Spandau

Nach tödlichem Unfall: Neue Ampelschaltung soll starten

2018 starb ein achtjähriger Junge an der Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm. Der Umbau zog sich hin. Nun soll etwas passieren.

Die Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm soll für Radfahrer sicherer werden. Dort starb 2018 ein achtjähriger Junge.

Die Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm soll für Radfahrer sicherer werden. Dort starb 2018 ein achtjähriger Junge.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Gut eineinhalb Jahre ist es nun her, dass an der Spandauer Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm ein acht Jahre alter Radfahrer starb. Ein nach rechts abbiegender Lkw-Fahrer hatte den Jungen, der die Kreuzung überqueren wollte, übersehen. Vor wenigen Tagen wurde der Lkw-Fahrer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Und nun, endlich, wird auch der versprochene Umbau der Einmündung umgesetzt.

Wie Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung, sagte, soll an diesem Donnerstag eine neue Ampelschaltung in Betrieb gehen. Ab dann soll es getrennte Ampelphasen für Radfahrer und den abbiegenden Auto- und Lkw-Verkehr geben, sodass Rechtsabbieger aus der Nauener Straße nicht mehr zeitgleich mit geradeaus fahrenden Radfahrern auf die Kreuzung fahren.

Um die Sichtbarkeit der Radfahrer zu erhöhen, wird zudem die Haltelinie für Radfahrer einige Meter nach vorne unmittelbar an den Brunsbütteler Damm verlegt und dafür eine neue Markierung aufgebracht. Außerdem soll die rote Unterlegung des Radwegs erneuert werden. Auch das muss noch von der Firma Alliander, die auch für die neue Ampelschaltung zuständig war, erledigt werden, wie Thomsen mitteilt. „Sollten die Witterungsbedingungen die Rotunterlegung noch nicht zulassen, wird diese zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt“, so der Sprecher. Dies stehe der Inbetriebnahme der neuen Ampelschaltungen samt Markierungen aber nicht im Wege.

Nach tödlichen Unfall in Spandau: Pläne für Änderungen gibt es seit Langem

Dass die Spandauer Kreuzung umgebaut werden soll, stand bereits wenige Monate nach dem Unfall fest. Damals hatte es eine Sicherheitsuntersuchung gegeben, bei der sich laut Senatsverkehrsverwaltung „bauliche Mängel“ gezeigt hatten. Schwierig ist die Situation vor allem deshalb, weil die Nauener Straße durch eine Unterführung verläuft, bevor sie in den Brunsbütteler Damm einmündet. Für Radfahrer gibt es eine Nebenfahrbahn, die erhöht und durch ein Geländer von der Nauener Straße abgegrenzt ist – sie sind so erst spät für Auto- und Lkw-Fahrer zu sehen.

Weil sich in der Nähe eine Grundschule befindet, sind an der Kreuzung aber häufig Kinder unterwegs. Gerade deshalb, sagten auch Vertreter des Fahrradclubs ADFC Berlin sowie Anwohner, müsse die Stelle sicherer werden.

Als sich der tödliche Unfall im Juni zum ersten Mal jährte, erklärte die Senatsverkehrsverwaltung auf Nachfrage, der Umbau werde von allen Beteiligten mit höchster Priorität bearbeitet und solle bis August fertiggestellt sein. Damals wurde auch bekannt gegeben, dass es nun doch nicht, wie zuerst geplant, ein gelbes Blinklicht geben soll, um Aufmerksamkeit zu erregen, sondern getrennte Ampelphasen. Nun hat es weitere vier Monate gedauert.

Berliner ADFC: „Es dauert ewig, selbst bei kleinen Maßnahmen“

Vom Berliner ADFC gab es an der langen Dauer der Arbeiten bereits mehrfach Kritik. „Es dauert ewig, selbst bei kleinen Maßnahmen. Das ist ein unhaltbarer Zustand“, sagt ADFC-Sprecher Nikolas Linck. Der Umbau der Spandauer Kreuzung stehe symbolhaft für die Situation in Berlin: Erst müsse es einen Unfall geben, um die Senatsverwaltung aufzuwecken und zum Handeln an einer für Fahrradfahrer unsicheren Kreuzung zu bewegen, und dann dauere es weitere Monate bis Jahre, bis etwas passiere. Das zuständige Unternehmen Alliander, das in ganz Berlin für Ampeln zuständig ist, ist aus Sicht des ADFC-Sprechers komplett überfordert. Eine Dauer von ein bis zwei Jahren, bis Ampelanlagen angepasst werden, sei nicht unüblich. „Es gibt einen riesigen Bearbeitungsstau. Ich finde es fürchterlich“, so Linck.

Die jetzige Lösung, die für die Kreuzung von Nauener Straße und Brunsbütteler Damm gefunden wurde, findet er aber gut. „100 Prozent sicher ist man nie, aber eine getrennte Ampelschaltung ist die Lösung, die die größtmögliche Sicherheit bietet“, sagt er. Die größte Gefahr für Radfahrer und zugleich Hauptunfallursache seien die rechtsabbiegenden Fahrzeuge. Diese Gefahr könne durch getrennte Ampelphasen minimiert werden.

Tödlicher Lkw-Unfall in Spandau: Fahrer erhielt Bewährungsstrafe

Der von Emotionen geprägte Prozess zu dem Unfall, bei dem der achtjährige Constantin im Sommer vergangenen Jahres von einem Lkw überrollt und getötet wurde, sorgte erst Anfang Dezember für Aufsehen. Der Fahrer, Lorenz K., wurde wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sprach im Prozess von einem Augenblicksversagen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor gesagt, K. hätte den Unfall und damit den Tod des Kindes verhindern können, wenn er beim Abbiegen die erforderliche Sorgfalt an den Tag gelegt hätte. Der Fahrer selbst, der nach dem Unfall nicht mehr als Berufskraftfahrer arbeiten konnte, hatte mehrmals beteuert, er habe den Jungen nicht gesehen.