Bauprojekt

Schluss in der Alten Post: Künstler suchen neuen Standort

Weil das Bauprojekt „Spandauer Ufer“ weitergeht, naht dort das Ende der „Urban Art Hall“. Im Oktober soll der Abriss beginnen.

Die Alte Post in Spandau ist zu einem Kulturort geworden. Der Spandauer Moe betreut dort die "Urban Art Hall". Doch bald ist Schluss an dem Standort.

Die Alte Post in Spandau ist zu einem Kulturort geworden. Der Spandauer Moe betreut dort die "Urban Art Hall". Doch bald ist Schluss an dem Standort.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin.  Das ehemalige Postgelände in Spandau hat sich in den vergangenen Monaten deutlich gewandelt.

In der alten Pakethalle ist eine „Urban Art Hall“ entstanden. Sie ist jetzt bunt statt grau; die Wände - innen wie außen - werden von unterschiedlichen Kunstwerken geziert. Es gab Streetart-Ausstellungen und der Verein „Neue Urbane Welten“ hat regelmäßig Workshops, Partys oder Urban Gardening veranstaltet. Doch jetzt geht der Wandel weiter: Arbeiten für das geplante „Spandauer Ufer“ stehen an - und damit kommt im September auch das Ende der „Urban Art Hall“.

Für die Mitglieder der „Neuen Urbanen Welten“ war von Beginn an klar, dass das alte Postgelände nur temporär genutzt werden kann - der Investor hatte es dem Verein zur Zwischennutzung überlassen. In den kommenden Jahren soll mit dem „Spandauer Ufer“ ein neues Quartier entstehen, das knapp 80 Wohnungen, zwei Hotels, Gewerbe, Cafés, Restaurants und Einzelhandel beinhalten soll. Vor allem das 21 Stockwerke hohe Büro-Gebäude wird das Areal künftig prägen.

Abrissarbeiten stehen im Oktober an

Um mit dem Bau zu beginnen, müssen aber zunächst die noch vorhandenen Gebäude verschwinden. Im Oktober, kündigt

Agilolf Bachner, einer der Chefs der Spandauer Ufer GmbH & Co. KG, an, soll der Abbruch beginnen, ab November auch äußerlich sichtbar werden. Dann sollen die letzten Spuren der alten Post verschwunden sein. „Nach 20 Jahren Brache ist das ein Schritt in Richtung etwas Neuem“, sagt Bachner. Außerdem soll nun die Beteiligung der Behörden und Träger beginnen und später im Jahr auch eine weitere Bürgerbeteiligung folgen.

Ob der für nächstes Jahr anvisierte tatsächliche Baubeginn realisiert werden kann, hänge auch davon ab, wie zügig die Beteiligung vorankomme und schließlich der Bebauungsplan beschlossen wird. „Wir versuchen auf jeden Fall, möglichst schnell zu beginnen“, sagt Bachner. Das Interesse von Restaurants, Hotels und Gewerbe an dem geplanten Standort scheint zumindest vorhanden: Etwa 50 Prozent der vorgesehenen Flächen seien bereits belegt, so der Investor. „Das zeigt, dass die Leute an dem Standort das Potenzial sehen, das wir auch sehen“, meint Bachner.

Kleine und freie Kulturstandort sind in Berlin von der Verdrängung bedroht

Auch, wenn in Spandau von Beginn an klar war, dass die Künstler nur begrenzt bleiben können: In Berlin ist es ein wachsendes Problem, dass Künstler um ihre Flächen kämpfen müssen. „Aufgrund von Gentrifizierung und Verdrängung gehen gerade kleine und freie Kulturstandorte verloren oder sind in ihrer Existenz bedroht“, sagt Daniel Bartsch, Sprecher der Senatsverwaltung für Kultur und Europa. „Diese Entwicklung umzukehren ist schwierig, sie aufzuhalten nicht minder.“ Da es sich meistens um privatrechtliche Mietverträge handele, habe die Senatsverwaltung nur bedingten Einfluss und könne meist nur die Rolle des Vermittlers übernehmen.

Auch im Bezirk Spandau sind die Entwicklungen spürbar. „Es gibt eine hohe Nachfrage nach Gewerbeimmobilien, die auch Standorte für kulturelle Projekte oder Künstler sein könnten“, teilt das Kunstamt auf Nachfrage mit. Noch seien freie Ateliers vorhanden, der Zuzug von Kreativen aus dem Zentrum nehme aber deutlich zu.

Kulturorte sollen bei Neubauprojekten mitgeplant werden

Die Senatsverwaltung fordert deshalb, bei Neubauprojekten auch neue kulturelle Orte mitzuplanen. „Es ließen sich Räume zurückgewinnen, wenn man Kulturstandorte wie andere Einrichtungen der Daseinsvorsorge bei Neubauprojekten mitdenkt“, sagt Sprecher Bartsch. So, wie es für eine bestimmte Anzahl von Bewohnern eine bestimmte Zahl neuer Schul- oder Kitaplätze brauche, würden auch Flächen für Kultur benötigt. „Die bunte und kreative kulturelle Mischung ist das, was Berlin ausmacht“, sagt Bartsch. Das dürfe nicht kaputtgehen.

Dass die „Neuen Urbanen Welten“ aus der wenig ansehnlichen Alten Post in Spandau einen bunten und kreativen Ort gemacht haben, das dürfte niemand in Frage stellen. An die 150 Künstler seien seit der Eröffnung der „Urban Art Hall“ vor

rund zwei Jahren dorthin gekommen, sagt Moe, selbst Künstler und Kurator der Halle. Darunter waren Menschen aus Mexiko, Russland, Schweden oder Argentinien. „Unter Künstlern sind wir kein Geheimtipp mehr, die kennen uns inzwischen“, sagt der Spandauer.

So kommen immer wieder Anfragen von Menschen, die ihre Werke an die Wände der alten Halle bringen wollen - und die, erzählt Moe, es genießen, hier in Ruhe malen zu können. „Die Künstler gehen mit einem Lächeln, das ist besser als eine Bezahlung“, sagt Moe. Den Kreativen einen Ort zu geben, an dem sie sich ausprobieren und ausleben können, das war der Gedanke hinter der „Urban Art Hall“.

Suche nach neuem Ort für die „Urban Art Hall“ in Spandau läuft

Mit dem Ende auf dem Postgelände soll deshalb, wenn es nach Moe geht, nicht auch das ganze Projekt enden. „Ich suche etwas Vergleichbares, von der Größe, aber auch von dem Charme her“, sagt er. Über 3000 Quadratmeter Fläche stehen den Kreativen zurzeit zur Verfügung. Ähnliche Ersatzflächen gibt es aber nur begrenzt - vor allem, weil auch die Anbindung in die Innenstadt für die Gäste stimmen muss. Bestimmte Ortsteile in Spandau seien damit ausgeschlossen, meint Moe, obwohl er gern dort bleiben möchte. „Ich möchte die Künstler in dem Bezirk unterstützen, in dem ich aufgewachsen bin“, sagt er.

Das Kunstamt des Bezirks betont, dass man gesprächsbereit sei, wenn es um die Suche nach einem neuen Standort geht. Von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa heißt es, man sehe keine Möglichkeit vor Ort zu helfen. Senator Klaus Lederer (Linke) habe aber angeboten, auf Grundlage des Bedarfs der Spandauer Kreativen, das landeseigene Berliner Immobilien Management um Unterstützung bei der Suche nach einem Ersatzstandort zu bitten, so Sprecher Bartsch.

Große Veranstaltung auf dem alten Postgelände steht noch bevor

Gebraucht wird dabei nicht nur eine Halle für Künstler, sondern auch eine für Skater, die das Gebäude genutzt haben, und für die Musik-Events und Partys der „Alten Packstation“. Künstler Moe gibt sich optimistisch. Sollte sich keine Halle finden lassen, werde er zumindest nach Fassadenwänden in Spandau suchen, die die Künstler gestalten können. „Es bleibt auf jeden Fall bunt“, sagt er.

Und wenigstens eine große Veranstaltung, vielleicht auch zwei, stehen auch an dem derzeitigen Standort noch an: das „Secret Spot Opening“ vom 12. bis 21. Juli, mit verschiedenen Live-Musikern, neuen Wandgemälden und einer Foto-Ausstellung über die vergangenen zwei Jahre, in denen aus einer ungenutzten Halle einen Anlaufpunkt für internationale Künstler geworden ist.

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