Spandau und Lichtenberg

Geld für Sanierung von Berliner Jugendtreffs gefordert

Spandau und Lichtenberg beschließen einen Antrag für ein Sanierungsprogramm für Jugendfreizeiteinrichtungen.

Die Jugendfreizeiteinrichtung Räcknitzer Steig in Staaken kämpft seit Jahren mit Wasserschäden. Nächstes Jahr soll Baustart für einen Neubau sein.

Die Jugendfreizeiteinrichtung Räcknitzer Steig in Staaken kämpft seit Jahren mit Wasserschäden. Nächstes Jahr soll Baustart für einen Neubau sein.

Foto: Jessica Hanack

Berlin. In Berlin soll ein Landessanierungsprogramm für Jugendfreizeiteinrichtungen (JFE) erarbeitet werden - dafür haben sich Spandauer und Lichtenberger Bezirksverordnete ausgesprochen. In beiden Jugendhilfeausschüssen wurde kürzlich ein entsprechender Antrag beschlossen, wonach sich die Bezirksämter bei der Senatsverwaltung für Jugend für ein solches Programm einsetzen sollen.

„Es gibt landesweite Programme für Schulen, Sporthallen, Kitas und Spielplätze. Jugendfreizeiteinrichtungen hingegen werden bisher nicht berücksichtigt“, heißt es darin zur Begründung. Der Sanierungsbedarf bei den Treffpunkten für Kinder und Jugendliche sei jedoch groß.

Anstoß für Antrag gaben Jugendliche aus Lichtenberg

Den Anstoß für den Lichtenberger Antrag habe die Jugend-BVV im Bezirk gegeben, bei der die jungen Teilnehmer das Thema selbst auf die Tagesordnung setzten. „Die Jugendlichen haben die zum Teil katastrophalen Zustände bemängelt“, erzählt die Vorsitzende des Lichtenberger Jugendhilfeausschusses Claudia Engelmann (Linke).

Im Bezirk läuft derzeit auch eine Abfrage bei Trägern von Jugendklubs in bezirkseigenen Gebäuden, um den dortigen Sanierungsbedarf zu erfassen - und der ist durch aus da: In den ersten Rückmeldungen hätten die Träger Summen zwischen 3500 und 110.000 Euro angegeben, heißt es im Protokoll des Ausschusses. Weil manche noch zusätzliche Zeit benötigen, lag ein vollständiges Ergebnis zuletzt noch nicht vor.

Zustände von Jugendtreffs sind berlinweites Thema

Allerdings sei der schlechte Zustand der Einrichtungen nicht nur ein Lichtenberger Problem. Der Antrag, findet Engelmann, sollte deshalb nicht nur dort behandelt werden. „Da es in den Bezirkshaushalten kein Geld gibt und alle Bezirke da Bedarf haben, habe ich diesen in alle Jugendhilfeausschüsse gegeben mit der Bitte, diesen auch zu beschließen“, sagt Engelmann.

In Spandau hat der Ausschuss das nun mit einem fast wortgleichen Antrag getan. „An die Jugendfreizeiteinrichtungen denkt keiner“, sagt der Ausschussvorsitzende Oliver Gellert (Grüne). Dabei seien viele Gebäude alt und müssten saniert werden. Zwar baue der Bezirk zurzeit manche Einrichtungen neu, „aber wir brauchen auch Geld, um die Bestandsgebäude zu erhalten.“

Das sei umso wichtiger, weil in Spandau Tausende neue Wohnungen gebaut werden, und die Jugendfreizeiteinrichtungen schon jetzt weniger Plätze bieten, als eigentlich gefordert werden. Pro 100 Einwohner sieht ein Richtwert 11,4 JFE-Plätze vor. Tatsächlich sind es in Spandau laut Sozialem Infrastrukturkonzept aber nur 4,7. Das heißt: Eigentlich müsste der Bezirk mehr als doppelt so viele Plätze in Jugendfreizeiteinrichtungen haben.

Spandauer Jugendstadtrat unterstützt Forderung nach Sanierungsprogramm

Unterstützung bekommen die Bezirksverordneten von Spandaus Jugendstadtrat „Ein Landessanierungsprogramm für die Jugendfreizeiteinrichtungen ist wichtig, um für die weiter auszubauende Jugendarbeit auch gute Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt Stephan Machulik (SPD). „Spandau hat viele Gebäude zu unterhalten, so dass eine grundlegende Sanierung der vielen Einrichtungen nicht in naher Zukunft zu schaffen ist.“

Bei allen Besichtigungen von Freizeiteinrichtungen würden bauliche Mängel deutlich. „Von Attraktivität möchte ich schon gar nicht sprechen“, so Machulik. „Hier könnte Berlin gerade zum Start des Jugendfördergesetzes auch ein wichtiges Zeichen setzen.“

Lichtenberger Politikerin hofft auf Beschlüsse aus weiteren Bezirken

Mit dem neuen Gesetz will der Senat die Angebote der Jugendarbeit in Berlin ausweiten. Erstmals wird die Landesregierung den Bezirken dabei vorschreiben, wie viele Jugendklubs, Kinder- und Jugendreisen, Abenteuerspielplätze, Kinderbauernhöfe, Festivals, Kinderparlamente oder Rockmobile es geben soll. Um die zusätzlichen Angebote zu finanzieren, soll das berlinweite Budget von bisher 85 Millionen Euro auf 110 Millionen pro Jahr aufgestockt werden.

Die Lichtenbergerin Engelmann zeigte sich derweil zufrieden, dass der Antrag, wonach das vom Land gesteuerte Sanierungsprogramm in den Haushalt 2020/21 aufgenommen werden soll, auch in Spandau unterstützt wird. Endgültig beschließen kann die dortige Bezirksverordnetenversammlung den Antrag in ihrer Sitzung am Mittwochabend. Sie hoffe, so Engelmann, dass sich nach Spandau und Lichtenberg auch weitere Bezirke für das Landessanierungsprogramm einsetzen werden.

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