Bezirkstour

Verkehr Schwerpunkt beim Senatsbesuch in Spandau

Der rot-rot-grüne Senat besucht Spandau und informiert sich über Entwicklungen und Probleme. Schwerpunkt ist dabei erneut der Verkehr.

V.l.: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD), Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke), Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Gutspark Neukladow.

V.l.: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD), Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke), Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Gutspark Neukladow.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Bei seiner Tour durch Spandau hat der Berliner Senat die gesamte Vielfalt des Bezirks zu sehen bekommen: den grünen Süden, die Großsiedlungen, die wachsenden Ortsteile im Norden und Osten mit den vielen Wohnungsbauprojekten.

Gezeigt wurde, wo der Bezirk sich stark entwickelt, wo er berlinweite Besonderheiten zu bieten hat – aber auch, wo es Herausforderungen gibt. Ein Stichwort, das auf der Fahrt immer wieder fiel: der Verkehr. Egal ob es um marode Straßen, den gewünschten U-Bahn-Ausbau oder überlastete Busse ging.

Als dritten Bezirk hat die Berliner Landesregierung am Dienstag Spandau besucht. Nach seiner regulären Sitzung sprach der Senat mit Bezirksbürgermeister und Stadträten über die Lage und Probleme des Bezirks und fuhr anschließend mit dem Bus rund vier Stunden durch die Ortsteile.

Man habe gemerkt, dass in Spandau die Themen eine Rolle spielen, die auch ganz Berlin prägen, wie Mobilität, Schulbau und der Wohnungsmarkt, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nach der Sitzung im Bezirksamt. Auch das Sichern von Gewerbeflächen sei „dringend notwendig“.

Pläne für Alexander Barracks

Als Beispiel wurden bei der Senatssitzung die Alexander Barracks genannt, ein ehemaliges Kasernengelände. Später fuhr auch der Bus dort entlang. Das Land möchte in Zusammenarbeit mit Vivantes und Charité dort einen Ausbildungscampus entwickeln, außerdem würde Vivantes gerne das angrenzende Klinikgelände erweitern.

Der Bezirk ist offen für den Campus, will aber das heutige Gewerbe nicht vertreiben. „Es gibt ein Spannungsfeld“, so Müller. Eine ähnliche Situation gibt es in Hakenfelde, wo zurzeit das Wohnquartier „Waterkant“ entsteht. Auch dort gibt es eine Konfliktsituation, weil Gewerbetreibende ihre Betriebe auf einem Gelände haben, wo ein Teil der Wohnungen und ein Gymnasium entstehen sollen.

„Wir haben noch mal deutlich gemacht, dass sich das Land hier auch kümmern muss“, sagte Spandaus Stadtentwicklungsstadtrat Frank Bewig (CDU). „Ich sehe dabei den ganzen Senat in der Pflicht.“

Bezirk wirbt für Projekte

Der Bezirk nutzte die Fahrt, um immer wieder auf Projekte in der sozialen oder verkehrlichen Infrastruktur zu verweisen, die anstehen oder notwendig wären. In der Wilhelmstadt führte die Fahrt an Schulen vorbei, die dringend saniert oder erst noch gebaut werden müssten – weil allein vier Grundschulzüge in dem Ortsteil fehlen.

Im südlichen Gatow gibt es zu wenige Kita-Plätze, ebenso im Falkenhagener Feld. Mit Fördermitteln sollen neue Einrichtungen entstehen oder zusätzliche Plätze geschaffen werden – auch dafür wurde bei der Fahrt geworben.

Schwerpunkt des Treffens aber, das sagte auch Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD), bildete die Verkehrsinfrastruktur. Im Bereich Schiene müsse man schnellstmöglich zu Entwicklungen kommen, so Kleebank. „Das ist auch als gemeinsames Ziel festgelegt worden.“ Wie groß der Bedarf ist, dass beim öffentlichen Nahverkehr etwas passiert, zeigte sich an vielen Stellen im Bezirk.

Großsiedlung nur per Bus angebunden

Da ist die Großsiedlung an der Heerstraße mit mehr als 20.000 Einwohnern, die nur durch einen Bus angebunden ist. Der Bezirk würde sich hier einen Ausbau der U-Bahn in Richtung der Siedlung wünschen. „Eine Verlängerung wäre aus unserer Sicht problemlos möglich“, sagte Kleebank.

In Richtung Süden geht das Verkehrsproblem weiter: Stadtein- und auswärts führt jeweils nur eine Spur nach Gatow und Kladow. Staut es sich – wie häufig im Berufsverkehr –, müssen auch Busse anstehen. „Die einzige Möglichkeit, den Bus attraktiver für die Menschen zu machen, wäre eine eigene Spur, auf der der Bus am Stau vorbeifährt“, so Kleebank.

Auch bei der Fahrt durch die Ortsteile Hakenfelde, Haselhorst und Siemensstadt hieß es immer wieder: Der Verkehr ist ein Thema. Verwiesen wurde dort auf einen breiten Grünstreifen, auf dem Platz für eine Straßenbahntrasse wäre.

Pepitahöfe brauchen mehr Parkplätze

Rund um das neue Quartier Pepitahöfe zeigte sich, dass für die vielen neuen Einwohner Parkplätze fehlen – weil viele doch immer noch auf das eigene Auto setzen. „Hier ist das Hauptthema, wie wir den ÖPNV verbessern und den Umstieg ermöglichen. Heute ist das leider noch nicht so“, sagte Stadtrat Bewig.

Auch er bestätigte aber: Es gebe Bewegungen auf Landesebene, was die Verkehrssituation in Spandau betreffe. In der Senatsverkehrsverwaltung sei verstanden worden, „dass wir etwas tun müssen“. Zunächst müssten nun gemeinschaftlich Übergangslösungen gefunden werden – sonst könnten die vielen Wohnungsbauprojekte nicht vorangetrieben werden.

Deutlich wurde bei der Fahrt aber auch: Spandau ist ein Bezirk in Bewegung, einer, der sich in den kommenden Jahren stark verändern wird. Man brauche, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bei einem Zwischenstopp in Hakenfelde, nicht mehr sehr viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie sich das Gebiet entwickeln werde. „Und das ist sehr gut.“

Kultur und Tourismus fördern

Auch im kulturellen und touristischen Bereich hat der Bezirk große Pläne, die am Dienstag den Senatsmitgliedern präsentiert wurden. Ein neues Kulturhaus mit einem Saal, der 500 Plätze bietet, würde man gerne bauen. Und der Gutspark Neukladow im Süden des Bezirks soll zum touristischen Anziehungspunkt werden.

„Spandau als alter Industriebezirk hat großes Potenzial“, sagte Müller nach Abschluss der Tour. Man habe noch einmal einen anderen Gesamteindruck bekommen – auch im Hinblick auf die Probleme, die das schnelle Wachstum mit sich bringe. Aber, so Müller, „es gibt in Spandau auch sehr viele Möglichkeiten“.