Nahverkehrsplan Berlin

So soll in Spandau der Nahverkehr ausgebaut werden

Straßenbahn, Siemensbahn, U-Bahn-Verlängerung, Verbindungen ins Umland - mit diesen Ideen will der Senat die Verkehrslage verbessern.

Die mögliche U-Bahn-Verlängerung zur Heerstraße Nord soll mit einer Machbarkeitsstudie untersucht werden.

Die mögliche U-Bahn-Verlängerung zur Heerstraße Nord soll mit einer Machbarkeitsstudie untersucht werden.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Der neue Nahverkehrsplan steht: In der vergangenen Woche wurde er vom Senat beschlossen. In dem Plan für die Jahre 2019 bis 2023, einschließlich einer Bedarfsplanung bis zum Jahr 2035, legt das Land Berlin fest, welches ÖPNV-Angebot künftig erforderlich ist. Auch Spandaus Nahverkehr spielt darin eine große Rolle - und soll über Busse hinaus entwickelt werden.

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) sagte kürzlich, über Spandau müssten die Planer in den nächsten Jahren verschärft nachdenken. Denn insbesondere das sogenannte Entwicklungsband West mit seinen Neubauprojekten auf der Insel Gartenfeld und in der Wasserstadt sowie dem geplanten Siemenscampus „stellt für Berlin eine der zentralen städtebaulichen und verkehrlichen Herausforderungen in den nächsten Jahre dar“, heißt es im Nahverkehrsplan. Entsprechend muss reagiert werden.

Machbarkeitsstudie zur U-Bahn-Verlängerung geplant

Dazu sind die Reaktivierung der Siemensbahn und der Aufbau einer Straßenbahnlinie vorgesehen. Auch ins Falkenhagener Feld soll eine Straßenbahn fahren, beim Kiez Heerstraße Nord ist derzeit noch offen, ob dieser per Straßenbahn oder U-Bahn-Verlängerung angebunden werden soll. Eine Machbarkeitsstudie für die Strecke Rathaus Spandau - Heerstraße Nord werde in diesem Jahr beauftragt, heißt es in dem Plan.

Allerdings: Umgesetzt wird davon wohl nichts während der Laufzeit des Plans. Als erstes realisiert werden soll laut Nahverkehrsplan die Siemensbahn, die im Zehn-Minuten-Takt zwischen Gartenfeld und Jungfernheide und weiter bis zum Hauptbahnhof fahren soll. Die Reaktivierung ist planmäßig zum Jahr 2025 vorgesehen, die Kosten sind jedoch noch offen.

Erste Straßenbahnen in Spandau könnten 2029 fahren

Für die Straßenbahnlinie zwischen Paulsternstraße, Gartenfeld und dem Rathaus Spandau ist eine Inbetriebnahme für 2029 geplant - also vier Jahre nach dem zumindest in der Wasserstadt bereits alle 2500 Wohnungen fertig sind. Die Kosten für die rund acht Kilometer lange Strecke werden mit 120 Millionen Euro beziffert, fahren soll die Bahn alle fünf Minuten.

2029 könnte auch die Straßenbahn zur Heerstraße Nord realisiert werden, sofern man sich nicht doch für eine Verlängerung der U7 entscheidet. Ein Datum für deren Umsetzung ist offen. Der Kostenunterschied ist dabei deutlich: 70 Millionen Euro werden für eine Straßenbahn eingeplant, 450 Millionen könnte der U-Bahn-Ausbau kosten. Letzterer wurde in der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung bereits in mehreren beschlossenen Anträgen gefordert.

Noch länger wird es wohl dauern, bis eine Straßenbahn vom Rathaus Spandau ins Falkenhagener Feld fährt. Hier ist die Inbetriebnahme für das Jahr 2035 geplant. Die geschätzten Kosten liegen bei 65 Millionen Euro. Durch die Neubaustrecke, liest man, „kann eine vollständige Umstellung der stark belasteten Buslinien M37, 137 und 337 auf Straßenbahnbetrieb erfolgen“. Davon verspricht man sich auch eine höhere Zuverlässigkeit im öffentlichen Nahverkehr. Auch für das Falkenhagener Feld hatten die Spandauer CDU wie SPD bereits einen U-Bahn-Ausbau statt der Straßenbahn gefordert.

Spandauer Süden wird nicht erwähnt

Durch die neuen Straßenbahnstrecken wird zudem auch ein neuer Betriebsbahnhof nötig. Dieser soll zwischen 2026 und 2030 im westlichen Teil des Flughafengeländes Tegel entstehen. Abstellmöglichkeiten für 100 Straßenbahnen will das Land dort realisieren. Kostenpunkt: 240 Millionen Euro.

Der Spandauer Süden mit Kladow und Gatow wird im Hinblick auf einen Ausbau des ÖPNV im Nahverkehrsplan nicht erwähnt. Er könnte nur durch eine Ausweitung der Verbindungen ins Umland, in Richtung Potsdam profitieren. So heißt es in dem Plan, bei der Verbindung zwischen Spandau und Potsdam bestehe aus Berliner Sicht „noch Handlungsbedarf“. Während der Laufzeit des Nahverkehrsplans soll hier ein dichterer Takt erreicht werden, außerdem hält Berlin eine Expressbuslinie von Spandau nach Potsdam für eine Option. Zuständig für die Angebotsplanung der Buslinien im Stadt-Umland-Verkehr ist jedoch der Verkehrsbund Berlin Brandenburg (VBB).

S-Bahn-Ausbau nach Albrechtshof und zur Falkenseer Chaussee angestrebt

In Richtung Falkensee möchte Berlin ebenfalls mehr Busse fahren lassen. Seit Herbst 2018 werde hier unter anderem mit dem Landkreis Havelland untersucht, inwieweit ein 10-Minuten-Takt möglich ist. Daneben wird eine Umwandlung der Linien 337 und 671 in Expressbuslinien geprüft.

Für die Jahre 2031 bis 2035 wird die Verlängerung der S-Bahn-Strecke angestrebt, zum einen zum Bahnhof Albrechtshof (Kosten: 70 Millionen Euro), zum anderen zur Falkenseer Chaussee (Kosten: 65 Millionen Euro). In diesem Zuge müsste an der Falkenseer Chaussee auch ein neuer Bahnhof entstehen. Dieser sei teilweise vom Wohngebiet im Falkenhagener Feld fußläufig zu erreichen und schließe außerdem an die dort fahrenden Buslinien an, heißt es.

Für denselben Zeitraum ist auch der Ausbau des Bahnhofs Spandau eingeplant. Für 30 Millionen Euro soll unter anderem ein zusätzlicher Bahnsteig entstehen.

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