Studie

Rathaus-Sanierung kostet Dutzende Millionen

Laut einer Machbarkeitsstudie wären 75 Millionen Euro nötig, um alle Maßnahmen umzusetzen. Klar ist: Die Fördermittel reichen nicht.

Das Rathaus Spandau muss saniert werden. Doch die Kosten dafür sind hoch.

Das Rathaus Spandau muss saniert werden. Doch die Kosten dafür sind hoch.

Foto: Jessica Hanack

Berlin. Sanierungsbedürftig, unmodern, zu klein: Am Spandauer Rathaus muss in den kommenden Jahren etwas getan werden, so viel ist klar. Fest steht aber auch: Günstig wird das Ganze nicht. Eine in den vergangenen Monaten von Architekten erarbeitete und nun vorgestellte Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass wohl knapp 75 Millionen Euro nötig wären, um sämtliche Pläne umzusetzen. Selbst bei einer Beschränkung auf die wichtigsten Punkte – die Dachsanierung, den Brandschutz und die Elektrik – würden die Kosten wohl bei mehr als 42 Millionen Euro liegen. Hinzu käme die Barrierefreiheit, die das Bezirksamt angehen möchte, die gut zwei Millionen kosten würde.

„Die Sanierung des Daches, der Brandschutz, die Elektrik und die Herstellung der Barrierefreiheit sind Maßnahmen, welche zwangsläufig angegangen werden müssen“, sagt entsprechend auch der für Hochbau und Liegenschaften zuständige Bezirksstadtrat Andreas Otti (AfD). „Hier gibt es, will man das Rathaus weiter als solches nutzen, keinen großen Spielraum.“

Bezirksamt beklagt Sanierungsstau und Platzmangel

Das Spandauer Rathaus wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut und steht heute unter Denkmalschutz. Das Bezirksamt beklagt einen Sanierungsstau, den es in der Vergangenheit gegeben habe, außerdem zu wenig Platz, weil die Mitarbeiterzahl zuletzt wieder angestiegen ist. Erste Fachbereiche – darunter das Schul- und Sportamt sowie das Hochbauamt – sind deshalb bereits in angemietete Dienstgebäude umgezogen, aktuell folgt das Straßen- und Grünflächenamt.

Insgesamt rund 300 Bezirksamtsmitarbeiter sollen außerhalb des Rathauses untergebracht werden. Die gesamten Miet- und Betriebskosten für die Ausweichstandorte bezifferte Stadtrat Otti im Frühjahr mit monatlich rund 140.000 Euro.

In der Machbarkeitsstudie wurden deshalb auch verschiedene Varianten erarbeitet, wie im Rathaus zusätzliche Arbeitsplätze entstehen könnten. Vorgeschlagen wird, im Innenhof ergänzende Gebäudeteile vorzulagern, mit großen Glasfassaden. „Der Ausbau würde, je nach Variante, deutlich mehr als 200 neue Arbeitsplätze schaffen können“, erklärt Otti.

Zusätzliche Büroflächen in Spandau im Blick

Kalkuliert wird laut Studie mit Kosten von rund 10,7 bis 11,2 Millionen Euro. „Ich kann mir vorstellen, dass die Erweiterung des Rathauses im Innenhof in Verbindung mit einem Neubau betrachtet werden kann“, so Otti. Überlegt wird auch, zusätzliche Büroflächen in der Galenstraße 14 – dort befindet sich bereits das Amt für Soziales – und der Seegefelder Straße 35, früher Standort der Stadtbibliothek, zu schaffen.

Weitere Punkte, die in der Machbarkeitsstudie betrachtet wurden, sind die Sanierungen der WCs, die Renovierung der Flure sowie der Vor- und Säulenhalle, die Modernisierung des Bürgersaals oder die Sanierung der Fassaden. Der letzte Punkt wäre bedingt durch den Denkmalschutz ebenfalls eine Herausforderung. Dabei müssten etwa sämtliche Fenster mit Rahmen aus Kunststoff durch welche mit Holzrahmen ersetzt werden. Die Kosten für die Fassadensanierung werden mit gut fünf Millionen Euro kalkuliert.

Weitere Nutzung des Ratskellers noch offen

Auch eine Erneuerung des Saals der Bezirksverordnetenversammlung wurde untersucht, eine neue Bestuhlung und Tische mit diversen elektronischen Anschlüssen und moderner Technik, etwa zur Übertragung eines Live-Streams, würden demnach rund 1,6 Millionen Euro kosten.

Später in die Studie aufgenommen wurde der Ratskeller, der seit Monaten nicht mehr genutzt wird. Früher befanden sich dort ein Restaurant, später eine Eventlocation. Künftig will das Bezirksamt ihn selbst nutzen. Möglich wären in dem Keller Konferenz -oder Schulungsräume, die Küche könnte verwendet werden, um das Angebot in der Kantine des Rathauses zu erweitern.

Die Kosten für die notwendigen Umbauarbeiten werden mit rund 880.000 Euro angeben. Um den Ratskeller nicht leerstehen zu lassen, bis der Umbau erfolgen kann, spricht sich der Bezirksverordnete Lukas Schulz (SPD) für eine Zwischennutzung aus – etwa als Fahrradkeller für Mitarbeiter. „Der Ratskeller ist da, den Platz sollte man nicht verschenken“, sagt er.

Erste Arbeiten am Dach sind bereits gestartet

Erste Sanierungsarbeiten im Rathaus sind derweil schon gestartet. „Die Dachsanierung im Südbereich des Rathauses ist bereits angelaufen“, sagt Stadtrat Otti. „Die notwendige Sanierung der restlichen Dachabschnitte muss noch durch das Bezirksamt beauftragt werden.“ Der Haken ist die Finanzierung. Allein für das Dach wären 17 Millionen Euro nötig. An Fördermitteln aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (Siwana) vom Land Berlin hat Spandau im vergangenen Jahr 20 Millionen Euro erhalten. Das würde nicht einmal reichen, um neben dem Dach noch den Brandschutz zu finanzieren.

„Über das weitere Vorgehen und die Finanzierung wird das Bezirksamt entscheiden müssen“, sagt Otti deshalb. Bevor es darum geht, Mittel aus dem Bezirkshaushalt bereitzustellen oder weitere Fördermittel zu beantragen, müsste eine verbindliche Zeitplanung festgelegt werden, so der Stadtrat. Um alle Maßnahmen aus der Machbarkeitsstudie umzusetzen, das sagt Otti aber schon jetzt, wären wohl „viele, viele Jahre notwendig“.

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