Berlin-Spandau

Warum ein Gymnasium seit Jahren auf einen Imbiss wartet

Schüler haben schon 2018 einen Imbisscontainer gefordert. Doch die Planung stockt immer wieder - und steckt aktuell schon wieder fest.

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium hat zwar einen modularen Ergänzungsbau, aber seit Jahren schon keine Mensa.

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium hat zwar einen modularen Ergänzungsbau, aber seit Jahren schon keine Mensa.

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services

Berlin. „Herr Kleebank, wir haben Hunger!“, haben Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in einem Brandbrief an Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) geschrieben, den sie wohl bemerkt schon Mitte 2018 abgeschickt haben. Gefordert wurde damals ein Imbisscontainer, als Überbrückung, bis einmal eine Mensa gebaut wird. Auf diesen Container warten die Schüler nun, Ende 2019, noch immer.

Auch zuletzt hat die Planung wieder gestockt. Ende September hatten sich deshalb Eltern an das Bezirksamt gewandt, auch Schüler haben erneut an Kleebank geschrieben. Das kostenlose Mittagessen ist zwar für Fünft- und Sechstklässler in einer kleinen Remise sichergestellt, für ältere Schüler gibt es aber nur einen „Miniatur-Imbiss“, wie es Daniel Kape, Sprecher der Gesamtelternvertretung, nennt, etwa mit belegten Brötchen.

Imbisscontainer: Verdacht auf Bombentrichter auf möglicher Fläche

Das sei vor allem ein Problem, weil Schüler schon jetzt an manchen Tagen bis 16 oder 17 Uhr da sind und angestrebt wird, einen offenen Ganztag an dem Gymnasium anzubieten. Dem stehe das fehlende Mittagessen-Angebot im Weg, meint Kape. Das Schulamt hat nun mit einer Stellungnahme auf den Elternbrief reagiert, um die Verzögerungen zu erklären – und die Erklärungen reichen von möglichen Kampfmitteln bis hin zu einer ungeklärten Finanzierung.

So heißt es in der Stellungnahme des Bezirksamts, auf dem potenziellen Baufeld für den Imbisscontainer seien „Verdachtsflächen von Bombentrichtern aus dem Zweiten Weltkrieg“ festgestellt worden, sodass sich die Planung verzögert habe. Mit solchen Verdachtsflächen hatte niemand gerechnet – auch weil nur wenige Meter von dem vorgesehenen Standort für den Container ein Modularer Ergänzungsbau für das Gymnasium aufgestellt wurde, bei dem es keine Probleme gab.

Finanzierung des Imbisscontainers unsicher

Weiter geht es mit der Finanzierung: Der Bezirk hatte vor, Geld aus der baulichen Unterhaltung zu verwenden. Dann kam laut Schulamt im vergangenen August ein Rundschreiben der Senatsfinanzverwaltung. „Darin wird geregelt, dass derartige Bauten wie Imbisscontainer nicht mehr aus Mitteln der baulichen Unterhaltung der Bezirke finanziert werden dürfen“, heißt es. Die Folge: Die Finanzierung des Containers war nicht mehr sicher.

Das Geld für den Imbisscontainer sollte nun vom Land Berlin kommen. Dafür sei aber eine umfassende Prüfung erforderlich, um nachzuweisen, dass das Imbissmodul tatsächlich gebraucht wird. Unter anderem muss auch geprüft werden, ob vorhandene Container, etwa nicht mehr benötigte Tempohomes von Flüchtlingen, verwendet werden könnten.

Tempohomes sollen als mögliche Imbisscontainer überprüft werden

Daran hängt es nun zurzeit. Das Spandauer Schulamt habe sich im September an die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) gewandt und um eine Bestätigung gebeten, dass zurzeit keine Container zur Verfügung stehen. Die gab es aber nicht, auch weil das Land demnach ab November zahlreiche Tempohomes zurückbauen will. Dabei müsse dann geschaut werden, ob sich einer für das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium eignet.

„Die zusätzlichen Prüfschritte waren bei der Erstellung des ursprünglichen Grobzeitplans nicht bekannt und führen zu zeitlichen Verzögerungen“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Fortschritte sind frühestens im Laufe des Dezembers zu erwarten.

Imbisscontainer für dieses Schuljahr nicht mehr realistisch

Bezirksbürgermeister Kleebank sagt dazu, grundsätzlich sei es in Ordnung, zu versuchen, andere Container weiter zu nutzen. „Wenn aber die Prüfung der BIM zu langen Verzögerungen führt, dann ist das nicht mehr in Ordnung.“ Immerhin: Bei der Finanzierung gibt es einen Lichtblick. 100 Millionen Euro sollen laut Kleebank vom Land zur Verfügung gestellt werden, um davon Container finanzieren. „Wenn das bereitsteht, sind wir handlungsfähig“, so Kleebank.

Allerdings: Wenn denn die Planung einmal abgeschlossen ist, sind auch die Zeiten eingeschränkt, in denen gebaut werden könnte. So müssen für den Container neue Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt werden, was laut und mit viel Schmutz verbunden sei. Die Arbeiten könnten deshalb nur außerhalb der Schulzeit stattfinden. Zweite Einschränkung: das Wetter. Gebaut werden kann nur, wenn kein Bodenfrost zu erwarten ist.

In diesem Schuljahr, das lässt sich bereits festhalten, werden die Schüler wohl keinen Imbiss mehr bekommen. Schon im September war der Schulstadtrat davon ausgegangen, dass der Container erst im Sommer steht. Nach den weiteren Verzögerungen, könnte es nun sogar noch länger dauern.

In ein paar Jahren sind bereits weitere Arbeiten absehbar: Denn das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium soll auch saniert und umgebaut werden, eine neue Sporthalle bekommen und in der derzeitigen Turnhalle dann auch eine richtige Mensa. Ein Baubeginn – angefangen werden soll mit der Sporthalle – ist für 2022 vorgesehen.

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