Gewerbe

Kaum Hoffnung für Gewerbe in der Wasserstadt

Seit Monaten kämpfen die Gewerbetreibenden von der Rhenaniastraße um ihre Existenz. Ein Verbleib am Standort ist aber unwahrscheinlich.

Walter Lang betreibt an der Rhenaniastraße ein Geschäft für Gartenmöbel. Ihm droht zum Ende des Jahres das Aus.

Walter Lang betreibt an der Rhenaniastraße ein Geschäft für Gartenmöbel. Ihm droht zum Ende des Jahres das Aus.

Foto: Jessica Hanack

Berlin.. Die Unternehmer vom Gewerbehof an der Spandauer Rhenaniastraße haben in den vergangenen Monaten viel versucht: Es gab Gespräche mit Kommunal- und Landespolitikern, Runde Tische, Besuche in Ausschüssen. Ziel hinter allem ist, ihren Standort zu retten. Denn der Gewerbehof, auf dem weit über 100 Personen arbeiten, soll verschwinden.

Auf dem Gelände in der Wasserstadt entsteht ein Teil des Wohnquartiers „Waterkant“. Wo sich heute noch die Betriebe befinden, sollen Wohnungen, soziale Einrichtungen und ein Gymnasium gebaut werden. Und die Hoffnung, dass sich an den Planungen noch etwas ändert ist, trotz des Aufwands und zweier Beschlüsse der Bezirksverordnetenversammlung, gering.

Bestehende Gebäude sollen abgerissen werden

So teilt eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Nachfrage mit, dass an den Plänen für den Standort und am Ergebnis des bereits 2018 stattgefundenen städtebaulichen Wettbewerbe grundsätzlich festgehalten werde. Weiter sagt sie: „Die Gewerbetreibenden werden nicht in ihren angemieteten Räumlichkeiten bleiben können.“

Als Grund dafür wird, neben den vorangeschrittenen Planungen, auch genannt, dass das Grundstück wegen seiner „militärischen und industriellen Vornutzung stark belastet“ sei und umfassend saniert werde müsse – wofür auch die vorhandenen Gebäude, möglichst mit Ausnahme der unter Denkmalschutz stehenden Häuser, abgerissen werden müssten.

Gewobag will Räumungsaufschub ermöglichen

Zum Ende des Jahres sollten die Gewerbetreibenden deshalb eigentlich das Gelände räumen, auch wenn die eigentlichen Bauarbeiten für das Quartier wohl nicht vor 2022 starten werden. Die Gewobag – Eigentümer des Grundstücks – teilt nun mit, dass aktuell geprüft wird, ob allen Gewerbemietern eine dreimonatige Vertragsverlängerung bis Ende März 2020 angeboten werden könnte. Dann allerdings sei eine Beräumung des Geländes „zwingend erforderlich“, um den Boden zu sanieren.

„Wir suchen weiterhin aktiv nach Ersatzflächen für die Gewerbetreibenden“, betont eine Sprecherin der Gewobag, man wolle dazu Fragebögen verschicken, um die konkreten Bedarfe zu ermitteln. Auch die Senatsverwaltung sagt, sie würde zusammen mit Wirtschaftsförderung und Bezirk die Suche unterstützen.

Im Quartier kann es nur ruhiges Gewerbe geben

Im neuen Quartier an der Rhenaniastraße einen Standort zu finden, wird für die wenigsten eine Option sein: Die geplanten Gewerbeeinheiten befinden sich im Erdgeschoss von Wohnhäusern und seien daher nur für „wohnverträgliches“, also ruhiges Gewerbe geeignet.

Den Gewerbetreibenden läuft damit langsam die Zeit davon. Walter Lang, der auf dem Hof seit 25 Jahren einen Handel für Gartenmöbel betreibt, sucht bereits seit einigen Monaten erfolglos einen neuen Standort – Gewerbeflächen sind in Berlin knapp. Weil seine Frau ebenfalls in dem Geschäft arbeitet, befürchten sie, sämtliche Einkommen zu verlieren.

Mit den anderen Unternehmern will er nun ein Konzept erarbeiten, wie ein alternativer Gewerbehof für sie aussehen könnte. Ein Einzelfall sind die Spandauer Unternehmer aber nicht: Lang berichtet, an ihn hätten sich bereits Unternehmer aus Hellersdorf gewandt, denen wohl ebenfalls ein Standortverlust droht

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