Bauprojekt

Streit um Ausbau des Teufelsseekanals in Spandau

Im Zusammenhang mit einem neuen Wohnquartier sollen Bootsliegeplätze entstehen. Naturschützer sind dagegen und erzielen ersten Erfolg.

In Spandau entsteht zurzeit mit der „Havelmarina" ein neues Wohnquartier (Archivbild).

In Spandau entsteht zurzeit mit der „Havelmarina" ein neues Wohnquartier (Archivbild).

Foto: HELMA Wohnungsbau GmbH / Helma Wohnungsbau GmbH

Berlin.  Einfamilienhäuser mit eigenen Bootsliegeplätzen vor der Haustür – so sehen die Pläne des Unternehmens Helma für die neuen Häuser aus, die im Wohnquartier „Havelmarina“ in Spandau direkt am Teufelsseekanal liegen sollen das gerade entsteht.

Doch bei diesem geplanten Ausbau des Kanals, der vom Spandauer Forst durch das Wohngebiet fließt und dann in die Havel mündet, gibt es Ärger: Berliner Naturschutzverbände haben gegen die Genehmigung zum Ausbau von der Senatsumweltverwaltung geklagt. Kürzlich wurde ein erster Erfolg erzielt.

Wie der Naturschutzbund Berlin (Nabu) mitteilte, habe man parallel beantragt, den vorzeitigen Beginn des Kanalausbaus sofort zu stoppen. Im Juni habe nun das Unternehmen Helma seinen Eilantrag dazu zurückgezogen, vorzeitig mit den Arbeiten an dem Gewässer zu beginnen. Für die Anlegeplätze sollen nach Plänen des Unternehmens auch Hafenbecken ausgehoben werden. Zuvor hatte schon die Senatsumweltverwaltung den Eilantrag von Helma abgelehnt, weil der Kanalausbau eine separate Maßnahme und damit unabhängig vom Wohnungsbau sei, heißt es in der Nabu-Mitteilung.

Antrag verweist auf Dringlichkeit, Wohnraum zu schaffen

Ursprünglich war noch gegenteilig argumentiert worden: „Begründet wurde der Antrag auf Ausbau des Teufelsseekanals vom Investor zuvor mit dem öffentlichen Interesse und der Dringlichkeit, in Berlin Wohnraum zu schaffen“, schreibt der Nabu. Dieser Argumentation sei die Senatsverwaltung gefolgt, als sie die Genehmigung für den Ausbau erteilte. Die Senatsumweltverwaltung selbst will sich auf Nachfrage derzeit nicht äußern. Aufgrund des laufenden Gerichtsverfahrens könne man leider keine Stellungnahme abgeben, teilt eine Sprecherin mit.

Für die Naturschützer ist nicht nachvollziehbar, dass der Kanalausbau mit dem Schaffen von Wohnraum begründet wird. „Dass ein Gewässerausbau und die Vernichtung eines Biotopverbunds mit dem öffentlichen Interesse, Wohnraum zu schaffen, gekoppelt und damit begründet wurde, ist ein Skandal“, so Ulrike Hielhorn, Naturschutzreferentin des Nabu.

Naturschützer betonen Bedeutung des Spandauer Teufelsseekanals

Auch Manfred Schubert, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz, sagt, er sehe den Wohnungsbau nicht als Argument für den Kanalausbau. „Das Wohnungsbauunternehmen könnte die Hauser sicherlich auch ohne Steganlagen verkaufen.“

Schubert betonte die Bedeutung des Teufelsseekanals als Verbindung zwischen Spandauer Forst - als Flora-Fauna-Habitat geschützt - und Havel. „Das ist ein wichtiges Gebiet für Fledermäuse und Lebensraum für Biber“, so Schubert. Schon jetzt seien aber Bäume gefällt und dadurch die Ufersituation verändert worden. Zwar gebe es Pläne für Ersatzflächen für die Biber am Rand des Baugebiets, das sei jedoch zu wenig, sagt Schubert.

Helma hält derweil an seinen Plänen fest. Thorsten Harms, Marketingleiter bei dem Bauunternehmen, erklärt, dass man den Ausbau des Teufelsseekanals „im Rahmen der Plangenehmigung“ selbstverständlich weiterverfolge. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass die im Rahmen der Plangenehmigung vorgesehenen Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und Natur den gerechtfertigten Ansprüchen an den lokalen Naturschutz genügen“, sagt Harms.

Vor Gerichtsentscheidung soll es keine Eingriffe am Kanal geben

Bis das Verwaltungsgericht eine Entscheidung getroffen hat, werde man aber keine Eingriffe an dem künstlich geschaffenen Kanal vornehmen. Man vertraue darauf, so Harms, dass das Gericht besonnen zwischen dem Naturschutz auf dem Gelände und im Umfeld eines ehemaligen Kohlekraftwerks sowie den Ansprüchen des Landes Berlin, Wohnraum zu schaffen, ohne natürliche Landschaften zu vernichten, abwäge. In jedem Fall wolle auch Helma die ehemalige Industriebrache sinnvoll rekultivieren, sagt der Sprecher.

Das neue Wohnquartier „Havelmarina“ entsteht zurzeit auf beiden Seiten des Teufelsseekanals. Es umfasst gut 170 Einfamilienhäuser, 15 Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 112 Wohnungen. 22 Wohnungen sollen mietpreisgebunden sein und zu 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Geplant ist, dass der komplette erste Bauabschnitt auf der einen Uferseite sowie große Teile des zweiten Bauabschnitts am gegenüberliegenden Ufer bis zum Jahr 2020, spätestens 2021, fertig sind.

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