Nach Zitadellen-Auftritt

Feine Sahne Fischfilet - Juristischer Erfolg gegen CDU

Die Band Feine Sahne Fischfilet hat sich nach einem Konzert auf der Zitadelle juristisch gegen Vorwürfe der CDU gewehrt - mit Erfolg.

Jan ·Monchi· Gorkow, Sänger von Feine Sahne Fischfilet, beim Open-Air Konzert der Politpunkband Feine Sahne Fischfilet in der Zitadelle Spandau.

Jan ·Monchi· Gorkow, Sänger von Feine Sahne Fischfilet, beim Open-Air Konzert der Politpunkband Feine Sahne Fischfilet in der Zitadelle Spandau.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Im Streit um das Konzert von Feine Sahne Fischfilet auf der Zitadelle Spandau hat die Punkband einen juristischen Erfolg erzielt. Wie die Musiker nun über die PR-Agentur „check your head“ mitteilten, haben sie durch ihre Anwältin bei dem Bezirksamt Spandau eine Unterlassungserklärung erwirkt, mit der dieses verpflichtet wurde, eine nicht zutreffende Behauptung richtig zustellen.

Im Kern ging es darum, dass das Spandauer Bezirksamt einige Wochen nach dem Konzert auf eine Anfrage der Spandauer AfD-Fraktion gesagt hatte, dass die Band von der Bühne aus Glasflaschen ans Publikum verteilt und damit gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen hatte. Laut Band handelte es sich dabei allerdings um Plastikflaschen. Eine entsprechende Richtigstellung hat das Bezirksamt bereits Ende Oktober veröffentlicht.

Auch die Berliner CDU-Fraktion habe, wie es in der aktuellen Pressemitteilung von „check your head“ weiter heißt, nach Aufforderung einen Post auf ihrer Facebookseite entfernt. In diesem sei ebenfalls von Glasflaschen die Rede gewesen, außerdem davon, dass auf der Bühne Pyrotechnik gezündet und hierdurch gegen Sicherheitsauflagen verstoßen worden sei. In Bezug auf die zweite Äußerung habe die Fraktion angekündigt, die geforderte Unterlassungserklärung abzugeben, erklärt „check your head“.

Ende September hatte die Band in einem Facebook-Post angekündigt, zivilrechtlich gegen die Spandauer CDU vorzugehen, weil diese falsche Behauptungen verbreite, die der Band und dem Veranstalter bewusst schaden würden. Auch der Veranstalter des Konzerts, der Festsaal Kreuzberg, erklärte damals in einem Statement auf Facebook, er würde juristische Schritte prüfen, um sich dagegen zu wehren. „Die von der CDU erhobenen Anschuldigung weisen wir entschieden zurück“, schrieb der Festsaal Kreuzberg.

Auslöser für die Ankündigungen der Band und des Veranstalters war die Spandauer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in der vergangenen Woche, bei der der Auftritt der Band Thema war. Auf eine Große Anfrage der AfD-Fraktion hatte Kulturstadtrat Gerhand Hanke (CDU) zunächst von einem Auftrittsverbot für die Band in der Zitadelle gesprochen. Hankes Referent hatte kurz darauf gesagt, es werde zwar kein Auftrittsverbot geben, ausgeschlossen werde in Zukunft aber die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter, dem Festsaal Kreuzberg.

Bezirksamt verwies auf unerlaubte politische Diskussion und Bengalos

Als Grund wurde das Zünden von Bengalos genannt, sowohl im Publikum, als auch auf der Bühne. Zudem war von der Ausgabe von Glasflaschen die Rede, womit gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen worden sei. Außerdem habe es statt einer Vorband vor dem Auftritt von Feine Sahne Fischfilet ab 18.30 Uhr eine politische Diskussion auf der Zitadelle gegeben, für die es keine Erlaubnis gegeben habe.

Zudem seien Aufkleber an Besucher verteilt worden, die an mehreren Stellen auf der Zitadelle Spandau verklebt und laufend von Mitarbeitern des Bezirksamtes entfernt werden mussten.

Feine Sahne Fischfilet weist Vorwürfe im Facebook-Post zurück

Die Band nahm in einem Facebook-Post Stellung zu den Vorwürfen. So sei die Verwendung von Pyrotechnik auf der Bühne ordnungsgemäß angemeldet und genehmigt worden. Auf das Zünden von Bengalos aus dem Publikum habe weder Band noch Veranstalter Einfluss gehabt, da das Sicherheitspersonal vom Citadel Music Festival gestellt worden sei.

Zum Vorwurf, die Band habe Glasflaschen von der Bühne verteilt, hieß es: „Diese Behauptung ist falsch!“ Man habe Plastikflaschen verwendet. „Vertreter der CDU waren offensichtlich selbst nicht zugegen und verbreiten nun die Lüge mit den Glasflaschen, um uns, und noch viel schlimmer der Firma, die unser Konzert veranstaltet hat, bewusst zu schaden“, so die Band. Man werde deshalb zivilrechtlich „gegen die Berliner CDU sowie die Bezirkspolitiker, die diese unwahren Behauptungen verbreiten, vorgehen.“

Festsaal Kreuzberg erklärt, nötige Sicherheitsmaßnahmen wurden anerkannt

Auch zum Vorwurf, dass es sich um eine nicht genehmigte politische Veranstaltung gehandelt habe, bezog die Band Stellung: Das Gespräch sei Teil des Konzerts gewesen. Dies dem Veranstalter vorzuwerfen, sei „ein satter Skandal“. Die Band schrieb: „Dass sich CDU und AfD zusammentun in dem Versuch, solche Statements, die im Rahmen einer Konzertveranstaltung, die in einer kommunalen Einrichtung wie der Zitadelle gemacht werden, zu verbieten und zu sanktionieren, lässt tief blicken und erfüllt uns mit größter Sorge.“

Die Veranstalter, der Festsaal Kreuzberg, betonte auf seiner Facebook-Seite, das Konzert sei „gewissenhaft und unter Anerkennung der nötigen Sicherheitsmaßnahmen vorbereitet und durchgeführt“ worden, verwies ebenfalls darauf, dass für die Pyrotechnik auf der Bühne eine Anmeldung vorgelegen habe und dass es keine Glasflaschen gegeben habe. „Wir sind verblüfft darüber, wie offensichtlich und unreflektiert sich die Spandauer CDU vor den Karren der AfD spannen lässt“, schrieb der Festsaal Kreuzberg weiter.

Feine Sahne Fischfilet beendete ihren Beitrag derweil mit den Worten: „Gerne spielen wir nochmal irgendwann in der Zitadelle. Wenn, dann aber mit dem gleichen Veranstalter.“

Kritik von Bezirksverordneten der SPD in Spandau

Auch Lukas Schulz, Bezirksverordneter der SPD in Spandau und Besucher des Feine Sahne Fischfilets, hatte sich nun mit einem Presse-Statement zu Wort gemeldet. Den den gesamten Umgang mit dem Auftritt der Band und die „Kampagne gegen den Auftritt“ finde er sehr unpassend. Schon als es im Frühsommer einen Antrag der AfD-Fraktion dazu gab, das Konzert auf der Zitadelle zu verbieten, habe er klargestellt, dass die Konzerte eben Geschmackssache seien.

„Es ist sehr bedauerlich, dass das Bezirksamt einen unglücklichen Ton gewählt hat und dies scheinbar nicht akzeptiert“, so Schulz weiter. „Spandau sollte für alle eine Bühne bieten, die für eine offene Gesellschaft einstehen und gegen Hetze Position beziehen.“ Bei einem passenden Anlass, wie dem Fest der Demokratie am Todestag von Rudolf Heß, würde er die Band gerne erneut nach Spandau einladen.