Güterverkehr

Südhafen in Spandau: Ausbau für 50 Millionen Euro geplant

Behala will von Spandau aus mehr und größere Güterschiffe fahren lassen. Bezirk ist skeptisch, vor allem wegen des erwarteten Lärms.

Der Südhafen in Spandau. Die Behala möchte diesen gerne ausbauen. 

Der Südhafen in Spandau. Die Behala möchte diesen gerne ausbauen. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala) plant, den Spandauer Südhafen deutlich auszubauen und von dort aus mehr Güterschiffe fahren zu lassen. 50 Millionen Euro will das Unternehmen, mit Unterstützung vom Land, in den kommenden Jahren dafür investieren, wie Klaus Lichtfuß, Prokurist bei der Behala, der Berliner Morgenpost sagte. Ein Antrag auf Fördermittel werde derzeit vorbereitet.

Weil auch das Wasserstraßenneubauamt in den nächsten Jahren den Ausbau der Havel angehen will, werden laut Lichtfuß die Bedingungen dafür geschaffen, dass auch in Spandau größere Güterschiffe anlegen können. „Die Chance ist da, den Hafen zeitlich nah in Angriff zu nehmen“, sagt er. Zurzeit wird von der Behala nur der sogenannte Unterhafen südlich der Schulenburgstraße und dazugehöriger Brücke genutzt. Im Oberhafen befinden sich aktuell Tempohomes, in denen Flüchtlinge untergebracht sind.

Bezirk Spandau hatte eigene Pläne für den Südhafen

Die Entwicklung des Südhafens ist ein Projekt mit Geschichte. Denn auch der Bezirk verfolgte lange Pläne, das Hafengelände in der Wilhelmstadt neu zu gestalten, allerdings mit etwas anderen Absichten als die Behala. In einem 2012 vom Bezirksamt beschlossenen Bebauungsplan waren für das Areal Gewerbegebiete und nördlich der Straße Am Oberhafen ein Wohngebiet mit kleinem Anteil für leises Gewerbe vorgesehen, außerdem Kleingärten und ein öffentlicher Grünzug mit einem Weg entlang der Havel.

2016 stellte der Bezirk seine Pläne allerdings ein. Die Entwicklung des Plangebiets werde weder von den Senatsverwaltungen noch von der Behala unterstützt, hieß es. Dennoch hat sich an den Ansichten im Bezirk nichts geändert. Man bewerte die Pläne der Behala, den Südhafen auszubauen und die Aktivitäten dort deutlich auszuweiten, „weder städtebaulich noch immissionsschutzrechtlich als sinnvoll“, erklärt Baustadtrat Frank Bewig (CDU).

Bezirksbürgermeister sieht Vorhaben der Behala kritisch

Auch Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) erklärt, er sehe Vorhaben nach wie vor kritisch. Auf der gegenüberliegenden Havelseite gebe es zahlreiche Wohnungen, außerdem eine große Seniorenresidenz, denen künftig Lärm drohe. „Das ist eine extreme Verschlechterung der Wohnsituation“, sagt Kleebank. Er hätte eine Nutzung des Hafengeländes als Mischgebiet mit Wohnungen und Gewerbeanteilen präferiert.

Ganz erledigt ist das Thema im Bezirk aber noch nicht: Seit einigen Monaten gibt es einen bereits mehrfach vertagten Antrag der Spandauer SPD-Fraktion, auf dem Südhafen eine Perspektive für Wohnen und Gewerbe sowie kleinteilige Nutzung zu entwickeln.

Behala sieht große Bedeutung des Südhafens für Berlin

Die Behala betont dagegen die Bedeutung des Südhafens für ganz Berlin. „Es gibt ein erhebliches Potenzial am Südhafen, das wir für die Stadt nutzen können“, sagt Prokurist Lichtfuß. „Die Straßen werden voller, bei Schiffen gibt es aber noch große freie Kapazitäten und dazu brauchen wir die Hafenstandorte.“ Der Westhafen in Moabit sei langsam an seinen Grenzen angekommen, daher werde Spandau benötigt.

Zudem verweist Lichtfuß auf die wachsende Stadt. Für die Menschen müsste es einerseits Arbeitsplätze geben und außerdem deren Versorgung sichergestellt werden. Und die Transporte per Schiff könnten, auch durch die Bahnanbindung des Südhafens, innerhalb von Deutschland umweltfreundlicher erfolgen als mit Lkw.

Behala will die Anbindung des Südhafens verbessern

Die Behala überlegt, von Spandau aus Linienfahrten für Schwertransporte nach Hamburg und zurück aufzubauen. Es zeichne sich ab, dass der Bedarf vorhanden sei, sagt Lichtfuß. Zu den Planungen gehört, zusätzliche Lagerhallen zu errichten und neue Kaianlagen für die Schiffe zu bauen, sodass auch größere Schiffe am Südhafen anlegen können. Außerdem sollen diverse Leitungen erneuert und das Gelände mit Fernwärme erschlossen werden.

Und auch die Anbindungen des Hafens will die Behala verbessern, dazu eine Kreuzung umbauen und Gleisanlagen erneuern. Zudem setzt das Unternehmen darauf, dass die Schulenburgbrücke, für die seit Jahren feststeht, dass sie ersetzt werden muss, tatsächlich neugebaut wird. Auch das wäre laut Lichtfuß wichtig, um größeren Schiffen das Anlegen zu ermöglichen.

Senatswirtschaftsverwaltung unterstützt Vorhaben der Behala

Unterstützt wird die Behala von der Senatswirtschaftsverwaltung. „Für einen schadstoffarmen und klimaschonenden Handel müssen wir mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und die Wasserwege bringen“, teilt ein Sprecher auf Nachfrage mit. „Dafür wollen wir den Südhafen als einen Anker für den Güterverkehr weiter entwickeln.“

Eine dadurch bedingte, mögliche Belastung der angrenzenden Wohnbevölkerung und die Möglichkeit, bei den Krananlagen durch eine Schallreduktion Lärm zu vermeiden, werden in die Planungen einbezogen, erklärt er weiter.

Ausbau des Südhafens soll bis 2026 abgeschlossen sein

Noch dauert es aber etwas, bis ein Ausbau kommen könnte: Die Tempohomes, die eigentlich schon in diesem Herbst abgebaut werden sollten, werden den Anzeichen nach wohl noch mehrere Jahre bleiben, auch wenn sich das Landesamt für Flüchtlinge vorsichtig äußert und erklärt, eine mögliche längere Nutzung für den Standort Oberhafen werde derzeit geprüft.

Die Behala wolle nun die konkreteren Planungen starten, so Lichtfuß. „Wir planen, unsere Baumaßnahmen 2022 anzufangen und 2026 fertig sein, das passt auch mit den Bauzeiten des Wasserstraßenneubauamts zusammen“, erklärt der Prokurist. Anfang des kommenden Jahren ist zudem eine Informationsveranstaltung für Anwohner geplant.

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