Geschäftsidee

Diese Brüder aus Schöneberg haben die angesagtesten Oldtimer

Julian und Luzian Born verleihen Oldtimer und veranstalten Events in Spandau. Ihre Autos sind gefragt - auch bei „4 Blocks“.

Die Brüder Luzian und Julian Born (v.l.) mit zwei ihrer eigenen Oldtimer vor der Zitadelle Spandau. Sie haben das Unternehmen „ReBornClassics“ gegründet.

Die Brüder Luzian und Julian Born (v.l.) mit zwei ihrer eigenen Oldtimer vor der Zitadelle Spandau. Sie haben das Unternehmen „ReBornClassics“ gegründet.

Foto: Sergej Glanze

Spandau/Tempelhof-Schöneberg. Vom Platz auf der Couch ans Set der Lieblingsserie wechseln – das würden sich wohl viele wünschen. Für Julian und Luzian Born hat sich der Traum vor einigen Monaten erfüllt. Die beiden Berliner Brüder haben während des Drehs der dritten Staffel von „4 Blocks“ den Fuhrpark betreut. Sie haben Autos für Komparsen besorgt, Darsteller zu ihren Fahrzeugen gewiesen, sind für manche Szenen sogar selbst hinters Steuer gestiegen.

„Während der ersten und zweiten Staffel waren wir die größten Fans“, erzählt Luzian Born. Als dann der Anruf kam, ob sie sich nicht um den Fuhrpark kümmern wollen, hätten sie es kaum glauben können. Und, so viel darf man verraten, auch nach den inzwischen abgeschlossenen Dreharbeiten hat sich am Fan-Dasein der beiden nichts geändert. „Das war die sympathischste Crew, mit der wir bisher zusammen gearbeitet haben“, sagt Julian Born.

Die beiden Brüder, 22 und 26 Jahre alt, haben 2017 mit „ReBornClassics“ ein Unternehmen zur Vermietung und Vermittlung von Oldtimern gegründet. Für die Dramaserie „4 Blocks“ haben sie eine Ausnahme gemacht, sich dort auch um andere Fahrzeuge gekümmert. Eigentlich aber schlägt ihr Herz für die historischen Autos – und das in erster Linie dank ihrer Oma.

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Ein Citroën 2CV weckte die Begeisterung der Brüder für alte Autos

„Unsere Oma hat nach ihrer Ausbildung einen Citroën 2CV bekommen, das war in den 50er-Jahren“, erzählt Julian Born. Die Ente sei dann Anfang der 2000er-Jahre von ihren Eltern übernommen worden und habe die Begeisterung der Brüder für alte Fahrzeuge geweckt. 2016 schließlich kauften sie sich ihren ersten eigenen Oldtimer: ein Mercedes Coupé von 1984.

Nur wenige Tage nach dem Kauf, erzählen die Brüder, befand sich plötzlich ein handgeschriebener Zettel daran. Ein ZDF-Mitarbeiter fragte, ob der Wagen für einen Film ausgeliehen werden könnte. „Das war im Endeffekt unser erster Auftrag“, erzählt der 26-jährige Julian Born.

Die Idee eines eigenen Unternehmens gab es damals noch nicht, viel mehr war der Gedanke, dass sich durch solche Aufträge das Hobby vom Oldtimer-Sammeln finanzieren ließe. Im April 2017 kauften die Brüder ihren zweiten Oldtimer, dieses Mal ein Mercedes W108 aus dem Jahr 1971. Eigentlich war es ihr Plan, die Autos in bestehenden Karteien anzumelden. Nach dem Kauf, auf der Rückfahrt nach Berlin, entschieden sie sich anders – und beschlossen, ihre eigene Kartei zu gründen.

600 Fahrzeuge werden in der Kartei der Brüder erfasst

In den existierenden Vermittlungskarteien, erzählen sie, würde man einen jährlichen Beitrag zahlen, egal ob das Auto tatsächlich vermietet wird oder nicht. „Das ist bei uns anders“, erklärt Luzian Born. Ihr Unternehmen bekomme lediglich eine Provision, wenn eine Vermittlung zustande kommt. Inzwischen seien mehr als 600 Oldtimer aus Berlin und dem Umland in ihrer Kartei erfasst.

Um ihr Netzwerk aufzubauen, gehen die beiden Schöneberger im Schnitt zwei- bis dreimal pro Woche zu Oldtimer-Clubs oder anderen Treffen. „Das ist aber nicht wie Arbeit“, sagt Luzian Born. „Auch wenn ich es nicht beruflich machen würde, würde ich trotzdem hingehen.“ Zumal die beiden bei den Treffen, erzählen sie, gern gesehen sind – vor allem wegen ihres Alters. Bei Veranstaltungen und in den Clubs betrage das Durchschnittsalter über 60 Jahre, sagt Julian Born. „Die Oldtimer-Szene stirbt langsam aus.“

Auch deshalb haben die beiden es sich zum Ziel gemacht, die historischen Autos für ein jüngeres Publikum interessant zu machen. „Die neue Generation Oldtimer“ lautet ihr Slogan. Das Interesse, meint Luzian Born, sei an den Wagen schon vorhanden. Das zeige sich etwa auch an Musikvideos, für die Oldtimer gefragt sind. An solche Produktionen haben die Brüder schon mehrfach Fahrzeuge vermittelt. Nun müsste man die Wagen stärker in direkten Kontakt mit Jüngeren bringen. „Das versuchen wir durch Veranstaltungen, zu denen wir explizit auch Jüngere einladen. Wir werben zum Beispiel an den Unis.“

„ReBornClassics“ will Veranstaltungsbereich ausbauen

Veranstaltungen sind ein zweiter Bereich in dem Unternehmen der beiden. Zweimal haben sie bislang ein Oldtimer-Open-Air auf der Zitadelle Spandau mit Trinity Music organisiert. In diesem Sommer seien dazu an einem Tag mehr als 2300 Besucher gekommen. Mehr als 150 Oldtimer waren zu sehen, zusätzlich auch historische Motorräder und Fahrräder. Die Spandauer Festung war zudem Startpunkt für die erste Ausfahrt, die „ReBornClassics“ in diesem Jahr veranstaltet hat. Und das soll erst der Anfang gewesen sein.

Momentan betreiben die beiden Brüder ihr Unternehmen noch nebenbei. Das soll sich ändern. Schon zum Anfang des kommenden Jahres will Luzian Born, zurzeit noch BWL-Student, sich in Vollzeit um „ReBornClassics“ kümmern. Julian Born hat 2017 eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in einer Oldtimer-Werkstatt begonnen, um mehr Fachwissen zu erwerben. Im kommenden Sommer will er fertig sein und weitere Erfahrung sammeln, aber auch mehr Zeit in das Unternehmen investieren. Und später hoffentlich ebenfalls hauptberuflich dort einsteigen. „2020 wird der nächste große Schritt für uns“, sagt Luzian Born. Das Open-Air soll noch größer werden, die Zahl der Ausfahrten steigen.

Die beiden Brüder sind in ihr Unternehmen hineingewachsen, auch wenn sie ohne Vorerfahrung gestartet sind. „Einfach mal machen“, sei ihr Gedanke gewesen. „Das sollte eigentlich keine große Sache werden“, erzählt Julian Born. Doch die Ideen wurden immer mehr, und sie sind lange nicht am Ende. „Es gibt“, sagt sein Bruder, „noch ganz viele Sachen, die wir vorhaben“.