Verkehr

Umbau der Kreuzung B2/ Ritterfelddamm nicht absehbar

Seit Jahren sind die Probleme an dem Knotenpunkt ein Thema. Zwar gab es Untersuchungen, wirklich zuständig fühlt sich aber wohl keiner.

Stau im Berufsverkehr: An der Kreuzung von Potsdamer Chaussee und Ritterfelddamm ist das häufig der Fall.

Stau im Berufsverkehr: An der Kreuzung von Potsdamer Chaussee und Ritterfelddamm ist das häufig der Fall.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

Berlin. Sie ist seit Jahren in Spandau, vor allem im Süden des Bezirks, ein Thema: die Kreuzung von Potsdamer Chaussee (Bundesstraße B2) und Ritterfelddamm an der Grenze zwischen Kladow und Brandenburg. Vor allem im Berufsverkehr staut es sich dort regelmäßig, weshalb schon mehrfach ein Umbau des Knotenpunkts gefordert wurde. Passiert ist jedoch noch nichts. Und es ist nicht absehbar, dass sich dort demnächst etwas tut. Auch, weil sich niemand wirklich zuständig zu fühlen scheint.

Dass das Problem an der Kreuzung von Potsdamer Chaussee und Ritterfelddamm nicht neu ist, beweist ein Blick ins Drucksachen-Archiv der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Schon aus dem Jahr 2003 gibt es einen Beschluss, der den Umbau des Knotenpunkts zu einem Kreisverkehr fordert. Auch später gab es Anträge dazu, im Jahr 2015 etwa. Zuletzt wurde im vergangenen Jahr ein Antrag beschlossen, zumindest die Ampelschaltung zu verändern, um den Verkehrsfluss während des Berufsverkehrs zu verbessern. Bewirkt hat das alles nichts. Im Gegenteil: Durch Bauprojekte und steigende Einwohnerzahlen im Spandauer Süden und im Umland hat sich die Situation eher noch verschärft.

Gespräche zum Kreuzungsumbau gab es bereits 2017

Vor einigen Jahren schien es, als würde Bewegung in die Sache kommen. Damals begannen in der Waldsiedlung in Groß Glienicke Bauarbeiten für den „Villenpark Potsdam“. Dieses Quartier sollte über eine Südanbindung mit der Potsdamer Chaussee verknüpft werden. Im Jahr 2017 gab es dazu ein Gespräch mit Vertretern aus Potsdam und Berlin. Als favorisierte Variante galt damals die Anbindung an die B2 gegenüber des Ritterfelddamms - was auch den Umbau der Kreuzung befördert hätte. Doch seither sind zwei Jahre vergangenen, große Fortschritte gibt es aber nicht zu vermelden.

Interessant ist dabei: So wirklich verantwortlich für den Umbau will niemand sein. Die Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, viele Jahre Eigentümer des Areals der Waldsiedlung, bevor sie es an die Eucon Europäische Consulting AG verkaufte, sollte damals mit einem Ingenieurbüro eine verkehrstechnische Untersuchung für die Südanbindung und damit zusammenhängend den Knotenpunkt erstellen.

Sie erklärt heute auf Nachfrage: „Zum aktuellen Stand der Untersuchungen zur Südanbindung des Villenparks und zum Umbau der Kreuzung B2/Ritterfelddamm in Potsdam stehen wir im Austausch mit der Stadt Potsdam.“ Die Stadt Potsdam werde auch - nach Prüfung und Abstimmung mit dem Bezirksamt Spandau - über die Art und Anbindung der Kreuzung entscheiden. Die Stadt Potsdam selbst scheint das etwas anders zu sehen.

Potsdam verweist auf die Lage des Knotenpunkts

Von dort teilt ein Pressesprecher auf die Frage, wie es um den möglichen Bau eines Kreisverkehrs stehe, mit: „Der Knotenpunkt B2/Ritterfelddamm liegt auf Berliner Stadtgebiet, wonach die Landeshauptstadt Potsdam dem Grunde nach nicht für solch einen Kreisverkehr zuständig ist.“

Zumindest aber verweist der Sprecher auf den Zusammenhang mit der Waldsiedlung, erklärt auch: „Nach dem derzeitigen Kenntnisstand stellt ein Kreisverkehr hierfür jedoch nicht die beste Lösung dar, da er Defizite in der Leistungsfähigkeit für die Zufahrt Ritterfelddamm zur Folge haben könnte.“ Die finale Lösung für den Knotenpunkt hänge aber von der Einschätzung der Berliner Behörden ab.

Weil die Potsdamer Chaussee eine Bundesstraße ist, ist der Bund in diesem Abschnitt Baulastträger. Verwaltet wird sie von der Senatsverkehrsverwaltung. Aus der Verwaltung heißt es aber: „Der Bezirk ist zuständig fürs Bauen.“ Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass Spandau unter Einbeziehung des Mobilitätsgesetzes die vorliegenden Planungsvorstellungen fortschreiben wird und in diesem Zusammenhang mit der Stadt Potsdam im Austausch steht.“

Berliner Senatsverwaltung ist kein neuer Sachstand bekannt

Eingeräumt wird, dass, bevor gebaut werden kann, Absprachen mit der Senatsverkehrsverwaltung nötig seinen, um die Planungsvorgaben zu klären. „Im Fall des Knotenpunkts B2/Ritterfelddamm ist vor allem die Frage relevant, ob es dort einen Kreisverkehr geben soll oder eine Ampellösung“, teilt ein Sprecher mit. Dazu gebe es aber noch keinen neuen Sachstand. „Das heißt, diese Absprachen laufen noch.“

In einem Brief aus dem Frühjahr von einem Vertreter der Verkehrslenkung Berlin wird zumindest bestätigt, was vielen Anwohnern schon lange klar ist: Der Knoten ist für „die Abwicklung großer Verkehrsströme ungeeignet“. Ein Umbau werde vom Land Berlin und der Stadt Potsdam - auch im Zuge des geplanten Quartiers in Krampnitz mit 10.000 Einwohnern - geprüft.

Spandau will Neubau des Ritterfelddamms angehen

Das Bezirksamt Spandau zeigt sich derweil empört darüber, dass laut Senatsverwaltung der Bezirk für den Umbau zuständig sein soll. Stadtrat Frank Bewig (CDU) erklärt: „Die Fläche, auf der ein möglicher Kreisverkehr entstehen könnte, liegt zu 80 Prozent auf Brandenburger Land, auf Spandauer Seite ist dafür kein Platz.“ Auf Berliner Seite sei zudem größtenteils das Land verantwortlich - eben, weil es sich bei der Potsdamer Chaussee um eine von der Senatsverwaltung verwaltete Straße handle.

Was der Bezirk tatsächlich angehen will, ist der Neubau des Ritterfelddamms, dafür werden in den kommenden Jahren Mittel aus dem Investitionsprogramm 2019-2023 vom Land zur Verfügung gestellt. Die Bauarbeiten werden laut Bewig nicht vor dem Jahr 2021 beginnen - sollten dann aber natürlich möglichst abgestimmt und parallel mit dem Umbau der Kreuzung passieren.

Für die Umgestaltung des Knotenpunkts kämpft inzwischen auch die Bürgerinitiative „Verkehr Spandau-Süd“, die sich mit sämtlichen Verkehrsproblemen in Gatow und Kladow beschäftigt und dafür in der kommenden Woche auch ein Gespräch mit der Senatsverkehrsverwaltung führen will. „Für den Schnittpunkt Ritterfelddamm/Potsdamer Chaussee sind dringend geeignete Lösungen wie ein Kreisverkehr oder Alternativen erforderlich“, erklären die Mitglieder. Bis diese gefunden sind, werden sie, wie auch alle anderen, sich wohl noch eine Weile gedulden müssen.

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