Aktion in Spandau

Mit bunten Flecken gegen den Müll auf Spandaus Straßen

Die Aktion „Spandauer Flecken“ ist gestartet. Mit Kreidespray werden auf öffentlichen Flächen Kippen und anderer Müll markiert.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin.  Es dauert nicht lange, da ist der Platz gegenüber dem Spandauer Rathaus übersät von grünen, pinken und blauen Flecken. Dazwischen sind Menschen in weißen Anzügen unterwegs, mit der Aufschrift „Tatort Umwelt“. Sie markieren mit Kreidesprays den Müll - vor allem die zahlreichen Zigarettenstummel -, der achtlos auf den Boden geworfen wurde. Die Leute, sagt Schülerin Gina, die mit einer pinkfarbenen Spraydose über den Platz läuft, seien sich gar nicht bewusst, dass hier überall Müll liegt. Das soll sich durch die bunten Markierungen ändern.

Die Kampagne nennt sich #spandauerflecken und wird organisiert von der Klimawerkstatt Spandau, in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt. „Wir wollen nicht immer nur Müll wegräumen, sondern aufmerksam darauf machen“, sagt Bezirksstadtrat Frank Bewig (CDU). Deshalb habe man sich diese „provokante Aktion“ überlegt. Noch bis zum 16. Mai werden Gruppen in ihren Kiezen unterwegs sein, dort Müll markieren und Flyer zur Aktion verteilen. Das Ganze findet im Rahmen der europaweiten Initiative „Let’s clean up Europe“ statt.

Aktion #spandauerflecken führt zu kontroversen Diskussionen

Den Start haben am Mittwoch Schüler des Kant-Gymnasiums gemacht. „Letztes Jahr wurde an unserer Schule gesprüht“, erzählt Elftklässlerin Gina. Ihr Biologie-Lehrer habe die Aktion dann nochmal vorgestellt und eine Gruppe angemeldet, sie selbst habe sich über die Kampagne belesen - und sich schließlich angeschlossen. „Man kommt hier ja auch mit den Leuten ins Gespräch“, sagt sie.

Tatsächlich: Während die Schüler mit Sprühdosen unterwegs sind, bleiben immer wieder Menschen stehen, um zu fragen, was die Schüler auf dem Platz treiben. Die Reaktionen sind durchmischt. Während einige die Aktion loben, meinen andere, dass sich mit bunten Flecken nichts bewirken ließe. „Es gibt eine kontroverse Diskussion“, sagt Angelika Heckhausen, die die Aktion mitentwickelt hat und sich auch in der Organisation „Projekt Blue Sea“ engagiert. Entscheidend sei, dass die Leute darüber reden würden.

Finanziert wird die Aktion über das Programm „Sauberes Berlin“. 70 Kreidespraydosen wurden zunächst bestellt, wegen der großen Resonanz habe man die Zahl auf 90 aufgestockt. „Es haben sich mehr Gruppen angemeldet, als wir erwartet haben“. sagt Cornelia Niemeitz, die im Bezirk die Leitstelle für Nachhaltigkeit und Klimaschutz leitet. Dank ihnen sollen in den kommenden Tagen in ganz Spandau bunte Flecken auf den Plätzen und entlang der Straßen entstehen.

Schwerpunkt der Kampagne liegt auf achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln

Im Fokus der Aktion, die erstmals 2018 stattfand, stehen dieses Jahr Zigarettenkippen. „Die sind auch ein echtes Umweltproblem“, sagt Niemeitz. Laut Umwelt-Experten soll ein einziger weggeworfener Zigarettenstummel rund 40 Liter Grundwasser verseuchen. „Außerdem bestehen die Filter aus Plastik und verrotten extrem langsam“, erklärt Niemeitz. Das Bewusstsein aber, dass es sich bei den Stummeln um Müll handele, sei bei den Menschen nur sehr gering ausgeprägt.

Die #spandauerflecken sind dabei nur eine Aktion, die Klimawerkstatt und Bezirksamt in Spandau organisieren. Zuletzt gab es bereits mehrere Kampagnen, um die Nutzung von Mehrwegbechern - und verpackungen zu fördern. Auch in diesem Jahr, kündigt Niemeitz an, sollen noch weitere Aktionen folgen.

Das Kreidespray, das zum Aufsprühen der Flecken benutzt wird, sei derweil biologisch abbaubar, wird von allen betont. Es werde auch für andere Markierungen, etwa beim Straßenbau oder in Forsten, genutzt. In zehn bis 14 Tagen soll es wieder verschwunden sein. Ob es einen nachhaltigen Effekt auf die Menge an weggeworfenem Müll hat, wird sich zeigen.

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