Kinderbetreuung

Spandauerin kämpft für die Gründung einer Kita

Oxana Helm will in Spandau eine Kita eröffnen. Auch ein Gebäude hatte sie schon gefunden. Doch der Vorgang zieht sich.

Die Spandauerin Oxana Helm will eine Kita gründen und hat inzwischen einen dicken Ordner mit Konzepten und Bescheinigungen. Doch der Vorgang dauert. 

Die Spandauerin Oxana Helm will eine Kita gründen und hat inzwischen einen dicken Ordner mit Konzepten und Bescheinigungen. Doch der Vorgang dauert. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin.  Die Idee hatte Oxana Helm schon länger, im vergangenen Jahr ist sie den Plan dann ernsthaft angegangen: Zusammen mit einer Partnerin möchte sie eine Kita in Spandau eröffnen. „Ich habe mich in der Schule und Kita und im Sportverein meiner Kinder immer viel engagiert, wenn Unterstützung gebraucht wurde“, erzählt die Spandauerin. „Aber ich habe dann gedacht, dass ich den Kindern noch weiterhelfen möchte.“ Nach vielen Gesprächen mit einer anderen Mutter fassten sie dann den Entschluss, eine Kita zu gründen - zumal die Plätze im Bezirk knapp sind.

Fast anderthalb Jahre ist es nun her, dass die beiden intensiv in die Planungen eingestiegen sind, Konzepte geschrieben, eine Gebäude und Personal gesucht haben. Ihrem Ziel näher gekommen sind sie allerdings kaum. Von der zuständigen Kita-Aufsicht der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, beklagt Helm, gebe es kaum Unterstützung. Seit März habe sie nun, trotz mehrmaliger Nachfragen, nichts mehr zu den zuletzt eingereichten Konzepten und Bescheinigungen gehört.

Immer mehr Menschen wollen eine Kita gründen

Mit der Idee, auch in Reaktion auf die fehlenden Plätze selbst eine Kita zu gründen, sind die beiden Spandauerinnen nicht allein. „Das Interesse an Menschen, die eine Kita gründen wollen ist in den letzten Jahren in erheblichen Maße angestiegen“, sagt Iris Brennberger, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Zweimal monatlich gebe es inzwischen Informationsveranstaltungen für Neugründer. Allerdings: Von denen, die solch eine Veranstaltung besuchen, stiegen nur rund fünf Prozent in den anschließenden Beratungsprozess ein, so die Sprecherin.

Gründe dafür nennt Brennberger einige: „Es gibt eine Goldgräbermentalität – Personen, die denken, dass man derzeit mit Kitas schnell viel Geld verdienen könnte und die dann wieder abspringen“, sagt sie. Andere würden die Aufgaben und Verantwortungen als Träger oder die erforderlichen finanziellen Mittel unterschätzen. Ein weiterer Grund: die Planungszeiten.

Mögliches Kita-Gebäude in Hakenfelde war bereits gefunden

Wie lange diese sein können, haben nun auch Helm und ihre Geschäftspartnerin erfahren. Im März 2018 hätten sie sich erstmals an die Senatsverwaltung gewandt mit ihrem Plan, als neuer Träger eine Kita zu gründen. Einen Platz für eine der genannten Informationsveranstaltungen bekamen sie erst vier Monate später. Der Prozess kam das erste Mal ins Stocken.

Das war vor allem aus dem Grund ein Problem, weil Helm - selbst eigentlich studierte Ingenieurin - im Frühjahr ein mögliches Gebäude in Hakenfelde gefunden hatte. „Alle Träger sagen, mit das Wichtigste ist, dass man Räume hat“, erzählt Helm, die seit 2004 in Spandau lebt. In dem zweistöckigen Haus, in dessen Erdgeschoss sich eine große Bäckerei befindet, hätte sie die komplette erste Etage für eine Kita mit 40 Plätzen nutzen können, sagt sie. „Die Besitzerin war begeistert von der Idee.“

Ein Architekt habe das Gebäude bereits besichtigt und ein Raumkonzept aufgestellt. Der Parkplatz hinter dem Haus sollte zu einem Außengelände der Kita werden, einen Vormietvertrag gab es bereits. Ein barrierefreier Aufgang und ein Brandschutzkonzept hätten zwar noch gefehlt, aber Helm war optimistisch, dass das gelöst werden könnte. Doch die Monate vergingen. „Bis Oktober 2018 hat die Vermieterin auf uns gewartet“, sagt Helm. Ohne Trägergenehmigung habe sie den Mietvertrag nicht abschließen können.

Bis Ende 2022 sollen in Spandau 100 Kita-Plätze fehlen

Dass in Spandau neue Kita-Plätze gebraucht werden, bestätigt auch das bezirkliche Jugendamt. „Trotz der fortlaufenden Ausweitung des Platzangebotes zeigt sich in den verschiedenen Spandauer Bezirksregionen aktuell eine zum Teil deutliche Unterversorgung im Betreuungsangebot“, wird auf Nachfrage mitgeteilt. Derzeit gibt es knapp 10.400 Kita-Plätze im Bezirk, bis Mitte 2022 wird aber ein Platzbedarf in Höhe von rund 13.700 Betreuungsplätzen prognostiziert. Auch für Hakenfelde, wo die beiden Spandauerinnen die Kita geplant hatten, wird laut Bedarfsatlas mit einem steigenden Bedarf gerechnet.

Zwar wird davon ausgegangen, dass in den kommenden Jahren neue Kitas entstehen, dennoch geht das Jugendamt davon aus, dass bis Ende 2022 rund 1000 Plätze in Spandau fehlen. „Hier wünschen wir uns als Jugendamt für den weiteren Kita-Ausbau aktive und investitionsbereite Träger.“

Mehr als 20 Eltern hatten bereits Interesse an neuer Kita

Dass der Bedarf in Spandau da ist, zeigt auch eine Warteliste, die Helm bereits angelegt hatte. Obwohl die Kita noch nicht existiert, hatten schon mehr als 20 Eltern Interesse bekundet. Auch um Personal - das Spandauer Jugendamt sieht den Fachkräftemangel zurzeit als wesentlichstes Problem an - hatten sich die beiden Frauen bemüht. Eine pädagogische Leitung und Erzieherinnen hätten sie gefunden, sagt Helm.

Inzwischen haben die Frauen mehrere Konzepte für die Kita, den Träger und die Finanzierung erstellt und nach zwei Gesprächen mit Mitarbeitern der Senatsverwaltung, das letzte davon allerdings schon im November 2018, auch mehrfach überarbeitet. Eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft wurde gegründet, Seminare zu Aufsichtspflicht und dem Umgang mit Kindeswohlgefährdung besucht, ein Organigramm zur geplanten Struktur erstellt.

Und Helm erzählt, dass sie mehr als ein Jahr in einer Kita ausgeholfen hat, um Erfahrungen zu sammeln. „Wir verstehen, dass die Verwaltung uns gründlich prüfen will und schauen muss, ob wir vertrauenswürdig sind“, sagt die Mutter zweier Jungen. Man wolle, gerade da weder sie noch die zweite Gründerin aus dem pädagogischen Bereich kommen, auch eng mit der Senatsverwaltung und dem Jugendamt zusammenarbeiten. Aber langsam wisse sie nicht mehr, was sie noch vorzeigen sollen.

Senatsverwaltung verweist auf Qualitätsstandards, die eingehalten werden müssen

Auf Nachfrage zu dem langen Gründungsprozess erklärt Sprecherin Brennberger, das Land habe natürlich Interesse daran, dass neue Kita-Plätze geschaffen werden. „Das Land hat aber auch ein Interesse daran, dass neue Kitas nicht gleich wieder scheitern und dass sie eine gute Betreuung und frühe Bildung von Kindern gewährleisten“. Deshalb müssten von den Gründern auch bestimmte Qualität-Standards eingehalten werden.

Zu dem konkreten Fall der Spandauerinnen sagt die Sprecherin, die Unterlagen hätten in Teilen grundlegend überarbeitet werden müssen. „Inhaltliche Fragen konnten bisher nicht beantwortet werden. Auch die Trägerstruktur ist bisher nicht klar“, teilt Brennberger weiter mit. „All dies trägt dazu bei, dass sich der Prozess in die Länge zieht.“

Oxana Helm hat den Wunsch, eine Kita zu gründen, noch nicht aufgeben und hofft darauf, dass der Beratungsprozess bald weiter geht. Die Augen nach einem alternativen Gebäude, zur Not auch in einem anderen Bezirk, halten sie weiter offen, sagt Helm. Denn sie seien zu engagiert, um ihre Träume einfach zu verwerfen.

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