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In Spandau werden jetzt Jachten produziert

Die Photon AG hat mit der Werft Abeking & Rasmussen eine neue Technik zum Schweißen entwickelt. Genutzt wird sie für Rümpfe von Jachten

Hans Schaedla, Chef von Abeking & Rasmussen, und Steffen Neumann, Geschäftsführer der Photon AG, beim Produktionsstart in Spandau. 

Hans Schaedla, Chef von Abeking & Rasmussen, und Steffen Neumann, Geschäftsführer der Photon AG, beim Produktionsstart in Spandau. 

Foto: Jessica Hanack

Berlin. 120 Meter lang und schwarz soll sie werden: die Jacht, die künftig mithilfe des Spandauer Unternehmens Photon AG entsteht. Gemeinsam mit der Werft Abeking & Rasmussen aus Lemwerder (Niedersachsen) hat die Photon AG eine neue Technik zum 3D-Laserschweißen entwickelt. Eine mehr als zehn Tonnen schwere Anlage wurde dafür gebaut, zu der auch zwei Roboterarme gehören, die das Schweißen übernehmen. „Das ist ein Schritt in die Zukunft des deutschen Schiffsbaus“, sagte Norbert Brackmann, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, beim Produktionsstart.

Rund 3,8 Millionen Euro wurden laut Brackmann in das Projekt investiert, wobei insgesamt eine Million Euro vom Bund und dem Land Niedersachsen gefördert wurde. „Man sieht an dem Projekt, dass es sich lohnt zu investieren“, sagte Brackmann.

Der Clou ist, dass in Spandau nun tatsächlich eine Technik angewandt wird, die von allen Seiten als etwas völlig Neues im Schiffsbau bezeichnet wird. Es sei, sagte Brackmann, recherchiert worden, ob es in der Welt eine ähnliche Produktion gebe. Man habe nichts Vergleichbares gefunden.

Diesmal werden gewölbte Bauteile mit 3D-Lasern geschweißt

„Laserschweißen ist Gang und Gebe für ebene Bauteile“, erklärte Dirk Petersjohann von Abeking & Rasmussen. „Die Besonderheit hier liegt im 3D.“ Das heißt: Die Anlage ist in der Lage, das Schweißen von gewölbten, nicht ebenen Bauteilen zu übernehmen, wie sie etwa für den Rumpf von Booten gebraucht werden – und das sehr präzise. „Stützende Strukturen des Schiffs können so hochgenau gefertigt werden“, sagte Petersjohann.

Die Hoffnung ist, dass durch die neue Technik die Rumpffertigung der Schiffe zumindest ein Stück weit zurück nach Deutschland verlagert werden kann. Bislang findet sie aus Kostengründen häufig im Ausland statt. Denn geschweißt wurde bisher in der Regel per Hand, weshalb viele Arbeitsstunden notwendig waren, erklärte Petersjohann.

Nun kann die Produktion automatisiert erfolgen. Was zudem noch den Einsatz von Material und Energie reduziert. Grund ist, dass die Schweißnähte der Roboter deutlich feiner sind. Mitarbeiter der Photon AG überwachen die Arbeit der Roboter mithilfe mehrerer Kameras aus verschiedenen Blickwinkeln an sechs Bildschirmen.

Erst Anfang 2019 wurde mit dem Bau der Anlage begonnen

Vier Jahre hat es gedauert, von der Entwicklung des ersten Konzepts bis hin zur nun gestarteten Regelproduktion. Erst Anfang 2019 wurde mit der Konstruktion und dem Bau der Anlage begonnen, anschließend gab es eine kurze Testphase. „Das ist sehr schnell und ambitioniert gewesen“, meinte Petersjohann. 2020 sollen die Abläufe optimiert werden. Auch eine Erweiterung der Anlage ist vorstellbar.

Die Photon AG ist beim Laserschweißen, auch im 3D-Bereich, bereits erfahren. Unter anderem werden mit diesem Verfahren in Spandau auch Seitenwände und Dachbaugruppen für den neuen ICE4 produziert. Dennoch ist für das Unternehmen die Anwendung im Schiffsbau etwas Besonderes. Denn für Luxusjachten gibt es keine Massenproduktion, bei der Bauteile immer und immer wieder auf dieselbe Weise gefertigt werden.

Die Jachten werden in diesem Segment auf Kundenwunsch und nach dessen Ansprüchen gebaut. Die Stückzahl liege hier bei eins, sagte Steffen Neumann, Vorstandsvorsitzender der Photon AG. Daher sei die entwickelte Technik „echt etwas Neues“.

Mehr als 200 Mitarbeiter sind bereits in Spandau beschäftigt

Für die Photon AG geht damit die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre weiter. „Vor fünf Jahren haben wir mit 1000 Quadratmetern Produktionsfläche angefangen, jetzt sind wir bei 25.000 Quadratmetern“, sagte Neumann. Mehr als 200 Mitarbeiter sind in Spandau inzwischen beschäftigt. Einen weiteren Standort hat das Unternehmen noch in Meißen (Sachsen), der Hauptteil der Produktion aber wurde inzwischen nach Spandau verlagert.

Damit hat das Unternehmen auch zur Wiederbelebung des Industrie-Geländes an der Staakener Straße beigetragen. In den 80er-Jahren ist der Standort mit 100.000 Quadratmetern Fläche entstanden, doch die weitere Entwicklung lief anders als gewünscht. Bis vor einigen Jahren wurden dort die Industriearbeitsplätze stetig abgebaut.

Diese Entwicklung ist inzwischen gestoppt, das Gelände wird fast vollständig wieder genutzt. Und wenn es nach Neumann geht, kann das Wachstum der Photon AG – der Jahresumsatz liegt für die Gruppe insgesamt bei 30 Millionen Euro – weitergehen. Ein wenig Raum für eine weitere Vergrößerung bei neuen Projekten gibt es noch. Mitarbeiter für den Standort Spandau sucht die Photon AG in jedem Fall.