Zahnärztlicher Bericht

Untersuchung: Spandauer Grundschüler haben häufig Karies

Nur 40 Prozent der Sechsjährigen hatten bei Untersuchung ein gesundes Gebiss. Auch in anderen Altersgruppen gibt es Probleme.

Karies ist ein Problem: Nur 40% der 6-Jährigen in Spandau wiesen im Schuljahr 2018/2019 ein kariesfreies gesundes Milchgebiss auf.

Karies ist ein Problem: Nur 40% der 6-Jährigen in Spandau wiesen im Schuljahr 2018/2019 ein kariesfreies gesundes Milchgebiss auf.

Foto: Patrick Seeger / dpa-tmn

Berlin. Es ist von einer „Kariesschieflage“ die Rede und von einem „deutlichen Behandlungsbedarf“: In Spandau wurde die Zahngesundheit von rund 8000 Kindern im Alter zwischen drei und zwölf Jahren untersucht, und es zeigt sich: Karies ist ein Problem, auch schon bei den Kleinsten. Gleichzeitig gibt es aber zwischen den einzelnen Bezirksregionen große Unterschiede.

Bei den Jüngsten wurde am Untersuchungstag bei einem Fünftel der Kinder ein Behandlungsbedarf festgestellt, heißt es in dem Zahnärztlichen Bericht, der von Lukas Müller vom Zahnärztlichen Dienst des Bezirks und Tanja Götz-Arsenijevic aus der Organisationseinheit für Qualitätsentwicklung, Planung und Koordination im Bezirksamt verfasst wurde. Besonders Dreijährige aus dem Gebiet Heerstraße Nord waren von Karies betroffen, dort hatten nur gut zwei Drittel der Kinder ein gesundes Gebiss.

Gebiet Heerstraße Nord schneidet schlecht ab

Im Umkehrschluss heißt das: Fast ein Drittel aller Dreijährigen hatte in dieser Region eine unbehandelte Karies. Es sei davon auszugehen, dass Therapiemöglichkeiten vor allem von Familien in sozialen Problemlagen nicht ausreichend genutzt werden, heißt es als Schlussfolgerung in dem Bericht. Im Spandauer Süden und in der Siemensstadt hatten weniger als 15 Prozent der untersuchten Kinder Karies.

Bei den drei Jahre älteren Kindern war die Zahl der Kinder mit Karies noch einmal deutlich höher: Nur 40 Prozent der Sechsjährigen hatten im vergangenen Schuljahr ein kariesfreies Milchgebiss. Damit ist Spandau weit entfernt von dem Wert, den die Bundesärztezahnkammer (BZAEK) als Ziel ausgibt. Demnach sollten im Jahr 2020 80 Prozent der Sechsjährigen naturgesunde Gebisse haben.

Karies bei Kindern: Behandlungsbedarf nimmt zu

„Es zeigt sich, dass der Behandlungsbedarf zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr massiv zunimmt“, heißt es in dem Bericht. Auch wenn Kladow und Gatow erneut am besten abschneiden, wird in allen Bezirksregionen die Erfordernis gesehen, zu handeln. Dies solle dazu führen, dass in Kindertagesstätten, im Gesundheitsamt, bei Zahn- und Kinderärzten sowie auf der politischen Ebene Handlungsempfehlungen und Präventionskonzepte erarbeitet werden.

Noch einmal schlechter schnitten die Neunjährigen bei der Untersuchung ab: Im Schnitt hatte jedes neunjährige Kind in drei Milchzähnen ein Loch, weniger als ein Viertel (23 Prozent) aller Spandauer Neunjährigen wiesen ein gesundes Gebiss auf. Ein explizites Ziel der BZAEK gibt es für diese Altersgruppe nicht. „Es ist jedoch auch ohne nationale Vorgabe klar, dass die ermittelten Werte inakzeptabel sind“, heißt es. Bei knapp der Hälfte wurde am Tag der Untersuchung ein Behandlungsbedarf festgestellt.

Handlungsbedarf in allen Spandauer Bezirksregionen

Auch in dieser Altersgruppe schnitt der Bereich Heerstraße Nord am schlechtesten ab, dort wurde mit knapp 16 Prozent der niedrigste Wert an naturgesunden Gebissen ermittelt. Bei fast 63 Prozent der untersuchten Kinder lag ein Behandlungsbedarf vor, auch das war der schlechteste Wert. Insgesamt sehen die Untersuchenden aber in allen Bezirksregionen ein deutlichen Handlungsbedarf.

Deutlich besser ist das Ergebnis, auf den ersten Blick, bei den Elf- und Zwölfjährigen. Hintergrund ist dabei, dass in dem Alter nur die bleibenden Zähne in die Bewertung einbezogen werden, selbst bei Karies in übrigen Milchzähnen kann ein Gebiss daher als naturgesund gelten. Demnach hatten in Spandau 59 Prozent der untersuchten Elfjährigen ein naturgesundes Gebiss.

Spandaus Gesundheitsstadtrat verweist auf laufende Projekte

Für den Zwölfjährigen in Spandau ergab die Untersuchung, dass im Schnitt jedes Kind mehr als ein Loch in einem bleibenden Zahn hat. Im Vergleich zu den Elfjährigen komme es „innerhalb eines Jahres zu einer deutlichen Zunahme an Karieserfahrung“, heißt es. Auch damit wird das Ziel der BZAEK verfehlt. Der Behandlungsbedarf schwankte zwischen gut zehn Prozent in Kladow/Gatow und gut 40 Prozent in der Region Heerstraße Nord.

Spandaus Gesundheitsstadtrat Frank Bewig (CDU) erklärte auf Nachfrage, die Ergebnisse seien zum Teil „erschütternd“. Man arbeite bereits daran, die gesundheitliche Situation von der sozialen Situation zu entkoppeln und widme sich der Zahngesundheit sei Längerem. So gebe es verschiedene Projekte, wie das Präventionsprogramm „Kita mit Biss“.

Man versuche zudem, Kitas und Schulen zu stärken, dass sie „offensiv mit dem Thema umgehen“, so Bewig. „Auch die Eltern sind aufgerufen, dass sie das im Blick behalten.“ Aber am Ende sei die Verbesserung der sozialen Situation ein entscheidender Punkt, damit sich auch die gesundheitliche verbessere.

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