Traditionsunternehmen

Juwelier Brose in Spandau: Ein Geschäft und ein Zuhause

Seit 130 Jahren gibt es den Juwelier Brose. Der Familienbetrieb überstand auch eine Zerstörung des Hauses im Zweiten Weltkrieg.

Das Spandauer Familienunternehmen Juwelier Brose wird 130: Geschäftsführerin Katrin Germershausen mit Tochter Mia Liefer.

Das Spandauer Familienunternehmen Juwelier Brose wird 130: Geschäftsführerin Katrin Germershausen mit Tochter Mia Liefer.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Um Punkt 15 Uhr erklingt das Glockenspiel an der Fassade des Juweliers Brose. Das Lied „Die Forelle“ vom Komponisten Franz Schubert ist am Marktplatz in der Spandauer Altstadt zu hören, angestimmt von zwölf Bronzeglocken. Viermal am Tag ertönt an dem Juwelier Musik. Insgesamt 24 verschiedene Melodien gibt es, darunter zwölf, die nur zur Weihnachtszeit gespielt werden. Dass das Glockenspiel an dem Juwelier hängt, geht auf Renate Brose-Germershausen zurück. Sie habe sich damit einen Kindheitstraum erfüllt, erzählt Tochter Katrin Germershausen, seit 2002 Geschäftsführerin des Juweliers. „Sie war eine sehr musikalische Frau.“ Die ausgewählten Lieder seien die, die ihre Mutter am meisten gemocht habe.

Das Glockenspiel ist ein Beispiel dafür, wie die einzelnen Generationen das Familienunternehmen Brose geprägt haben. In diesem Jahr feiert es sein 130-jähriges Bestehen. Der am 10. November 1889 gegründete Betrieb hat zwei Weltkriege überstanden und ist für die Familie inzwischen weit mehr als ein Geschäft. „Eines meiner Elternteile war immer hier. Ich bin hier quasi aufgewachsen“, sagt Mia Liefer, Tochter von Katrin Germershausen. Die sagt, sie sei ihrer Familie dankbar für das, was sie in Spandau aufgebaut und vor allem in schwierigen Zeiten nicht aufgegeben habe.

23-jähriger Wilhelm Brose kaufte das Geschäft 1889

Erst 23 Jahre alt war Wilhelm Brose, als er den Betrieb in Spandau gegründet hat. „Sein Bruder war in Spandau Lehrer“, erzählt die heutige Chefin. „Er hat gesagt, das hier ist das richtige Pflaster, Spandau floriert.“ Der junge Uhrmacher vertraute auf den Ratschlag, kaufte das – damals noch deutlich kleinere – Ladengeschäft an der Breiten Straße und etablierte dort eine Uhrmacherei und Brillenschleiferei. Schon damals lebte die Familie in der Wohnung über dem Geschäft, in der heute Katrin Germershausen lebt. Brose ist nicht nur ein Familienbetrieb, sondern auch ein Familienhaus, in dem zeitweise drei Generationen wohnten.

Ab 1910 wuchs das Unternehmen. Wilhelm Brose kaufte das angrenzende, frei werdende Geschäft. Acht Jahre später stieg die zweite Generation in den Betrieb ein: Friedrich Brose, der wie sein Vater Uhrmacher und zusätzlich noch Augenoptikermeister wurde. Und weil auch die Familie wuchs - Sohn Friedrich heiratete, bekam selbst zwei Töchter – wurde auch das gesamte Haus vergrößert: Das Gebäude bekam ein zusätzliches Stockwerk.

Das Geschäft lief immer weiter. Während der ersten Jahre im Zweiten Weltkrieg war Friedrich Brose unter anderem dafür zuständig, für Soldaten Brillen zu schleifen. Dann kam das Jahr 1943. Am 3. Dezember wurde das Haus bei einem Luftangriff getroffen, Fotos aus der Zeit zeigen die Zerstörung: Die vordere Hauswand war abgerissen, ebenso das Dach, Wohnung und Verkaufsraum wurden verwüstet. Es sei schwierig gewesen für die Familie, aber sie sei geblieben, sagt Germershausen heute. Die abgerissene Wand wurde provisorisch durch die einer alten Baracke ersetzt, Verkaufsräume wurden übergangsweise mit Brettern verkleidet. Und drei Jahre nach Kriegsende legte Renate Brose-Germershausen, ihre Meisterprüfung als Augenoptikerin ab. Sie sei damit eine der ersten Frauen in Deutschland gewesen, erzählt Katrin Germershausen, die selbst 1987 in das Geschäft einstieg.

Nach dem Abitur hatte sie Spandau erst einmal verlassen, begann in Hannover eine Goldschmiedelehre. „Ich wollte ein Handwerk lernen, etwas mit meinen Händen machen“, sagt sie. Gleichzeitig interessierte sie sich für Kunst und eröffnete mit Freunden eine Galerie. Um ihren Meister zu absolvieren, zog sie zunächst weiter nach Pforzheim, bevor es 1986 zurück in die Heimat ging, mit einem konkreten Plan: Ein ehemaliger Pferdestall im Hof hinter dem Laden wurde umgebaut zu einer Goldschmiede und Schmuckgalerie. Ganz nach ihren Vorstellungen, erzählt Germershausen, sei die „Galerie Spandow“ entstanden, die sie nur drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter Mia eröffnete.

Und die Entwicklung ging noch weiter: Im Backsteinhaus gegenüber der Galerie entstand ein Ausstellungsbereich, 1994 kam noch ein Kunstsalon hinzu. „Ich habe den Seitenflügel ausgebaut. Eigentlich sollte das ein Lagerraum werden“, erzählt Germershausen. „Dann wurde der Raum so schön, dass ich daraus auch einen Ausstellungsraum gemacht habe.“ Heute finden dort Lesungen, Konzerte oder Comedy-Veranstaltungen statt. „Der Salon hat sich super etabliert“, sagt Germershausen, die sich auch in der Spandauer Altstadtvertretung engagiert.

Bei all den Veränderungen über die Jahre ist manches aber auch geblieben: Viele Kunden, berichtet die Geschäftsleiterin, würden das Geschäft seit mehreren Generationen begleiten, erzählen, dass ihre Großeltern schon dort waren oder ihre Eltern bei Brose ebenfalls ihre Trauringe gekauft haben. „Das ist schon schön, dass es diese Verbundenheit gibt“, sagt Germershausen.

Tochter Mia Liefer, die fünfte Generation im Familienbetrieb, kümmert sich vor allem um das Marketing des Geschäfts. 2013 ist sie bei „Brose“ eingestiegen. „Nach der Schule habe ich eigentlich gesagt: auf keinen Fall. Aber über Umwege bin ich dann doch hier gelandet“, erzählt sie. Inzwischen habe sich alles eingespielt. „Ich kann das einbringen, was ich gelernt habe“, sagt die Kauffrau für Marketing und Kommunikation. „Und ich mag, dass es so familiär ist.“

15 Mitarbeiter hat Brose heute, die längste Angestellte ist seit 20 Jahren dort. Für die Zukunft ist geplant, dass Brose Ausbildungsbetrieb für Uhrmacher wird. Denn Nachwuchs gebe es nur wenig, sagt Katrin Germershausen. In den kommenden Monaten wird nun aber erstmal das Jubiläum gefeiert: An diesem Sonnabend, 31. August, mit einer Vernissage und einem Sommerfest und am 9. November mit einer Hausmesse. Um die Musik beim Sommerfest kümmert sich am Abend Mia Liefer mit ihrer Band. Bei Brose ist eben alles Familiensache.