Berlin-Spandau

Waldkrankenhaus bekommt moderne Station für Neugeborene

Im Waldkrankenhaus wird eine neue Neonatologie gebaut. Auch die Kreißsäle werden erweitert. Rund 9 Millionen werden investiert.

Auf der Neonatologie werden auch zu früh geborene Kinder versorgt. Die Neonatologie im Spandauer Waldkrankenhaus wird zurzeit ausgebaut. (Symbolbild)

Auf der Neonatologie werden auch zu früh geborene Kinder versorgt. Die Neonatologie im Spandauer Waldkrankenhaus wird zurzeit ausgebaut. (Symbolbild)

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Das Evangelische Waldkrankenhaus in Spandau bekommt eine neue, doppelt so große Neonatologie. Auf der Intensivstation werden erkrankte Säuglinge, vor allem auch Babys, die zu früh geboren worden, behandelt. Insgesamt 5,2 Millionen Euro fließen in den Ausbau, durch den die Neonatologie in Spandau zu einer der modernsten in Berlin werden soll. Rund 1,9 Millionen Euro werden davon durch das Kommunalinvestitionsprogramm gefördert.

„Wir haben die Bereiche total entkernt“, berichtet Michael Weidt, Bereichsleiter im Service Center für Bau- und Energiemanagement. 40 Lkw-Ladungen mit Bauschutt habe man abtransportiert, neue Kabel mit einer Länge von insgesamt 13 Kilometern verlegt. Noch laufen die Arbeiten für die neue Station; am 10. Januar 2020 soll sie nach rund 17 Monaten Bauzeit offiziell eröffnen.

Waldkrankenhaus Spandau: Bedarf an Neonatologie-Plätzen ist hoch

Das Krankenhaus reagiert mit dem Umbau auf die medizinischen Veränderungen in den vergangenen Jahren, aber auch auf den gestiegenen Bedarf. Es gebe wenige Krankenhäuser im Umfeld, in denen kleine Kinder intensivmedizinisch betreut werden könnten, sagt Frank Jochum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Spandauer Waldkrankenhaus. Das führe dazu, dass manche Eltern schon Schwierigkeiten hätten, entsprechende Plätze für ihre Kinder zu finden.

Durch Kooperationen mit dem Martin-Luther-Krankenhaus in Wilmersdorf, der Oberhavel Klinik in Oranienburg und dem Krankenhaus in Nauen kommen zudem auch von dort regelmäßig junge Patienten, die auf der Neonatologie in Spandau betreut werden müssen. Jochum berichtet weiter, dass die Zahl der Frühgeborenen in den vergangenen Jahren gestiegen sei, unter anderem bedingt dadurch, dass Mütter heute häufig älter sind.

Geburtenzahlen im Waldkrankenhaus deutlich gestiegen

Nicht zuletzt hängt der gestiegene Bedarf auch damit zusammen, dass mehr Kinder geboren werden. 2014 lag die Zahl der Geburten im Evangelischen Waldkrankenhaus noch bei knapp 2100, in diesem Jahr werden es laut Simone Theissen, Prokuristin und Projektleiterin des Umbaus, mehr als 2400 sein.

Klar: In Spandau gibt es aktuell viele Neubaugebiete, zudem gehört das westliche Berliner Umland zum Einzugsgebiet der Klinik, darunter das stark wachsende Falkensee. „Dort ziehen viele junge Familien hin, das merken wir hier“, sagt Theissen. Man sei, auch durch eine höhere Zahl an Risikoschwangerschaften, an einer Kapazitätsgrenze angekommen.

Neonatologie in Spandau wächst auf 720 Quadratmeter

Also wird die Spandauer Neonatologie vergrößert: Statt wie bisher 305 Quadratmeter, sollen künftig 720 Quadratmeter zur Verfügung stehen. 21 statt 16 Betten soll die Station dann haben, zwei Zimmer sind zugleich als Schlaflabore und Rooming-In konzipiert, sodass ein Elternteil bei dem Kind übernachten kann.

Auch über eine Milchküche, ein Stillzimmer und einen größeren Geräteraum, vor allem zur Reinigung der Technik, soll die Neonatologie künftig verfügen. Hinzu kommt ein Labor, das auf Kinder ausgerichtet ist. Für Untersuchungen reichen dort kleine Blutmengen aus, weil gerade zu früh geborene und dadurch sehr leichte Babys nur ein geringes Blutvolumen haben. Rund 50 Säuglinge mit einem Gewicht von unter 1500 Gramm werden im Waldkrankenhaus jährlich betreut.

Neue Technik für eine Million Euro für das Waldkrankenhaus

Auch die einzelnen Patientenzimmer werden vergrößert. Die engen Räume seien in den 70er-Jahren geplant und 1980 in Betrieb genommen worden. „Wir brauchen heute mehr Platz pro Behandlung“, erklärt Chefarzt Jochum. Unter anderem deshalb, weil die Eltern stärker in die Behandlung eingebunden werden. Und auch die Geräte würden heute mehr Raum in Anspruch nehmen.

Mit dem Umbau kommt weitere, neue Technik dazu, von den Gesamtkosten fließt etwa eine Million Euro dort hinein. Darunter sind laut Theissen Inkubatoren, die gleichzeitig als Reha-Einheit und Wärmebettchen funktionieren können, außerdem ein neuer Transportinkubator, für die genannten Fälle, bei denen Kinder aus anderen Kliniken ins Waldkrankenhaus kommen.

Evangelisches Waldkrankenhaus will insgesamt 15 Millionen Euro investieren

Um den ab Januar größeren Kapazitäten gerecht zu werden, muss aber auch das Personal wachsen. Man stehe bei Hebammen und Krankenschwestern für die Neonatologie derzeit gut da, sagt Theissen. Dennoch werden für die Zeit nach dem Umbau Pflegekräfte für die Neonatologie gesucht.

Aber nicht nur diese Station soll vergrößert werden: Für rund 3,5 Millionen Euro ist auch ein Umbau des angrenzenden Geburtszentrums geplant. Im Frühjahr 2020 sollen die Arbeiten dort planmäßig starten, wobei die Zahl der Kreißsäle auf fünf steigen soll, zusätzlich gibt es einen OP für Kaiserschnitte. Als Reaktion auf häufige Mehrlingsgeburten gibt es zudem einen direkt anschließenden Raum, in dem bis zu Drillinge nach der Geburt versorgt werden können.

Und die Pläne gehen noch weiter. „In den nächsten vier, fünf Jahren werden wir 15 Millionen Euro investieren, um der wachsenden Stadt gerecht zu werden“, sagt Weidt. „Es gab Zeiten, wo wir einen Raumüberschuss hatten. Heute nutzen wir jeden Quadratmeter aus.“

So stehen auch Bauarbeiten in der Radiologie und an OP-Sälen an. Zwei neue Operationsräume und ein Eingriffsraum sollen bereits Ende November in Betrieb genommen werden. Weitere Bauarbeiten sind für Ende des kommenden Jahres geplant.

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