Berlin-Spandau

Spandaus alte Geschützgießerei wird wiederbelebt

Die denkmalgeschützten Werkhallen am Stresowufer standen lange leer. Nun sollen dort unter anderem ein Café und Büros entstehen.

Die alte Geschützgießerei am Zusammenfluss von Havel und Spree in Spandau steht seit Jahren leer. Nun soll das Gebäude neue Funktionen erhalten.

Die alte Geschützgießerei am Zusammenfluss von Havel und Spree in Spandau steht seit Jahren leer. Nun soll das Gebäude neue Funktionen erhalten.

Foto: Max Kißler

Spandau.  Die Lage könnte kaum besser sein: Direkt am Zusammenfluss von Havel und Spree, mit Blick auf die Spandauer Altstadt, befindet sich die ehemalige Geschützgießerei – oder zumindest das, was davon übrig geblieben ist. Zwei große, historische Hallen stehen noch auf dem Gelände am Stresowufer, inzwischen sind sie allerdings seit Jahren ungenutzt. Doch nun soll etwas passieren: Anfang vergangenen Jahres hat das Kölner Immobilienunternehmen Bauwens das Areal mit den Fabrikhallen gekauft und seitdem einen Plan entwickelt, was damit passieren soll – angedacht sind ein Café, Büros und eine Tiefgarage mit rund 20 Plätzen.

Klar ist: Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude sollen und müssen in ihrer ursprünglichen Substanz weitestgehend erhalten bleiben. So bleibt auch die lange Geschichte sichtbar, die das Areal hat. 1838 wurde die Verlegung der Königlichen Geschützgießerei von Berlin zur Spreemündung an der Spandauer Vorstadt Stresow beschlossen, heißt es auf der Internetseite der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. 1855 fand der erste Geschützguss statt. In den folgenden Jahren wurden weitere Gebäude gebaut, darunter Artilleriewerkstätten und ab 1871 eine Bohrwerkstatt – die Halle im Stil der Berliner Schinkelarchitektur ist eines der zwei bis heute erhaltenen Gebäude.

Geschützgießerei war später Getreidelager

Bis zum ersten Weltkrieg wurde das Areal immer wieder umgebaut und erweitert, es entstand ein riesiges Gelände mit Rüstungsbetrieben. Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges stammt auch das zweite noch stehende Gebäude: eine Werkhalle. Später spielte das Areal eine wichtige Rolle als Getreidelager für die Berliner Senatsreserven, mit dem Fall der Mauer ging jedoch auch diese Funktion verloren.

Die Markierungen aber, bis zu welcher Höhe das Getreide einst gelagert wurde, sind heute noch an Pfählen im Inneren der alten Bohrwerkstatt zu erkennen. Über die Jahre sind allerdings auch zahlreiche Graffitis hinzugekommen, sowohl an den Außenwänden, als auch in den Hallen. Immer wieder, berichtet einer der Kölner Investoren, würden Menschen in das verriegelte Gelände und die verschlossenen Hallen eindringen. Die Hallen sind in den vergangenen Jahren sichtbar verfallen. Fenster sind zerstört, im Boden sind Löcher, das Dach ist undicht. Dennoch habe man das Potential des Areals gesehen, so der Investor.

Die großen Hallen sind für Wohnungen nicht geeignet

Die derzeitigen Pläne sehen vor, das Gelände zu einem Campus mit Büros zu entwickeln. Die großen Hallen - die L-förmige Bohrwerkstatt ist etwa 110 Meter lang und 24 Meter breit - bieten viel Platz, seien aber durch die Maße für Wohnungen nicht geeignet. Auch die angrenzende Industrie sprach gegen Wohnungen. Stattdessen soll es auf bis zu fünf Etagen also große Bürolofts geben.

Café mit großer Glasfront Richtung Ufer geplant

Bei der Gestaltung der Hallen will man stärker zur ursprünglichen Architektur zurückkehren. Die eigentlich großen Fenster, die für die Nutzung als Getreidelager zugemauert wurden, wollen die Investoren wieder herstellen. In der ehemaligen Bohrwerkstatt ist geplant, ein Atrium zu schaffen, ähnlich, wie es dieses früher einmal gab. Bei den Dächern der Hallen orientiert man sich ebenfalls am ursprünglichen Aussehen, dort sollen künftig große Teile wieder aus Glas bestehen.

Das Café ist mit großer Glasfront in Richtung Ufer geplant und soll eine Ebene unter den Hallen liegen - und vor allem für die Belebung und Öffnung des Campus nach außen sorgen. Eine Galerie könnte nach Vorstellung der Investoren dort ebenfalls integriert werden, außerdem wären weitere Kulturangebote oder Veranstaltungen möglich. Um die Hallen sehen die Pläne befestigte Wege, aber auch Grün- und Erholungsflächen vor.

Als zusätzliches Gastronomieangebot soll ein Restaurantschiff kommen

„Ich denke, das wird ein attraktiver Standort für Büros werden“, sagt Spandaus Stadtentwicklungsstadtrat Frank Bewig (CDU). Das Ziel des Bezirks sei es, das Stresowufer zu beleben, deshalb plane man auch einen öffentlichen Uferweg und zusätzliche Gastronomieangebote, erklärt Bewig. Dem Bezirk sei es daher wichtig gewesen, das Gelände der alten Geschützgießerei öffentlich zugänglich zu machen. Mit dem geplanten Café würde ein Ort für Menschen entstehen, die nicht in den Hallen arbeiten.

Nur wenige Meter von der Geschützgießerei entfernt soll sich ebenfalls etwas tun: Auf Höhe des Stresowparks will der Bezirk ein Restaurantschiff etablieren, um Spandaus Wasserlage besser zu nutzen und dort zusätzliche Freizeitangebote zu schaffen. „Die Verhandlungen mit dem Wasserstraßen-Neubauamt (WNA) Berlin für den Abschluss einer notwendigen Vereinbarung schreiten voran“, sagt Patrick Sellerie, Leiter der Spandauer Wirtschaftsförderung. Das WNA unterstütze die Idee, die Zusammenarbeit funktioniere gut.

Nach Bürgerbeteiligung sollen Ende 2020 der Bebauungsplan stehen

Vom Bezirksamt Spandau gebe es bereits grünes Licht dafür, eine Parkbucht zu errichten, die einerseits für einen Sportbootanleger dienen soll, aber auch die Einrichtung eines Restaurantschiffs ermöglichen würde. Die dafür notwendigen Bauarbeiten sollen im Rahmen des geplanten Ausbaus von Spree und Havel stattfinden, der an dieser Stelle wohl nicht vor Ende 2020 beginnen wird. Das Schiff könnte demnach frühestens Ende 2021 anlegen.

Auch bis zum Beginn der Bauarbeiten an der Geschützgießerei wird es noch dauern. Im nächsten Schritt steht eine Öffentlichkeitsbeteiligung an, bei der Bürger Kritik und Hinweise einbringen können; in Stein gemeißelt sind die Pläne noch nicht. Ende 2020, so die Hoffnung der Investoren, soll dann der Bebauungsplan festgesetzt werden.

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