Kultur

Jugendtheaterwerkstatt sorgt sich um Zukunft in Spandau

Die beliebte Kulturstätte soll für mehrere Millionen umfassend saniert werden. Doch ein Ersatzstandort während der Bauzeit fehlt.

Sorgen sich um die Zukunft ihrer Jugendtheaterwerkstatt in Spandau: Patryk Witt, Julia Schreiner, Marvin Wrobel und Anja Kubath. 

Sorgen sich um die Zukunft ihrer Jugendtheaterwerkstatt in Spandau: Patryk Witt, Julia Schreiner, Marvin Wrobel und Anja Kubath. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin Eigentlich könnten sich die Kreativen der Jugendtheaterwerkstatt (JTW) freuen: Mehr als vier Millionen Euro sollen in die umfassende Sanierung ihres Gebäudes fließen, gefördert durch das Programm Stadtumbau. Doch damit kommt auch ein Problem. Denn wo die Arbeit während der Bauzeit stattfinden soll, das ist noch unklar. Ein Ersatzstandort wurde bislang nicht gefunden. Gut ein Jahr, bevor mit den Umzugsvorbereitungen begonnen werden müsste, wächst die Unruhe bei den Mitarbeitern.

Seit mittlerweile 32 Jahren gibt es die Jugendtheaterwerkstatt, seit sieben Jahren befindet sie sich an der Gelsenkirchener Straße im Falkenhagener Feld. Das Spektrum von dem, was auf rund 1300 Quadratmetern geboten wird, ist breit: Es gibt Theaterproduktionen, die professionell inszeniert werden - gerade laufen die letzten Probenwochen für das Stück „Die wahre Geschichte“ mit Regisseur Carlos Manuel, gefördert vom Hauptstadtkulturfonds. Regelmäßig finden Workshops mit einer Großzahl von Spandauer Schulen statt, eine Werkstatt und ein Tonstudio stehen allen Interessierten offen. Außerdem finden Menschen hier einen Ort, den sie kostenlos für kreative Projekte nutzen können - von Tanz, über Filmproduktion bis zu Darstellendem Spiel.

„Es ist ein Ort des Machens bei uns“, sagt Anja Kubath, die den Bereich Schule in der JTW leitet. Man wolle die Menschen mit ihren verschiedenen Interessen abholen und zugleich auch das Gefühl zum Bezirk stärken, zeigen: Um Kultur zu erleben, muss man nicht ins Berliner Zentrum fahren. Über die Jahre hat sich das Jugendkulturzentrum auch als Spielstätte über die Bezirksgrenzen hinaus etabliert. „In der Theaterszene sind wir langsam allen ein Begriff“, sagt Julia Schreiner, verantwortlich für die Ensembleproduktionen.

Altes Gebäude erfüllt nicht mehr erforderlichen Standard

Durch Umbau und Sanierung soll das Zentrum auf den Stand der Zeit gebracht werden. Das Gebäude stammt aus den 70er-Jahren, bei starkem Regen kommt das Wasser durch das Dach bis in den Theatersaal. Es fehlt an Barrierefreiheit, die Toiletten sind deutlich in die Jahre gekommen und auch der Brandschutz muss angegangen werden. So weit, so gut. Doch dadurch, sagt Kubath, könne das Haus mehrere Jahre nicht genutzt werden. „Und es gibt keinen anderen Ort für uns.“

Planmäßig soll die Sanierung im Jahr 2021 beginnen, die JTW kalkuliert, dass für den Auszug davor mehrere Monate benötigt werden. Idealerweise würde man gerne schon Mitte 2020 parallel den neuen Standort aufbauen, ihn bekannt machen, um einen möglichst lückenlosen Übergang zu schaffen. Außerdem wird Planungssicherheit für die Beantragung der projektbezogenen Fördermittel benötigt - von denen auch die freien Mitarbeiter abhängig sind. Und auch die Verträge zur Zusammenarbeit mit den Schulen stehen vor Schwierigkeiten.

Eigentlich, sagt Kubath, würde sie die Verträge immer ein Jahr im Voraus schließen - also bereits jetzt für das nächste Schuljahr. Das sei dieses Mal nicht möglich gewesen, weil eben unklar sei, wo die JTW 2021 unterkomme. Dabei betont Kubath: „Wir sind flexibel.“ Selbst ein großes Zelt sei vorstellbar, sofern Dinge wie Heizung und Sicherheit der Technik geklärt sind.

Bezirksbürgermeister verweist auf „Reihe von Ideen“

Die Leiterin der Service Einheit „Facility Management“ erklärte kürzlich im Hochbauausschuss, man habe sich zwar Gedanken gemacht. Aber es gebe keine vom Bezirk verwaltete Liegenschaft, die man zur Verfügung stellen könnte. Der zuständige Stadtrat Andreas Otti (AfD) verwies zudem darauf, dass intern mit dem Jugendamt abgesprochen sei, dass dieses sich um die Suche kümmert. „Wir haben alles dafür getan, dass wir hier so schnell wie möglich mit dem Bau beginnen können“, sagte Otti. „Das war die Aufgabe, die werden wir von unserer Seite erfüllen.“

Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) sagt, er werde mit Jugendstadtrat Stephan Machulik (SPD) nach einer Lösung für die JTW suchen. „Es gibt eine Reihe von Ideen, die prüfen wir jetzt“, sagt er. Die JTW leiste „großartige Arbeit“, die im Bezirk gehalten werden müsse - weshalb es unangemessen sei, den Träger bei der Suche nach Räumlichkeiten alleine zu lassen. Spruchreif sei zwar noch nichts, er sei aber optimistisch, dass ein Standort für die Bauzeit gefunden werden kann.

Wie sie am Ende zu einem Ersatzort kommen, das ist für die Macher aus der Jugendtheaterwerkstatt unwichtig. Entscheidend ist für sie, dass das, was in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde, nicht verschwindet. Zwar steht vertraglich fest, dass sie nach Ende Bauarbeiten zurück in ihr Zentrum können. Aber ohne Zwischenlösung würde das bedeuten, danach bei Null anzufangen, sagt Kubath. Und das will in der JTW niemand.

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