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Freaks 4U Gaming baut in Spandau TV-Studios für E-Sport

Freaks 4U Gaming ist als Agentur und Produktionsfirma im E-Sport-Bereich etabliert. Gerade entstehen in Spandau drei neue TV-Studios.

Matthias Remmert, verantwortlich für TV und Produktionen, und Jan-Hendrik Heuschkel, Vizechef der Marketingkommunikation, in einem der bestehenden Produktionsstudios von Freaks 4U Gaming in Spandau.

Matthias Remmert, verantwortlich für TV und Produktionen, und Jan-Hendrik Heuschkel, Vizechef der Marketingkommunikation, in einem der bestehenden Produktionsstudios von Freaks 4U Gaming in Spandau.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

Berlin. Die drei neuen TV-Studios von „Freaks 4U Gaming“ stehen kurz vor dem Abschluss. Rund 13 Monate haben die Bauarbeiten bislang gedauert, um aus einer ehemaligen Lagerhalle moderne Produktionsstätten für Fernsehsendungen und weitere Videos zu schaffen. In den Studios soll die Technik, von den Kameras bis zu Bildmischern, so ausgestattet sein, dass Beiträge in Ultra-HD-Qualität produziert werden können. Es gebe, sagt Jan-Hendrik Heuschkel, Vizechef der Marketingkommunikation, weltweit nur ein weiteres Studio mit dem Fokus auf E-Sport, das dazu in der Lage sei.

Für Freaks 4U Gaming geht damit das Wachstum der vergangenen Jahre weiter. Das Spandauer Unternehmen ist Marketing-Agentur, Produktionsfirma sowie Betreiber und Entwickler verschiedener Internetportale im Bereich E-Sport und Gaming – und wird kontinuierlich größer. Zuletzt gehörte der Betrieb dreimal in Folge zu den deutschen „Wachstumschampions“, die vom Magazin „Focus“ und der Online-Statistikdatenbank „Statista“ ermittelt wurden. Die Liste beinhaltet die 500 Unternehmen mit dem höchsten Umsatzwachstum über einen Zeitraum von vier Jahren. Auf dem Index für 2019 schaffte es das Spandauer Unternehmen auf Platz 47; zwischen 2014 und 2017 lag das durchschnittliche jährliche Wachstum bei einem Wert von 87 Prozent. Der Umsatz stieg zuletzt auf 16,2 Millionen Euro.

Rekordumsatz von 4,4 Milliarden Euro

Die Entwicklung des Unternehmens liegt im Trend, den der Markt von Video- und Computerspielen insgesamt genommen hat. Laut dem aktuellen Jahresreport der deutschen Games-Branche wurden im Jahr 2018 in Deutschland rund 4,4 Milliarden Euro mit solchen Spielen und der dazugehörigen Hardware umgesetzt, ein Rekord. Mehr als 34 Millionen Deutsche spielen demnach zumindest gelegentlich. „Je mehr Leute spielen, desto relevanter wird es“, sagt Heuschkel. Das zeigt sich auch an den Unternehmen, die den E-Sport-Bereich als Werbemarkt entdeckt haben. „Die Liste wird fast täglich länger“, sagt er. Freaks 4U Gaming hat unter anderem bereits mit Tchibo, der R+V Versicherung oder Warsteiner zusammengearbeitet.

Seinen Ursprung nahm der Betrieb 2002, in dem Jahr wurde die Freaks 4U GmbH von Jens Enders in Spandau gegründet. E-Sport habe damals zwar auch schon eine Rolle gespielt, aber habe noch nicht allein im Fokus gestanden, erklärt Heuschkel. Mit zehn Mitarbeitern und relativ kleinen Projekten habe man angefangen, etwa Lan-Partys organisiert, bei denen Computerspieler sich getroffen und über ein lokales Netzwerk verbunden haben, um dann gegeneinander anzutreten. „Das hat sich dann sukzessive weiterentwickelt“, erzählt Heuschkel. Erste Live-Übertragungen und Online-Turniere kamen hinzu.

Im Jahr 2011 wurde schließlich entschieden, sich ausschließlich Computer- und Videospielen zu widmen – auch, weil man dort eine Marktlücke erkannte, vor allem was die Vermarktung anging. So wurde der Ableger Freaks 4U Gaming gegründet. Heute hat das Unternehmen seinen Hauptsitz immer noch in Spandau, inzwischen aber auf 7000 Quadratmetern und mit rund 150 Mitarbeitern. Hinzukommen Standorte in Köln, Frankreich, den USA, Taiwan und Serbien mit weiteren 40 Kollegen.

Freaks 4U Gaming produziert Show für ProSieben

In Berlin wird der Sitz nun mit den drei zusätzliches TV-Studios und dazugehörigen Regie-Räumen, auf insgesamt 18 Studios anwachsen. Bislang gab es einen großen Aufnahmeraum für Fernsehproduktionen, außerdem kleinere Studios für Internetformate. In einigen können die jeweiligen Moderatoren die Aufnahmen selbst steuern. In dem mit 650 Quadratmetern Fläche größten Studio wird für ProSieben wöchentlich die Show „ran eSports“ produziert, die auf dem Sender ProSieben Maxx ausgestrahlt wird. Das Format ist eine Art Sportschau für E-Sport, mit Spieler-Interviews oder Berichten über Turniere. Moderator wie Produktionsteam stammen dabei von Freaks 4U Gaming. „Wir bauen seit zwölf Jahren Moderatoren auf“, erzählt Heuschkel. „Inzwischen ist es so, dass viele große E-Sports-Kommentatoren bei uns angefangen haben oder noch bei uns arbeiten.“

Als kürzlich in der Mercedes Benz Arena das „StarLadder Major: Berlin“ stattfand – ein großes Turnier, bei dem das Computerspiel „Counter-Strike: Global Offensive“ gespielt wurde, mit einem Preisgeld in Höhe von über einer Million US-Dollar – war Freaks 4U Gaming mit einem Übertragungswagen vor Ort und hat das Event online live gesendet. Auch für die Weltmeisterschaft des Videospiels „Fortnite“ aus New York hat das Unternehmen den deutschsprachigen Livestream produziert. Die Statistik spricht für sich: Insgesamt wurden mehr als 3,6 Millionen Zuschauer gezählt, gleichzeitig haben teilweise mehr als 100.000 Menschen eingeschaltet.

Ligen der Videospiele haben zum Teil 15.000 Teilnehmer

Neben den Übertragungen organisiert Freaks 4U Gaming auch weiterhin selbst Online-Turniere, allerdings weniger für Profis, bei denen es um hohe Preisgelder geht, sondern mehr für Freizeitspieler. Außerdem hat das Unternehmen Ligen für die verschiedenen Videospiele entwickelt. Diese haben laut Heuschkel zum Teil rund 15.000 Teilnehmer. In einem Quartal könnten so mehr als 10.000 Spiele zusammenkommen.

Auch die Zusammenarbeit mit sogenannten Influencern gehört für Freaks 4U Gaming zum Geschäft – mit Personen also, die im Gaming-Bereich bekannt sind und mit ihren Videos auf Plattformen wie YouTube oder Twitch Hunderttausende Zuschauer erreichen. Mit bis zu 150 Influencern würde man über das Jahr verteilt zusammenarbeiten, zehn seien beim Unternehmen fest angestellt, sagt Heuschkel. Gedreht werden deren Beiträge in den Spandauer Studios.

Inwieweit das Unternehmen auch in Zukunft weiter expandiert, neue Standorte in anderen Ländern eröffnet, dazu will man sich noch nicht festlegen. „Das Geschäft ist sehr kurzlebig. Man weiß nie genau, welche Spiele oder Turniere im nächsten Jahr populär sind“, erklärt Heuschkel. Von der positiven Entwicklung des Unternehmens aber sind er und Geschäftsführer Michael Haenisch überzeugt. Bei den „Wachstumschampions“ sei auch in Zukunft mit Freaks 4U Gaming zu rechnen, sagte dieser, nachdem der Betrieb zuletzt erneut auf dem Index landete. Schließlich sei Gaming inzwischen „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“.