Nahverkehr

Lösungen für Spandaus Verkehrsprobleme gesucht

Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese hat mit Spandauern über den Ausbau des Nahverkehrs diskutiert. Vieles ist noch offen.

Überlegungen gibt es auch dazu, die S-Bahn aus Spandau nach Brandenburg zu verlängern oder eine Express-S-Bahn nach Westkreuz einzuführen.

Überlegungen gibt es auch dazu, die S-Bahn aus Spandau nach Brandenburg zu verlängern oder eine Express-S-Bahn nach Westkreuz einzuführen.

Foto: Ralph Peters / imago/Ralph Peters

Berlin.  Regelmäßige Staus auf der Heerstraße, überlastete Anbindungen in den Spandauer Süden, überfüllte Regionalbahnen und Busse – wenn Spandauer von der momentanen Verkehrssituation im Bezirk berichten, können sie viele Probleme benennen. Der in diesem Jahr veröffentliche Nahverkehrsplan beinhaltet auch verschiedene Pläne, wie mit den wachsenden Verkehrsströmen in Spandau umgegangen werden soll.

Genannt werden dabei unter anderem: der U-Bahn-Ausbau, der Aufbau von Straßenbahnlinien, die S-Bahn-Verlängerung nach Brandenburg und die Reaktivierung der Siemensbahn. Was tatsächlich realisiert wird, das ist allerdings offen. Untersuchungen dazu laufen noch. „Es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten“, sagte Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese bei einer Veranstaltung der Grünen in Spandau und betonte: „Dazu gehören auch Straßenbahnen.“

Straßenbahnerschließung ist in Spandau nicht vom Tisch

Zuletzt kursierende Nachrichten, wonach eine Straßenbahnerschließung in Spandau vom Tisch sei, wies Streese damit zurück. „Natürlich wurden die Tramplanungen nicht abgestellt“, sagte der Staatssekretär. Durch die neuen Wohngebiete in Spandau und den Siemens-Innovationscampus werde man so viel Verkehr haben, dass auch mehrere neue Anbindungen kommen könnten.

„Ziemlich sicher“, so Streese, sei, dass die Siemensbahn bis zum Bahnhof Gartenfeld reaktiviert wird. In den kommenden Wochen solle auch mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) eine Vereinbarung dazu unterzeichnet

werden, dass die Planungen auch tatsächlich vorangetrieben werden. Eine Verlängerung der Siemensbahn über Gartenfeld hinaus sei nicht ausgeschlossen, aber schwieriger. Zum einen wegen des erforderlichen Tunnelbaus, zum anderen, weil dafür ein neues – zeitintensives und teures – Planfeststellungsverfahren nötig sei, so Streese. Für große Teile der alten Trasse ist dies wohl nicht erforderlich.

Grüne wollen Straßenbahn-Inselnetz mit drei Ausbaustufen

Die Grünen in Spandau haben sich derweil deutlich für den Aufbau eines Straßenbahn-Inselnetzes positioniert. Denn der Busverkehr, meint Oliver Gellert, Fraktionschef der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung, sei am Limit. „Wir haben keine Platz mehr für neue Busse. Verdichtete Takte bringen uns nicht weiter, wenn die Busse auch alle im Stau stehen.“

Die Grünen schlagen dabei den Aufbau eines Inselnetzes in drei Stufen vor, zunächst vom Johannesstift über den Bahnhof Spandau bis zur Heerstraße. Die Buslinien 136 und 263 würden die Strecke heute zum Großteil bedienen, aber kaum den Bedarf decken, heißt es zur Begründung. In der zweiten Stufe sollen ein Ausbau über die Wasserstadt bis zum U-Bahnhof Haselhorst sowie im Süden entlang der Heerstraße bis zum Hahneberg. So sollen einerseits die Neubaugebiete im Norden, aber auch die Siedlung Heerstraße Nord profitieren.

Zuletzt könnte der Ausbau durchs Falkenhagener Feld realisiert werden, wo zudem am Klosterbuschweg ein neuer Bahnhof vorgeschlagen wird. Ein vollständiges Verkehrskonzept, so Gellert, werde derzeit erarbeitet.

Grünen-Fraktionschef wünscht sich parallele Planung im Nahverkehrsausbau

Allerdings erklärte Gellert auch, dass beim Ausbau des Nahverkehrs in Spandau durchaus auf verschiedene Verkehrsmittel gesetzt werden sollte. „Ich würde mir auch für uns als Randbezirk wünschen, dass wir nicht entweder U-Bahn oder S-Bahn oder Straßenbahn planen, sondern auch parallel.“ In der Innenstadt gebe es schließlich auch Strecken, auf denen mehrere Verkehrsmittel unterwegs seien.

Bei der Veranstaltung wurde zudem ausführlich über einen Bereich in Spandau diskutiert, der in den Verkehrsplanungen des Landes bislang kaum eine Rolle spielt: der Süden mit den Ortsteilen Gatow und Kladow. Ein Ausbau des Nahverkehr-Angebots dort ist nicht vorgesehen, die Ortsteile könnten höchstens von einer laut Nahverkehrsplan angestrebten Ausweitung der Bus-Verbindungen ins Umland, in Richtung Potsdam profitieren.

Spandauer Süden ist bislang „ein blinder Fleck“

„Im Nahverkehrsplan ist der Spandauer Süden bis jetzt ein blinder Fleck, das muss man zugeben“, sagte Bettina Jarasch, Grünen-Abgeordnete. Bei der Diskussion habe sich nun noch einmal gezeigt, wie groß der Druck ist, dass in Spandau etwas passiert. Nicht nur, aber auch im Spandauer Süden, wo der Verkehr durch den Bau eines neuen Wohnquartiers in Krampnitz, in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze, Prognosen zufolge noch einmal deutlich steigen wird.

Nachdem mehrfach auf die Probleme hingewiesen wurde, erklärte Verkehrsstaatssekretär Streese: „Spandau-Süd sehe ich als Bereiche an, wo man noch mehr zur Erschließung machen sollte.“ Er kündigte an, in der Senatsverwaltung darauf achten zu wollen, dass auch an das Gebiet gedacht werde.

Verbesserung für überfüllte Regionalbahnen gefordert

Aber auch aus anderen Bereichen Spandaus gab es Kritik. Aus Staaken etwa, wo rund 46.000 Menschen leben, und man sich verkehrstechnisch ebenfalls nicht richtig angeschlossen sehe, wie ein Diskussionsteilnehmer sagte. Und bei aller Spandau-interner Erschließung - sei es durch Straßen- oder U-Bahnen - bleibt das Problem der überfüllten Regionalbahnen ins Zentrum. „Ich pendle jeden Tag in die Innenstadt“, sagte der Spandauer Christoph von Wittich. „Manchmal komme ich morgens erst in die dritte Regionalbahn rein, weil es so voll ist.“ Wittichs Vorschlag: Die S5 nach Spandau verlängern, als Express-S-Bahn nach Westkreuz fahren lassen und so Druck von den Regionalbahnen nehmen.

Der Berliner S-Bahn-Chef Peter Buchner hatte dazu kürzlich erklärt, dass eine solche Express-S-Bahn ab Ende 2023 möglich wäre, wenn genügend Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Die Entscheidung läge allerdings beim Verkehrsbund Berlin-Brandenburg. Staatssekretär Streese verwies mit Blick auf die wachsenden Pendlerzahlen auf das Projekt i2030. Berlin und Brandenburg prüfen dort zurzeit gemeinsam mehrere Varianten, wie der Schienenverkehr vom Havelland ins Berliner Zentrum ausgebaut werden kann.

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