Abfall in Berlin

Mit der Zigarettenkippe abstimmen: Neue Ballot Bins geplant

Zehn Wochen lang wurden die Zigarettenmülleimer getestet. Das Projekt wird als Erfolg gewertet – weitere Ballot Bins sollen kommen.

Auch vorm Spandauer Geschäft von Bettina Gräbnitz (l.), hier mit Beate Ernst von „Wir Berlin“, wurde ein Ballot Bin installiert.

Auch vorm Spandauer Geschäft von Bettina Gräbnitz (l.), hier mit Beate Ernst von „Wir Berlin“, wurde ein Ballot Bin installiert.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Dafür sorgen, dass weniger Zigarettenkippen achtlos auf den Boden geworfen werden – das war das Ziel des zehnwöchigen Pilotprojekts in der Spandauer Wilhelmstadt, bei dem an mehreren Orten sogenannte Ballot Bins aufgehängt wurden. So heißen die leuchtend gelben Zigarettenmülleimer, die gleichzeitig Umfrageboxen sind. Die meisten Beteiligten werten das Projekt als Erfolg. Und es hat nun wohl auch den Anstoß gegeben, an weiteren Orten solche sogenannten Ballot Bins zu testen.

Insgesamt rund 4500 Kippen sind laut dem Verein „Wir Berlin“, der das Projekt in der Wilhelmstadt initiiert und mitbetreut hat, in den 14 aufgestellten Kästen gelandet. Ein besonders stark genutzter befand sich auch vor dem Rathaus Spandau, weitere Ballot Bins waren unter anderem vor einer Bar, einer Tierarztpraxis und einem Druckstudio angebracht.

Sauberkeit in der Wilhelmstadt durch Ballot Bins verbessert

Wie „Wir Berlin“ mitteilt, habe sich die Sauberkeit an 90 Prozent der privaten Standorte verbessert. Ebenso hoch sei der Anteil an Gewerbetreibenden, die die Ballot Bins auch nach Ende der Testphase, die aus Fördermitteln des Aktionsprogramms „Sauberes Berlin“ finanziert wurde, weiter betreiben möchten.

Auch Gäste und Passanten hätten die Aktion positiv beurteilt, wie eine erste Auswertung einer Umfrage ergab. „85 Prozent der Befragten wollen, dass Ballot Bins dauerhaft installiert werden“, so Projektleiter Sebastian Weise von „Wir Berlin“. Wünschen würden sich die Menschen die Zigarettenmülleimer vor allem an Bushaltestellen und vor Cafés, Kneipen oder Ämtern.

Pilotprojekt in Spandau hat andere Projekte in Berlin angeregt

Begeisterung löst bei dem Verein aber vor allem aus, was sich nun im Nachhinein aus dem Spandauer Test zu entwickeln scheint. „Wir hatten nicht erwartet, dass sich aus einem eher kleinen, kiezbezogenen und zeitlich sehr limitierten Projekt eine solch große Dynamik in der Stadt entwickelt“, sagt Weise. So wurde im Abgeordnetenhaus bereits von der FDP ein Antrag zu Ballot Bins in Berlin gestellt, um die Zahl der Kippen auf Berliner Straßen und Gehwegen zu reduzieren.

In Pankow gibt es einen Antrag der CDU-Fraktion, die Umfrageboxen für den Bezirk zu kaufen. In Neukölln stehen zwei erste, selbst gebaute Ballot Bins bereits, wie ein Sprecher des Bezirks mitteilt. „Für weitere Ballot Bins werden noch Standorte gesucht.“ Entscheidend sei, dass Paten gefunden werden, die die Betreuung und Leerung übernehmen.

BSR bereitet Test von Ballot Bins in Berlin vor

Auch in Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Reinickendorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Steglitz-Zehlendorf gibt es laut „Wir Berlin“ Interesse. Der Verein sei mit den meisten der Bezirke in Kontakt dazu, so Weise. Und nicht zuletzt die Berliner Stadtreinigung (BSR) befasst sich aktuell mit dem Thema.

Die BSR bereite zurzeit ebenfalls ein Pilotprojekt vor, bei dem die Ballot Bins in der Stadt getestet werden sollen, sagt Pressesprecherin Sabine Thümler der Berliner Morgenpost. „Wir werden einen Test an einigen Standorten machen und sehen, ob wirklich weniger Kippen auf dem Boden liegen.“ Dabei gehe es um „Hotspots“, an denen vorhandene Mülleimer kaum etwas bewirken – etwa an U-Bahn-Eingängen und Bushaltestellen, so Thümler.

BSR führt Gespräch mit Spandau zu neuen Standorten für Ballot Bins

Gerade bei kleinen Pflastersteinen, wie sie in Berlin häufig an Gehwegen zu finden sind, sei es für die Mitarbeiter nur schwer und mit großem Aufwand möglich, die Zigarettenkippen zu entfernen. Durch die Ballot Bins, so die Hoffnung, soll diese Arbeit weniger notwendig werden. Und auch Spandau könnte von dem Projekt der BSR profitieren. „Wir sind mit Spandau im Gespräch und gucken, wo es passen könnte“, sagt Thümler.

Die Ballot Bins aus der Spandauer Wilhelmstadt sollen den Geschäftstreibenden, die das Projekt weiterführen möchten und sich künftig dann auch selbst um den Betrieb kümmern, erhalten bleiben, sagt Projektleiter Weise. Während der Testphase hatte sich „Wir Berlin“ um die Leerung gekümmert.

Auch Berliner Schulen haben Interesse an den Zigarettenmülleimern

Eine der Geschäftstreibenden, die ihren Ballot Bin behalten möchte, ist Bettina Gräbnitz, der ein Druckgeschäft in der Wilhelmstadt gehört. „Tagsüber hat er auf jeden Fall etwas gebracht, da sind keine Kippen mehr auf dem Boden vor meinem Laden gelandet“, sagt sie. Die Leerung künftig selbst zu übernehmen, sei kein Problem für sie.

„Wir Berlin“ kündigt an, das Thema in Berlin weiter voranzutreiben, auch zusammen mit Schulen, von denen ebenfalls einige Interesse an Ballot Bins für ihre Eingänge geäußert hätten. Einen umfassenden Evaluationsbericht zum Projekt in der Wilhelmstadt soll es laut „Wir Berlin“ Ende Dezember geben.

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