Bauernhof in Gatow

Gerissenes Schaf in Berlin-Gatow: Wahrscheinlich kein Wolf

Der Tod eines Schafs in Berlin-Gatow geht nach Experten-Einschätzung wahrscheinlich nicht auf einen Wolf zurück.

Ein Wolf steht in einem Tierpark in seinem Gehege (Archivbild)

Ein Wolf steht in einem Tierpark in seinem Gehege (Archivbild)

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Berlin. Der Tod eines Schafs in Berlin-Gatow geht nach Experten-Einschätzung wahrscheinlich nicht auf einen Wolf zurück. Zu diesem Schluss komme ein Rissgutachter in seinem vorläufigen Befund, sagte Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Es gebe deutliche Indizien, zum Beispiel anhand der Bissspuren, dass ein Hund das Schaf gerissen habe. Gewissheit soll eine genetische Untersuchung bringen, deren Ergebnisse Ehlert zufolge Ende des Monats erwartet werden.

Das Schaf war in der vergangenen Woche nachts auf dem Kinder- und Familienbauernhof "Vierfelderhof" in Gatow gerissen worden. Im Umfeld des Hofes habe es zuvor keinerlei Hinweise auf Wölfe gegeben, sagte Ehlert. Dass wildernde Hunde Wild- und auch Nutztiere reißen, komme in Berlin mehrmals pro Jahr vor.

In der Hauptstadt gibt es Ehlert zufolge bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis für ein Wolfsvorkommen. Bekannt sind jedoch Wolfsrudel im Süden und Norden und Osten der Stadt. Daher gilt als wahrscheinlich, dass die Tiere Berliner Gebiet schon durchlaufen haben und früher oder später auch verlässlich gesichtet werden. Grundsätzlich sei die Stadt jedoch kein favorisierter Lebensraum von Wölfen, so Ehlert.

Spekulationen über Wolf in Berlin-Gatow: Kadaver des Schafes Ende Oktober entdeckt

Wie Kerstin Stoof, Sprecherin des Vierfelderhofs, auf Nachfrage bestätigte, sei der Kadaver des Schafs bereits in der Nacht zum 31. Oktober entdeckt worden. „Das Schaf wird derzeit im Landeslabor Berlin-Brandenburg untersucht“, sagte Stoof.

Die „B.Z.“ hatte zuvor berichtet, dass ein Experte auch einen Wolf als möglichen Verursacher in Betracht ziehe. Die Vierfelderhof-Sprecherin stellte klar: „Es gibt bislang keinerlei Anzeichen, dass ein Wolf das Schaf gerissen hat.“ Weder Besucher noch Bewohner hätten einen Wolf auf dem Bauernhof in Gatow beobachtet.

„Befragte Experten weisen darauf hin, dass Wölfe äußerst scheu sind und sie Menschen meiden. Es hat bisher keine Sichtungen gegeben. Auch nach dem Vorfall haben wir uns im Umfeld erkundigt und auch von dort keinerlei Informationen über die Sichtung eines Wolfes erhalten“, teilte der Hof weiter mit.

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In Brandenburg leben deutschlandweit die meisten Wölfe

In Brandenburg wurden im vergangenen Jahr 235 Schafe getötet, 2017 waren es 325. In diesem Jahr wurden bis Mitte April bereits 74 tote Schafe den Angriffen von Wölfen zugeordnet. Auch Ziegen, Damwild und Rinder starben.

In Brandenburg leben deutschlandweit die meisten Wölfe: Nach derzeitigem Stand 37 Rudel und ein Paar. Die Zahl steigt stark an. Im vergangenen Jahr waren es noch 26 Rudel. Damit leben rund die Hälfte aller deutschen Wölfe in Brandenburg.

Derk Ehlert, Tierschutzexperte und Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, hatte zuletzt immer wieder klargemacht, dass es bislang keinen einzigen Beweis gebe, dass sich Wölfe bereits in Berlin aufhielten. Sichtungen von Wölfen in Berlin hatte es vermeintlich zuletzt am Rande des Tegeler Forsts gegeben.