Verkehr

Neue Poller in der Altstadt Spandau sorgen für Diskussionen

Viele haben sie sich gewünscht, nun sind die Poller da. Doch deren Position direkt vor einem Geschäft sorgt für wenig Begeisterung.

In der Altstadt Spandau gibt es seit Kurzem Poller. Zwei davon wurden direkt vor das Geschäft „Ringfoto Fehse“ gesetzt.

In der Altstadt Spandau gibt es seit Kurzem Poller. Zwei davon wurden direkt vor das Geschäft „Ringfoto Fehse“ gesetzt.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Anfang Oktober wurden in der Altstadt Spandau Poller installiert, um Autos aus der Fußgängerzone herauszuhalten, die bislang oft als Abkürzung genutzt wurde. Dass die Poller benötigt werden, das bejahen viele Anwohner und Geschäftsleute aus dem Spandauer Zentrum. Allerdings: Die Art und Weise der Umsetzung trifft nicht überall auf Zustimmung.

Heike Steinwallner, Chefin des Geschäfts „Ringfoto Fehse“ wurde von den Pollern vor ihrem Laden überrascht. Wer sich nun die Ständer mit Postkarten anschauen will, muss um einen Pfosten herumlaufen. Am frühen Morgen, sagt Steinwallner, seien die Poller installiert worden. „Wir waren gar nicht da, um einzugreifen.“ Ein Poller befinde sich sogar in der Sondernutzungsfläche vor dem Laden, für die sie eine Gebühr bezahle.

Bezirksamt Spandau erklärt, Position der Poller sei planerisch korrekt

„Sehr unglücklich“, nennt Steinwallner die Positionierung der Poller. Inzwischen hat sie sich auch an das Bezirksamt gewandt, mit der Bitte, eine Lösung zu finden. Der zuständige Bezirksstadtrat Frank Bewig (CDU) erklärt auf Nachfrage, Abstimmungen zur Position der Poller hätte es mit den Geschäftsleuten im Vorfeld nicht gegeben. Deren Ort sei gewählt worden, um die Breite Straße von unerlaubten Autos zu befreien und hänge zudem mit den unterirdischen Versorgungsleitungen an dieser Stelle zusammen.

„Die Poller sind aus planerischer Sicht korrekterweise in einer Linie angeordnet und erfüllen ihren Zweck“, betont der Stadtrat. Dennoch soll es eine Lösung geben: Geplant ist, die Poller noch einmal um wenige Meter zu versetzen, kündigt Bewig an.

Fahrradständer mussten für Poller in der Altstadt entfernt werden

Was die Geschäftsbetreiberin aber auch verwundert, ist, dass wenige Meter von ihrem Laden entfernt Fahrradständer im Zuge des Poller-Aufbaus verschwunden sind. Gerade, wenn man die Menschen davon abhalten will, mit dem Auto zur Altstadt zu fahren, müsste es doch Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geben, meint sie.

Beim Grund, weshalb die Fahrradständer entfernt wurden, verweist Stadtrat Bewig auf die Feuerwehr und Berliner Stadtreinigung. Beide hätten sich über die Ständer an dieser Stelle beschwert. „Hintergrund ist, dass dort abgestellte Fahrräder mitunter zu weit in die Verkehrsfläche herein ragen und so die Zufahrt entweder erschweren oder behindern“, erklärt Bewig. Es werde nun ein geeigneter Ersatzstandort gesucht. Und Bewig kündigt an: „Mittelfristig wird die Anzahl der Fahrradständer im gesamten Bereich der Altstadt ohnehin erhöht.“

Auch Unbefugte verschaffen sich Zufahrt in die Altstadt Spandau

Doch auch weitere Punkte sorgen bei den Pollern in Spandau für Diskussionen. An den Einfahrten zur Breiten Straße sowie an der Ecke Carl-Schurz-Straße/ Mönchstraße gibt es auch versenkbare Poller, die im Notfall von Polizei oder Rettungskräften heruntergelassen werden können. Das Absenken funktioniert mit einem „Feuerwehr-Dreikant-Schlüssel“. Und genau darin liegt ein Problem.

„Wir müssen nun feststellen, dass offenbar nicht ausschließlich Polizei- und Rettungskräfte derartige Schlüssel mit sich führen, sondern auch Unbefugte, die sich ordnungswidrig Zugang zur Altstadt verschaffen, indem sie den Poller herunterlassen“, sagt Bewig. Meistens geschehe das auch noch, ohne den Zugang wieder zu schließen. Entsprechend nutzen dann auch weitere Autofahrer die Chance, weiter in die Fußgängerzone zu fahren.

Ordnungsamt und Polizei sollen Situation in der Altstadt kontrollieren

Andere wiederum parken ihre Fahrzeuge einfach direkt vor den Pollern, soweit sie eben noch fahren können. Auch das ist, wegen der Fußgängerzone, allerdings nicht erlaubt. Sven-Uwe Dettmann, Chef der Bezirksmarketingagentur „Partner für Spandau“, betont ebenfalls, dass viele die Poller befürworten. Dennoch äußert auch er Kritik. „Man hätte die Poller in den ersten Wochen massiv begleiten müssen“, sagt er.

Polizei und Ordnungsamt müssten in der Anfangszeit verstärkte Kontrollen organisieren und Strafen durchsetzen, „bis die Leute es verstanden haben“, so Dettmann. Er habe in den vergangenen Wochen bereits Autofahrer erlebt, die nun Zick-Zack durch die Altstadt fahren, bis sie eine freie Ausfahrt gefunden haben, und dadurch sogar noch längere Strecken durch die Fußgängerzone fahren würden.

Wie Bezirksstadtrat Bewig sagt, hat es bereits Kontrollen in der Altstadt gegeben, die nun auch regelmäßig stattfinden sollen. Das Straßen- und Grünflächenamt hätte dazu Absprachen mit Ordnungsamt und Polizei getroffen. Er sei, so Bewig, zuversichtlich, dass sich die Kontrollen herumsprechen und damit dazu beitragen werden, Autofahrer aus dem historischen Zentrum herauszuhalten.

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