Pilotprojekt

Wie Sozialarbeiter in Spandauer Kitas Eltern helfen

Sabine Clausen und Andrea Wobker-Howen kümmern sich im Brennpunkt-Kiez Heerstraße-Nord um die Eltern von mehr als 400 Kita-Kindern.

Sabine Clausen (l.) und Andrea Wobker-Howen arbeiten in einem Pilotprojekt seit 2016 als Kita-Sozialarbeiterinnen im Quartiersmanagement-Gebiet Heerstraße-Nord. 

Sabine Clausen (l.) und Andrea Wobker-Howen arbeiten in einem Pilotprojekt seit 2016 als Kita-Sozialarbeiterinnen im Quartiersmanagement-Gebiet Heerstraße-Nord. 

Foto: Jessica Hanack / BM

Berlin.  Sabine Clausen und Andrea Wobker-Howen arbeiten in Spandauer Kitas und trotzdem stehen bei ihnen nicht die Kinder im Mittelpunkt. Stattdessen geht es den beiden vor allem um deren Eltern. Clausen und Wobker-Howen sind Sozialpädagoginnen und betreuen das Pilotprojekt „Kita-Sozialarbeit“, das 2016 im Quartiersmanagement-Gebiet Heerstraße-Nord gestartet ist.

Bei dem Projekt geht es darum, frühzeitig präventiv zu wirken und Eltern bei Problemen oder Erziehungsfragen zu unterstützen. Eigentlich sollte das Projekt, finanziert über Mittel aus dem Programm „Soziale Stadt“, bis Ende 2018 laufen. Wegen seines Erfolgs - die Kita-Sozialarbeit wurde in der Zeit extern evaluiert - wurde es aber noch einmal um zwei Jahre verlängert.

Erzieher sollen sozialpädagogische Unterstützung bekommen

Der Kiez Heerstraße-Nord gilt als sozialer Brennpunkt. Fast jeder Zweite bezieht Transferleistungen vom Staat. Die Kinderarmutsquote liegt bei 72,3 Prozent, knapp drei Viertel der Kinder sind demnach von Armut betroffen. Jeder Zweite in dem Gebiet hat einen Migrationshintergrund. Das führt dazu, dass viele Bewohner einen höheren Förder- und Beratungsbedarf haben.

„Kitas haben berichtet, dass die Erzieher, die ja für die Arbeit mit Kindern ausgebildet sind, zunehmend mit Eltern und deren Problemen zu tun haben“, berichtet Christian Porst, Quartiersmanager an der Heerstraße-Nord. Fachlich wie zeitlich sei es für die Erzieher aber kaum leistbar, sich den Problemen anzunehmen. Nach Diskussionen im Quartiersrat wurde daher in einer Arbeitsgruppe das Konzept der Kita-Sozialarbeit entwickelt, bei der die Erzieher durch Fachkräfte mit sozialpädagogischer Kompetenz unterstützt werden sollen.

Diese Aufgabe übernehmen Wobker-Howen und ihre Kollegin Clausen vom Evangelischen Kirchenkreis. Zu zweit betreuen sie vier Kitas von unterschiedlichen Trägern, erreichen damit potenziell die Eltern von 470 Kindern. Die Sozialarbeiterinnen organisieren Veranstaltungen wie Familienkochen oder Elterncafés und stehen an den Kitas zu den Zeiten bereit, wenn Eltern ihr Kinder bringen oder abholen. „Die Eltern kommen dann oft mit dem Satz: Ich habe da mal eine Frage“, erzählt Clausen. Häufig komme dann aber noch ein ganzer Rattenschwanz an Fragen, Problemen oder Sorgen hinterher.

Sozialarbeiterinnen helfen bei Problemen mit Vermietern oder Ämtern

Die Themen, die besprochen werden, sind verschieden: Mal gehe es um einen Bescheid, den die Eltern erhalten und nicht verstanden haben, mal um ein Problem mit dem Vermieter, mal um einen Besuch im Amt, vor dem sich die Menschen scheuen. Die Sozialarbeiterinnen bieten dann etwa an, bei einem wichtigen Anruf zur Unterstützung neben den Eltern zu stehen, sie zum Amt zu begleiten oder weiterzuvermitteln. „Aber es ist alles freiwillig“, betont Clausen.

Beratungen dauern so manchmal wenige Minuten, in anderen Fällen auch über eine Stunde. Daneben wollen die beiden auch die Eltern im Stadtteil vernetzen. „Es gibt ein großes Bildungsangebot, aber das ist vielen nicht bekannt“, sagt die 56-Jährige. „Man muss die Eltern ein bisschen an die Hand nehmen, und es ihnen zeigen. Dann gehen sie beim nächsten Mal auch alleine hin.“

Kita-Sozialarbeit sorgt für Entspannung

Eine gewisse Anlaufphase hat die Kita-Sozialarbeit gebraucht. Die Ergebnisse des Projekts nach Ende der gut zweijährigen Pilotphase seien aber positiv - das habe auch die externe Evaluation bestätigt, betonen die Sozialarbeiterinnen. „Die Erzieher merken eine Veränderung in der Familienstruktur“, sagt Wobker-Howen. „Wenn der Druck bei den Eltern raus ist, werden auch die Kinder entspannter.“ Auch von Eltern gebe es die Rückmeldung, dass die Kita-Sozialarbeit eine große Hilfe sei. „Sie können lockerer mit ihren Kindern umgehen und merken, anderen geht es auch wie ihnen.“

Katja Pose, Leiterin der Kita StaakenBär, hat das Projekt ebenfalls überzeugt. „Wenn ich die Eltern bitte, zu mir ins Büro zu kommen, denken sie gleich, es gibt ein Problem“, sagt sie. „Bei den Sozialarbeiterinnen ist das etwas anderes. Da wissen die Eltern, sie können einfach reden und öffnen sich so Stück für Stück.“ Gleichzeitig hätten die Erzieher einen neuen Ansprechpartner, wenn sie unsicher sind, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen.

Projekt soll verstetigt und ausgedehnt werden

Ziel der Sozialarbeiterinnen ist es, für die Kita-Sozialarbeit eine Regelfinanzierung zu bekommen, ähnlich wie es bei der Schulsozialarbeit der Fall ist. Eine AG soll sich um die Verstetigung des Projekts kümmern. Zudem sei man im Gespräch mit Politikern, sagt Wobker-Howen. Weil das Interesse an einer Kita-Sozialarbeit groß sei, auch bei Trägern außerhalb des Kiezes Heerstraße Nord, wird an einer Ausdehnung des Projekts gearbeitet - wenigstens auf andere Kitas in sozialen Brennpunkten.

Mehr über den Bezirk Spandau lesen Sie hier.