0000 Quadratmeter, also 42 Hektar Geschossfläche, sollen für Büros und Gewerbe zur Verfügung stehen, so Scheel. Auch kleinere Gewerbetreibende könnten dort Platz finden. Auf zwei Industrieflächen, einmal zwischen Paulsternstraße und Siemensbahn sowie südlich der Nonnendammallee, soll es weiter produzierendes Gewerb e geben.

Auch interessant: Das wünschen sich die Menschen für den Siemens-Campus

Siemens hat Gespräche mit mehr als 200 Start-ups geführt

Auch Siemens trifft bereits Vorbereitungen, um künftig Unternehmen auf dem Gelände anzusiedeln. Wie Karina Rigby, Projektleiterin für die Siemensstadt 2.0 kürzlich sagte, seien mit mehr als 100 Start-ups Gespräche geführt und eine große Datenbank angelegt worden. 15 Start-ups hätten sich in der Zwischenzeit schon auf dem Gelände angesiedelt.

Das Land Berlin will Siemens bei der weiteren Entwicklung des Geländes unterstützen, unter anderem dabei, Anträge zur Förderung bestimmter Projekte zu stellen. Aktuell, erklärt Scheel, läge ein Antrag auf GRW-Förderung für einen sogenannten Innovationscluster vor. So wird die Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung von Unternehmen, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen bezeichnet. Zudem gebe es drei Anträge auf ProFit-Förderung für Verbundprojekte im Forschungs- und Entwicklungsbereich. Die Anträge würden derzeit geprüft, so der Staatssekretär.

Entwicklung des Siemens-Campus ist eine langfristige Aufgabe

Die Entwicklung des Siemens-Campus ist eine langfristige Aufgabe. Nachdem der Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs feststeht, soll sich voraussichtlich ab kommenden Februar ein hochbaulicher Wettbewerb anschließen, bei dem die Pläne weiter konkretisiert werden. Mit Bauarbeiten wird ab Ende 2021 gerechnet, Eine Fertigstellung ist bis 2030 geplant.