Schulen

Zu viele Quereinsteiger: Wie Spandau um Lehrer kämpft

Helmut Kleebank (SPD) fordert erneut die Verbeamtung von Lehrern, außerdem andere Anreize, um sie in die Randbezirke zu locken.

In Spandauer Schulen unterrichten viele Quereinsteiger. (Symbolbild)

In Spandauer Schulen unterrichten viele Quereinsteiger. (Symbolbild)

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Berlin. Das neue Schuljahr hat begonnen, in Berlin erneut mit vielen Quer- und Seitensteigern: 60 Prozent der neuen Lehrkräfte sind keine klassisch ausgebildeten Lehrer. Besonders betroffen sollen Randbezirke wie Spandau oder Marzahn-Hellersdorf sein. Zwar gibt es inzwischen die Regelung, dass alle Schulen je nach Größe ein bis zwei Quereinsteiger nehmen müssen. Aber: Es zeichne sich ab, dass Spandau wieder überproportional viele Quereinsteiger bekommen habe, sagt Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD). „Das halte ich für schwierig.“

Kleebank hat bereits im vergangenen Schuljahr die Verteilung der Lehrer innerhalb der Stadt kritisiert. Unter den Neueinstellungen in Spandau betrug der Anteil an sogenannten Laufbahnbewerbern damals nur 28 Prozent. Nun fordert er erneut, dass Maßnahmen ergriffen werden, um einerseits mehr ausgebildete Lehrkräfte in Berlin zu halten, andererseits für eine gleichmäßigere Verteilung zu sorgen.

Als ersten Schritt nennt der Bürgermeister dabei die von ihm schon länger geforderte Verbeamtung - auch wenn die SPD auf ihrem Landesparteitag im Frühjahr noch mehrheitlich dagegen gestimmt hatte. Aber: Von Spandau aus sind die ersten Brandenburger Schulen immerhin nur einige Hundert Meter entfernt - dort lockt die Verbeamtung.

Kleebank fordert Freizeit statt Prämie für Brennpunktschulen-Lehrer

Zudem kritisiert Kleebank die Zulage für Lehrer an Brennpunktschulen. Dort unterrichten oft besonders viele Quereinsteiger. Dass die Prämie keinen Effekt habe, überrasche ihn nicht, sagt Kleebank. „Die halte ich für falsch.“ Die Prämie solle viel mehr umgewandelt werden in Freizeit, das sei wichtiger, meint der Bürgermeister. Sprich: Lehrer an Brennpunktschulen sollten seiner Ansicht nach weniger unterrichten müssen als anderswo. Klar ist, dass sich dadurch der Lehrerbedarf an den Schulen aber noch einmal erhöhen würde.

Um den zusätzlichen Bedarf einzudämmen, schlägt Kleebank Abstufungen zwischen den Schulen vor, die zum sogenannten Bonus-Programm gehören, weil dort eine hohe soziale Belastung herrscht. „Schulen, die schwer zu erreichen sind, sind ein besonderes Thema“, sagt er. Auch das betrifft gerade die Außenbezirke. In Spandau gibt es eine Vielzahl von Schulen am Stadtrand, die im öffentlichen Nahverkehr nur an den Bus angebunden sind.

Schulpraktische Seminare sollen mehr Lehrer nach Spandau holen

Eine erste Maßnahme, in der Hoffnung, so mehr klassisch ausgebildete Lehrer nach Spandau zu holen, wurde bereits ergriffen: Seit dem Frühjahr gibt es in Spandau ein zusätzliches schulpraktisches Seminar für angehende Grundschullehrer. Diese, so Kleebank, werden dabei auch an Spandauer Grundschulen eingesetzt. Davon verspricht man sich einen „Klebe-Effekt“: Wer einmal eine Schule im Bezirk kennengelernt hat, bleibt hoffentlich auch dort. Bislang gab es in Spandau nur drei schulpraktische Seminare im Bereich Sekundarschule/ Gymnasium.

Mittelfristig sollen die Seminare zudem an einen zentraleren Ort in Spandau, in die Altstadt, verlegt werden. Vorgesehen ist das Alte Kant Gymnasium. Eine Begehung habe es kürzlich bereits gegeben, so Kleebank. Nun soll geprüft werden, wie und wann das Gebäude nutzbar für die Seminare mit den angehenden Lehrern wird.

Das Thema Quereinsteiger wird derweil auch im kommenden Spandauer Schulausschuss thematisiert. Ein Antrag der CDU-Fraktion steht dort erneut auf der Tagesordnung. Demnach soll das Bezirksamt Gründe für das geringe Interesse „qualifizierter Lehrkräfte“ an Schulen in Spandau analysieren und daraus Handlungsempfehlungen, eventuell auch Anreizsysteme entwickeln. Man müsse mehr dafür tun, dass Lehrer nicht nach Brandenburg abwandern, sagt CDU-Fraktionssprecher Thorsten Schatz. Dazu könne auch der Bezirk etwas beitragen, meint er.

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