Spandau

So soll es in den Quartiersmanagement-Gebieten weitergehen

In Konzepten wird festgeschrieben, wo die Schwerpunkte für die kommenden drei Jahre liegen sollen. Die Entwürfe wurden nun präsentiert.

Das Wohngebiet in der Heerstraße-Nord.

Das Wohngebiet in der Heerstraße-Nord.

Foto: Reto Klar

Berlin.  Die Zahlen sind deutlich: Im Hinblick auf Arbeitslose, Bezieher von Transferleistungen und Kinderarmut liegen die Spandauer Quartiersmanagement-Gebiete Neustadt und Heerstraße Nord weit über dem Berliner Durchschnitt. Vor allem die Kinderarmutsquote in den beiden Quartieren ist dramatisch. In der Neustadt liegt sie bei knapp 60 Prozent, an der Heerstraße sogar bei mehr als 70 Prozent. Zum Vergleich: Der Wert für Berlin beträgt rund 30 Prozent.

Im Spandauer Stadtentwicklungsausschuss wurden kürzlich Statistiken zu den beiden Kiezen präsentiert, im Zusammenhang mit den sogenannten Integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzepten (IHEK), die von den Quartiersmanagern in den vergangenen Monaten erarbeitet wurden. In diesen werden Handlungsschwerpunkte und ein Leitbild für die Entwicklung der Quartiere festgeschrieben. Sie bilden die Grundlage für die Planung und Förderung von Projekten in den kommenden drei Jahren.

Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen und Jugendarbeit

In den Konzept-Entwürfen für die beiden Kieze zeigen sich durchaus ein paar Gemeinsamkeiten. In der Neustadt wie an der Heerstraße fehlen Kita-Plätze, es besteht Handlungsbedarf bei der Jugendarbeit und bei der Zusammenarbeit mit Eltern in den Quartieren, hieß es bei der Präsentation der Entwürfe.

Die Neustadt wird in die Quartiersmanagement-Kategorie 2 eingestuft, gilt als Gebiet, in dem es eine „mittlere Intervention“ geben soll. In dem Kiez, betonte der zuständige Mitarbeiter des Bezirksamts, werde ein Anstieg der Gewaltbereitschaft schon ab dem Kindesalter verzeichnet. Gebraucht werde ein neues Betreuungskonzept für die „Lücke-Kinder“ - also jene, die für den Spielplatz und Hort zu alt sind, aber zu jung für den Jugendtreff. Auch die lokalen Bildungseinrichtungen müssten enger zusammengebracht werden, heißt es.

Ein weiterer Schwerpunkt wird der Wirtschaft im Gebiet gewidmet. Hierzu heißt es im Konzept, dass eine Imageverbesserung angestrebt wird, außerdem eine Vernetzung der Betriebe im Kiez. Als weitere Punkte will man sich der Berufsorientierung von Jugendlichen widmen sowie dem Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Grünflächen in der Neustadt sollen aufgewertet werden

Auch die Gesundheit der Neustadt-Bewohner wollen die Quartiersmanager ins Blickfeld nehmen. Derzeit sehen sie, dass in Sachen gesunde Ernährung und psychischer Gesundheit noch Aufklärungsbedarf besteht. Weitere Punkte, die in Zukunft angegangen werden sollen: die Aufwertung der Grünflächen - besonders, was Sauberkeit und Sicherheit angeht - und die Stärkung der Ehrenamtlichen und der Einrichtungen im Quartier. Letzteres sei insbesondere wichtig für die Zeit, wenn es das Quartiersmanagement nicht mehr geben sollte.

Das Gebiet an der Heerstraße - eingestuft in der Kategorie 1, die eine „starke Intervention“ bedeutet - sehen die Quartiersmanager zusätzlichen Bedarf bei der Straßensozialarbeit, an Räumlichkeiten für Kinder und Jugendliche sowie bei Ausstattung und Personal in den Freizeiteinrichtungen.

Familien im Quartier will man künftig weiter stärken, dabei soll ein Fokus auf Alleinerziehende und Familien mit Kindern im Alter von unter drei Jahren liegen.

Quartiersmanager sehen mangelnde Qualität im öffentlichen Raum

Außerdem wird der öffentliche Raum im Gebiet thematisiert. Hier gibt es laut den Quartiersmanagern diverse Mängel, sowohl bei Grünanlagen als auch bei Spiel- und Sportflächen oder der Beleuchtung. Im Rahmen des Förderprogramms „Stadtumbau“ laufen derzeit und in Zukunft mehrere Projekte, die für eine Aufwertung sorgen sollen.

Unter anderem geht es dort um die Umgestaltung des Vorplatzes vom Staaken-Center und den Egelpfuhlpark, der zum Jonny-K.-Aktivpark werden soll. Außerdem will man die Wohnungsbaugesellschaften stärker in die Gestaltung und Pflege des Umfelds einbinden und sich der Suchtprävention widmen. Trinker im öffentlichen Raum, vor allem um die Obstallee, sind in dem Kiez immer wieder ein Thema.

Als weiteres Ziel wird die Verbesserung der Nachbarschaft genannt, in dem es Veranstaltungen und mehr Räume für Austausch und Integration geben soll, außerdem sogenannte Stadtteilmediatoren. Zudem wird festgestellt, dass Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen in dem Gebiet fehlen und auch bei den Integrationschancen von benachteiligten Menschen wird Handlungsbedarf gesehen. Hierbei wollen die Quartiersmanager ebenfalls auf die Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften und Inklusionsbetrieben setzen.

Senatsverwaltung nimmt Konzepte endgültig ab

Die beiden weiteren Quartiersmanagement-Gebiete in Spandau - das Falkenhagener Feld Ost und West - sollen ihre Konzepte im kommenden Monat vorstellen. Für die endgültige Abnahme der Konzepte ist dann die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zuständig.

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