Altstadt Spandau

Zwei Jahre Altstadthausmeister: So fällt die Bilanz aus

Die Altstadthausmeister sollen im Zentrum für mehr Sauberkeit sorgen. Einige loben die positive Entwicklung, andere äußern aber Kritik.

Jürgen Pelikan ist als Altstadthausmeister in der Altstadt Spandau unterwegs, um dort für mehr Sauberkeit zu sorgen.

Jürgen Pelikan ist als Altstadthausmeister in der Altstadt Spandau unterwegs, um dort für mehr Sauberkeit zu sorgen.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Das historische Zentrum von Spandau sauberer und attraktiver machen, das war das Ziel, als auf Initiative von Unternehmern aus der Altstadt 2017 die erste Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Berlins gegründet wurde. Um das Ziel zu erreichen, wurde im Oktober 2017 ein Team von „Altstadthausmeistern“ eingesetzt, die das Gebiet zusätzlich zu den Kräften der Berliner Stadtreinigung (BSR) putzen sollen. Nach zwei Jahren ist es nun Zeit, Bilanz zu ziehen – denn das Projekt war von Beginn an nicht frei von Kritik.

Hintergrund ist vor allem die Finanzierung: Die läuft über eine Sonderabgabe, zu der alle Immobilienbesitzer aus der Altstadt verpflichtet sind, sofern sich in den Häusern eine Gewerbeeinheit befindet. Je nach Größe der Immobilie können das mehrere Tausend Euro im Jahr sein, die die deutlich über 100 betroffenen Eigentümer zahlen müssen.

Für die fünf Jahre, über die das ISG-Projekt läuft, kommt so gut eine Million Euro zusammen. Davon flossen im ersten Jahr gut 140.000 Euro in die Umsetzung der „ISG-Maßnahmen“, sprich in die Finanzierung der Altstadthausmeister, die von der Firma Niederberger kommen und sechs Tage pro Woche das Zentrum säubern sollen. Weiteres Geld wurde für eine juristische Beratung, Marketing und an den Aufgabenträger gezahlt.

Weniger Graffitis und unerlaubte Plakate in der Altstadt Spandau

Sven-Uwe Dettmann von „Partner für Spandau“, eben jener Aufgabenträger, bewertet die Entwicklung der Sauberkeit in der Altstadt Spandau nach zwei Jahren als positiv, die Arbeit der Altstadthausmeister insgesamt als Erfolg. „Es ist viel besser geworden“, meint Dettmann. „Aber es ist immer schwierig, über Dinge zu reden, die weg sind. Die Leute vergessen schnell, dass es an allen Häusern Grünbewuchs gab, in dem Müll hing.“ Auch Graffitis seien zahlreiche von den Wänden verschwunden, unerlaubte Plakate und Aufkleber würden regelmäßig entfernt.

Auch Michael Henkel, Vorsitzender des Koordinierungsausschusses der ISG und Mitglied der Altstadtvertretung, meint, dass sich die Sauberkeit verbessert hat. Er verweist dabei etwa auf die Brückenköpfe der Charlottenbrücke, die gereinigt wurden, und deren gestrichene Stahlträger. „Und ein positiver Nebeneffekt ist, dass die BSR ihre Reinigungsintervalle intensiviert hat“, sagt er.

Aber nicht alle sind mit der Arbeit der Hausarbeit zufrieden. Axel Reimann ist Besitzer eines Hauses in der Moritzstraße, auch er zahlt nach eigenen Angaben jährlich mehrere Tausend Euro für das Projekt. Das wäre okay, sagt er, wenn tatsächlich etwas passieren würde. „Aber es ärgert mich, dass die Altstadt trotzdem nicht gepflegt aussieht.“

Anwohner kritisiert Zigarettenkippen, die noch herumliegen

Reimann schildert, dass in seiner Straße weiterhin Müll liegen würde. Und dass er die Altstadthausmeister zudem nur selten bei sich sehe. Auch ein Anwohner von dort kritisiert, dass immer noch viele

Zigarettenkippen herumliegen würden, vor allem rund um die Geschäfte. „Die Moritzstraße ist doch aber ein Eingang zur Altstadt, der muss sauber sein“, sagt er. Eine große Veränderung habe er in den zwei Jahren nicht bemerkt.

Dettmann sagt, es gebe viele Anwohner und Geschäftsleute, die das Projekt oder die Altstadthausmeister direkt loben würden. Er kennt aber auch die Kritik und erzählt, dass ein paar Hauseigentümer sogar Klage gegen das Gesetz eingereicht hätten, mit dem das Land Berlin die Rechtsgrundlage für solche Zusammenschlüsse wie die Spandauer ISG geschaffen hat.

Die Widersprüche werden auch zu einer Herausforderung für die Finanzierung: Denn das Finanzamt würde bei diesen Eigentümern zwar die Abgabe einbehalten, aber nicht weiterleiten, sodass das Geld für die Finanzierung des Projekts nicht zur Verfügung steht. „Das Geld fehlt in der Kasse“, sagt Henkel, der hofft, dass über die Widersprüche bald entschieden wird. Die fehlende Summe wurde im ersten Jahr vom Aufgabenträger ausgeglichen.

Altstadt-Pflaster erschwert die Reinigung

Potenzial, das Projekt noch zu verbessern, sehen aber auch Henkel und Dettmann. Henkel sagt, er würde sich eine häufigere Präsenz der Altstadthausmeister wünschen. Und dass diese nicht nur putzen, sondern auch als Ansprechpartner für Besucher bereitstehen und Kontakt zu den Geschäftsleuten halten. „Das ist allerdings sehr ambitioniert“, räumt er ein.

Dettmann sieht bei der Sauberkeit noch Luft nach oben. Einfach sei es aber nicht immer, diese zu verbessern. So können etwa Graffitis nur von Häuserwänden entfernt werden, wenn die Eigentümer dies genehmigen. Aber es gebe manche, die die Erlaubnis nicht erteilen – so etwa für ein Haus nahe das Reformationsplatzes, das immer weiter besprüht wird. „Das ist fürchterlich für die Altstadt und wirft auch ein schlechtes Licht auf das Projekt“, sagt Dettmann.

Projekt in der Altstadt Spandau läuft noch bis 2022

Ein anderes Thema sind die Zigarettenkippen, die tatsächlich noch vielfach rund um Geschäftseingänge, die U-Bahn-Eingänge oder Sitzbänke zu finden sind. „Bei dem alten Pflaster sind die Fugen so tief, dass man die Kippen kaum herausbekommt“, sagt Dettmann. Er setzt deshalb seine Hoffnung in das neue Pflaster, dass im Zuge der Umgestaltung der Altstadt verlegt werden soll. „Ganz wegbekommen wird man sie aber nicht“, so Dettmann. Wenn man das Wegwerfen der Kippen nicht stärker ahnde, würden die Menschen es einfach weitermachen und der Putz-Effekt nur kurz halten.

Die ISG besteht noch bis zum Jahr 2022, bis dahin ist die Laufzeit begrenzt. Eine einfache Verlängerung ist nicht möglich, auf Initiative der Unternehmer aus der Altstadt müsste erneut ein Verfahren angestoßen werden, um den Zusammenschluss ein weiteres Mal durch den Berliner Senat einrichten zu lassen.

Henkel würde das Projekt durchaus gern fortsetzen. „Sonst sehe ich die Gefahr, dass die Altstadt in den Status quo ante zurückfällt“, sagt er. „Ich sehe das schon als Fortsetzungsgeschichte.“ Henkel fügt aber auch hinzu: „Wir müssen schauen, was umsetzbar ist.“

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