Berlin-Spandau

Zweijähriges Tourismusprojekt endet - das ist die Bilanz

300.000 Euro wurden investiert und ein neues Konzept entwickelt. Doch längst nicht alle Pläne sind abgehakt. Der Bezirk hat viel vor.

Die Altstadt Spandau, hier mit dem Denkmal Kurfürst Joachim II am Reformationsplatz, gehört zu den touristischen Anziehungspunkten im Bezirk.

Die Altstadt Spandau, hier mit dem Denkmal Kurfürst Joachim II am Reformationsplatz, gehört zu den touristischen Anziehungspunkten im Bezirk.

Foto: David Heerde

Berlin.  Spandau und seine Sehenswürdigkeiten bekannter machen und eine einheitliche Vermarktungsstrategie für den Bezirk entwickeln - das waren die großen Ziele, die vor dem Start des Tourismusprojekts in Spandau festgelegt wurden. Diesen Monat, nach zweijähriger Laufzeit, endet es offiziell. 300.000 Euro an Fördermitteln hat der Bezirk investiert. Es gab regelmäßige Runde Tische, die Stelle einer Tourismusbeauftragten wurde geschaffen und eine Marketing-Agentur ins Boot geholt. Das Fazit der Spandauer Wirtschaftsförderung, bei der auch der Tourismus angesiedelt ist, fällt positiv aus. Obwohl klar ist: Die Arbeit ist längst nicht vorbei: „Wir haben ein neues Konzept, jetzt muss es auch angewandt werden“, sagt Patrick Sellerie, der Leiter der Wirtschaftsförderung.

Blickt man auf die reinen Zahlen, dann gibt es für den Tourismus in Spandau tatsächlich noch Luft nach oben. Rund 260.000 Gäste wurden 2018 im Bezirk gezählt. In ganz Berlin waren es rund 13,5 Millionen. Der Spandauer Anteil entsprach demnach knapp zwei Prozent. Als einer von zwei Bezirken hat Spandau im vergangenen Jahr eine geringere Übernachtungszahl verzeichnet als 2017, auch wenn der Rückgang sehr gering war.

Hotels im Bezirk von einer Website aus buchen

Spandau als Destination für Touristen wahrnehmbarer zu machen, bleibt also eine Aufgabe. Obwohl, auch das sagt Sellerie, es nicht darum gehe, andere Bezirke bei den Gästezahlen zu übertreffen. Dennoch sollen mehr Berlin-Besucher - vor allem jene, die ein zweites oder drittes Mal kommen - erfahren, was Spandau zu bieten hat. Dazu ist im vergangenen Jahr eine neue Website online gegangen. Visitspandau.de heißt die, in Anlehnung an „Visit Berlin“, die offizielle Organisation für Tourismusmarketing in der Stadt.

Auf der Website werden gebündelt die Attraktionen des Bezirks vorgestellt, auch die weniger bekannten. Die Wasserlage und das viele Grün spielen eine Rolle, aber auch die Industriekultur oder die Ost-West-Geschichte Spandaus. Dass der Bezirk selbst geteilt war, das sei etwas Besonderes, sagt Sellerie. Dazu kommt ein Überblick über Gastronomie und Veranstaltungen sowie ein Booking-Tool, das es ermöglichen soll, Spandauer Hotels von einer Internetseite aus zu vergleichen und zu buchen. Und entscheidend: Mit der Website wurde auch ein neues Logo für Spandau entwickelt, das nun einheitlich bei der touristischen Vermarktung verwendet werden soll.

Anfragen kommen aus Deutschland und dem Ausland

„Die Website wollen wir noch stärker bewerben“, sagt Sellerie. Dass sie aber bereits gefunden wird, würden Anfragen zeigen, die über das Kontaktformular eingegangen sind. Sie würden aus Deutschland, zum Teil aber sogar aus Großbritannien oder Australien kommen. „Das zeigt, dass sich die Menschen schon vor ihrem Berlin-Besuch auch über Spandau informieren“, meint Sellerie.

Auf den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram präsentiert sich der Bezirk nun ebenfalls mit neuen Seiten. „Im Tourismus, um neugierig zu machen und Ort zum Entdecken zu zeigen, ist Instagram heute ein Muss“, findet der Chef der Wirtschaftsförderung. Bislang läuft die Betreuung der Auftritte nur nebenbei, das will der Bezirk künftig professionalisieren. Dazu soll im Juli eine weitere neue Mitarbeiterin kommen, zuständig für Kommunikation und Stadtmarketing.

Abseits von der digitalen Bewerbung des Bezirks wird aber auch auf klassische, gedruckte Produkte gesetzt. Es gibt Flyer, Plakate und seit kurzem einen neuen Plan, alles angepasst an das neue Design. „Der Plan spiegelt die komplette Breite wieder, die wir in Spandau haben“, sagt Sellerie. 21 „touristische Highlights“ sind in die Karte eingezeichnet und kurz beschrieben. Den Plan will man nicht nur an Hotels, Sehenswürdigkeiten und der Tourist Information in Spandau verteilen, sondern auch über die Bezirksgrenzen hinaus.

Radtouren soll in die App „Komoot“ aufgenommen werden

Mit den Teilnehmern der Runden Tische und der Marketing-Agentur wurden zudem sieben Touren durch den Bezirk, teils für Fußgänger, teils für Radfahrer, entwickelt, die sich jeweils einem Schwerpunktthema widmen. Online auf der Website lassen sich die Routen bereits abrufen, die Fahrradtouren sollen zudem in die App „Komoot“ eingebunden werden. Mehr als eine Million Nutzer haben die App bislang heruntergeladen, in der Strecken mit Beschreibungen, Schwierigkeit und genauer Navigation gespeichert sind.

Eine Tour, die durch die Altstadt Spandaus führt, wurde zudem fest etabliert und wird seit April vier bis fünf Mal im Monat von professionellen Stadtführern angeboten. Wer lieber alleine unterwegs ist, für den ist ein neuer Audioguide in Planung, der noch in diesem Jahr beauftragt und möglichst zur Verfügung stehen soll. „Wir wollen auf Mehrsprachigkeit, Aktualität und Flexibilität setzen“, erklärt Sellerie. So soll der Audioguide auch direkt über das eigene Smartphone abrufbar sein.

Spandau will als Zwischenziel entlang des Havelradwegs bekannter werden

Für die Zukunft steht also noch einiges an, um Spandau als Touristenziel voranzutreiben. Und die Pläne gehen weiter: Die Runden Tische finden zumindest in diesem Jahr noch statt, „Anwendungsworkshops“, so nennt Sellerie die geplanten Veranstaltungen: Den Akteuren aus der Tourismusbranche soll gezeigt werden, wie sie das einheitliche Design und Logo für sich nutzen können. Außerdem will man die Zusammenarbeit mit dem Havelland stärken und Spandau offensiver als Zwischenstopp entlang des Havelradwegs präsentieren. „Bislang fährt man hier einfach nur durch“, sagt Sellerie.

Entlang des Havelradwegs - am Lindenufer in der Altstadt Spandau - ist derweil eine weitere Neuerung in Planung. Bislang fehlt dort ein Restaurant oder Café am Wasser. „Gemeinsam mit dem Straßen- und Grünflächenamt haben wir eine Fläche ausgemacht, die sich für ein gastronomisches Angebot anbietet“, berichtet Sellerie. Erst kürzlich habe es mit dem Altstadtmanagement und einem potenziellen Betreiber ein Gespräch gegeben. „Angedacht sind derzeit verkleidete und sich in die Grünanlage einpassende Container für die Gastroausgabe und die barrierefreien, sanitären Einrichtungen“, erklärt Sellerie. Jetzt müssen genaue technische und bauliche Details geklärt werden. Gewünschter Start, so Sellerie, sei die Saison 2020. Touristen hätten damit einen weiteren Anlaufpunkt, um eine Spandauer Besonderheit zu erleben: den nahen Zusammenfluss von Havel und Spree.

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