Stadtentwicklung

In Spandau entsteht die Motorworld Berlin

Showrooms, Event-Halle, Gastronomie und ein einmaliges Hotel aus Schiffscontainern: Nahe der Zitadelle gibt es ein großes Projekt.

So soll sie einmal aussehen: die Motorworld Manufaktur Berlin an der Havel in Spandau.

So soll sie einmal aussehen: die Motorworld Manufaktur Berlin an der Havel in Spandau.

Foto: Motorworld Group

Berlin. Sie ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Spandau sich wandelt: die Motorworld Manufaktur Berlin, die derzeit auf einer Halbinsel neben der Zitadelle entsteht. Die Pläne für das rund 30.000 Quadratmeter umfassende Gelände sind groß. Der Investor, die Motorworld Group, sieht dort nicht nur Werkstätten und Fahrzeugpräsentationen vor, sondern auch eine Event-Halle, Gastronomie und ein Container Hotel, das in seiner Art weltweit einmalig sein soll.

Im Jahr 2013 hat die Motorworld Group das Areal zusammen mit dem angrenzenden Gewerbepark gekauft. Damals, erzählt der Projektverantwortliche Micha Hagel, habe es in dem Park einen großen Leerstand gegeben. „Inzwischen sind wir voll vermietet.“ Auch die Halbinsel war lange Gewerbestandort. Bis in die 1960er-Jahre befand sich dort ein Werk der früheren Automobilmarke DKW, unter anderem wurden auf dem Gelände Karosserien und diverse Einzelteile produziert. „Es passt also von der Historie“, sagt Hagel.

Später habe Bosch auf der Insel Antennen gefertigt, aber auch diese Produktion wurde vor mehr als 15 Jahren eingestellt. Danach lag das Gelände brach, die Gebäude verfielen – darunter auch eine denkmalgeschützte Sheddachhalle, zu DKW-Zeiten als „Alte Härterei“ für die Getriebe-Produktion genutzt, deren alte Mauern teilweise aus der Kaiserzeit stammen sollen. Der Zustand war zum Zeitpunkt des Kaufs durch die Motorworld Group entsprechend schlecht. „In der Halle sind Pflanzen gewachsen und das Dach war undicht“, erzählt Hagel.

Lamborghini Berlin soll Ende Juli in Spandau eröffnen

Es folgte eine umfassende Sanierung. Man habe die Backsteinwände und das Sheddach freigelegt und überarbeitet, Asbest entsorgt und den Boden erneuert. Zwei Jahre hat die Bauzeit gedauert, ein paar finale Arbeiten stehen noch aus. Die ersten Mieter sind aber bereits da: Drei Lamborghinis haben ihre Plätze bezogen, Ende Juli soll mit „Lamborghini Berlin“ die offizielle Markenvertretung des italienischen Sportwagenherstellers in der Hauptstadt eröffnen. Auch McLaren, mehrere Motorradmarken und Oldtimer sind künftig in der historischen Halle zu finden.

Die weiteren vorgesehenen Gebäude sind allesamt Neubauten, die in den nächsten Jahren entstehen sollen. Noch wirken Teile der Halbinsel verwildert. Spuren davon, dass sie in den vergangenen Jahren zum illegalen Abladen von Müll und für Partys genutzt wurde, sind noch zu finden. Klar ist auch: Um die Pläne zu verwirklichen, werden nicht alle Bäume stehen bleiben können. „Wir wollen den alten Baumbestand so gut wie möglich erhalten, das Grüne macht ja auch das Besondere hier aus“, sagt Hagel, fügt aber hinzu: „Um Baumfällungen werden wir nicht drum herum kommen.“

Biergarten ist direkt am Havelufer vorgesehen

Entstehen sollen eine Halle für Veranstaltungen – von Konzerten bis zu Firmenevents –, die Platz für bis zu 1600 Personen bietet. Sie hat damit eine Größenordnung, die es in Spandau bislang noch nicht gibt. Außerdem ist ein großes Gebäude mit Konferenzräumen und Gastronomie geplant. An letzterer haben laut Hagel bereits mehrere Betreiber Interesse. „Wichtig ist uns, das der Gastronom den Biergarten mit abdeckt“, sagt er. Dieser soll bis zum Havelufer heranreichen und bietet damit eine Aussicht auf die Zitadelle, Hakenfelde und die Insel Eiswerder.

Über das Gelände soll auch der Weg fortgesetzt werden, der über das Glacis der Zitadelle führt und zurzeit als Sackgasse hinter der Freilichtbühne endet. Die Investoren versprechen sich davon eine bessere Erschließung der Motorworld Manufaktur. Gleichzeitig wird damit auch ein Areal öffentlich begehbar, das während der industriellen Nutzung abgesperrt war. Um einen zentralen Marktplatz herum sollen außerdem ein Parkhaus und sieben weitere Häuser gebaut werden, die Platz für Manufakturen, Handelsflächen oder Showrooms bieten sollen.

Container-Hotel auf den Dächern anderer Gebäude

Eine Besonderheit ist in jedem Fall das geplante Hotel, dessen 115 Zimmer sich in alten Schiffscontainern befinden sollen. Die bunten Container werden zum Teil auf die Dächer der anderen Gebäude gesetzt. befinden sich so bis zu in sieben Meter Höhe mit Ausrichtung in Richtung Havel. Hotels, sagt Hagel, gebe es bereits viele in Berlin. Deshalb habe man nach einer außergewöhnlichen Idee gesucht. „Wir arbeiten seit anderthalb Jahren an dem Konzept“, erzählt er.

Ein umgebauter Mustercontainer, mit großer Glasfront an einer Seite, sei über Monate getestet worden. Nach diesem Modell soll sich die Produktion ausrichten. In allen Zimmern soll zudem ein Logbuch liegen, über das Gäste die früheren Routen des Containers nachvollziehen können.

Ende des Jahres sollen nächste Bauarbeiten beginnen

Auf Unterstützung trifft das Projekt bei der CDU-Fraktion in der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung. Von der Motorworld Manufaktur, meint Fraktionschef Arndt Meißner, könnte der Bezirk profitieren. Spandau bekomme so ein neues Alleinstellungsmerkmal „Damit können wir uns in Spandau ein neues Klientel erschließen, auch touristisch“, sagt er. Mit der Zitadelle, der Insel Eiswerder, der Spandauer See, dem nahen BMW-Standort und künftig der Motorworld entstehe eine besondere Kombination. „Das ist eine super Sache für Spandau“, sagt Meißner.

Noch liegt vor den Investoren aber der zweite Bauabschnitt, der Bauantrag dafür sei beim Bezirksamt inzwischen eingereicht worden, sagt Hagel. „Unser Ziel ist es, Ende des Jahres mit den Bauarbeiten loszulegen.“ Bis die komplette Motorworld Manufaktur Berlin fertig ist, wird es dann wohl noch bis mindestens Ende 2021 dauern.

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