Zwölf Stunden

Brauhaus Spandau: Ein Prosit auf ein Vierteljahrhundert

Das Brauhaus in Spandau ist seit 25 Jahren eine Institution für geselliges Beisammensein bei hausgemachtem Bier. Ein Besuch zum Jubiläum.

Azubi Anton Wendlandt setzt die Maische in den kupfernen Braukesseln an.

Azubi Anton Wendlandt setzt die Maische in den kupfernen Braukesseln an.

Foto: Christian Kielmann

Berlin. Seit 25 Jahren gibt es das Brauhaus Spandau. Wir haben es besucht und zwölf Stunden lang hinter die Kulissen geschaut.

6.30 Uhr: Die Maische wird angesetzt

Wie nicht anders zu erwarten, dreht sich in einem Brauhaus fast alles um das Bier. Folglich gehören auch die ersten Handgriffe des Tages dem Gerstensaft. Malzduft liegt in der Luft. Gerade hat Anton Wendlandt die Maische in den kupfernen Braukesseln angesetzt, die Basis für ein gutes Bier. Der 21-Jährige ist Azubi im dritten Lehrjahr zum Brauer und Mälzer, will 2020 vielleicht seine Meisterausbildung beginnen – oder studieren.

Das ganze Jahr über steht die Biersorte „Havelbräu“ für die Brauer auf dem Plan. 15 Hektoliter davon werden täglich in einem siebenstündigen Prozess gebraut. Anschließend gärt das Bier eine Woche, um danach noch drei Wochen eingelagert zu werden, bevor es als frisch Gezapftes auf den Tisch kommt. Saisonal gibt es weitere Spezialitäten wie derzeit das Weihnachtsbier, das „vollmundig und mit Schokoladennoten“ daherkommt, wie Wendlandt es beschreibt. Und genau das steht auch für die Feier zum 25-jährigen Bestehen im Brauhaus Spandau am 1. Dezember auf dem Ausschankplan.

9.00 Uhr: Neue Speisen für die Gäste

Gerade hat Valerie Staron ihre Runde durch das dem Brauhaus angeschlossene Hotel gemacht. Als stellvertretende Hausdame gehört es zu ihren Aufgaben, dort nach dem Rechten zu sehen. Im Anschluss geht es für sie in der Restauration weiter. Jeden Tag gibt es ein anderes Tagesgericht, welches am Eingang angekündigt wird. Die zweifache Mutter arbeitet seit fast 15 Jahren im Service des Brauhauses und ist froh, mittlerweile meistens die Tagesschicht zu machen.

10.30 Uhr: Zeit für eine Besprechung

Einmal in der Woche treffen sich die drei Gesellschafter mit dem Betriebsleiter zur Besprechung. Ende November stehen die Weihnachtsdekoration, das Jubiläumsfest und eine Verkostung des Weihnachtsfestbiers auf dem Programm. Michael Metsche, einer der dienstältesten Brauer Berlins, ist zufrieden. Das Fest, mit dem sich das Brauhaus bei Gästen und Geschäftsfreunden bedanken will, kann kommen.

10.30 Uhr: Betriebsleiter Günther Sackel öffnet die Tür

Kurz bevor sich die Tür der einstigen Heeresdampfwäscherei öffnet, hört Betriebsleiter Günther A. Sackel mitunter Sätze wie „Ich habe meine Arbeitssachen noch nicht an“ von einem Mitarbeiter. Dem entgegnet er dann: „Jetzt aber schnell.“ Denn oft warten die ersten Gäste schon vor der Tür, deshalb wird immer schon kurz vor der regulären Öffnungszeit aufgeschlossen.

45 feste, zumeist langjährige Mitarbeiter hat das Brauhaus. In der Sommersaison sind es mit Aushilfen bis zu 70, für die Sackel, der seit 2006 im Brauhaus arbeitet, verantwortlich ist.

15.00 Uhr: Hier laufen die Telefone heiß

Das Telefon klingelt oft, ständig laufen Mails ein. Mitunter nutzt Michael Dornemann auch noch das Faxgerät. Dornemann ist Ansprechpartner für alle Veranstaltungen im Brauhaus wie Hochzeiten, Weihnachtsfeiern oder die Silvesterparty. Er spricht die Wünsche der Gäste mit der Küche ab und behält die Kapazitäten von Sudhaus, Brauerstube oder Biergarten im Blick. Im Sommer gibt es Platz für bis zu 650 Besucher.

17.30 Uhr: Deftige Kost nach Brauhaus-Art

Für Küchenchef Frank Thies endet seine Schicht an diesem Tag. Frische Ware ist gekommen, die nächsten Bestellungen sind schon aufgegeben. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Thies im Brauhaus. Mit seinem zehnköpfigen Team bereitet er bei vollem Haus schon mal bis zu 300 Hauptgänge am Abend zu, in der Adventszeit vermehrt Enten- und Gänsekeulen, die auch der Chef empfiehlt. Die Karte wechselt saisonal viermal im Jahr, „aber es ist immer deftige Brauhaus-Küche – passend zum Bier“, so Thies.

18.30 Uhr: Hier wird "Havelbräu" serviert

Maik Ulitzsch serviert Klaus Scholz sein erstes „Havelbräu“. Man kennt sich hier: Scholz ist schon seit vielen Jahren Stammkunde, Ulitzsch schon zehn Jahren dabei. Neben dem Service hat der 33-Jährige noch ein Bierseminar zum Thema Bockbier vorbereitet, das mit 60 Teilnehmern stattfindet. Da heißt es: Tische aufbauen, Gläser vorbereiten. „Das Team ist familiär, und gerade mit den Stammgästen macht es immer viel Spaß“, so der gebürtige Sachse.

Brauhaus Spandau Neuendorfer Str. 1, Spandau, Tel. 353 90 70, tgl. ab 11 Uhr, So. ab 10 Uhr, www.brauhaus-spandau.de