Berlin-Wilhelmstadt

Umbau der Pichelsdorfer Straße sorgt für Frust

In der Spandauer Wilhelmstadt sind Anwohner verärgert, dass Bauarbeiten nach jahrelangen Planungen erst deutlich später starten.

Der Umbau der Pichelsdorfer Straße in Spandau verzögert sich.

Der Umbau der Pichelsdorfer Straße in Spandau verzögert sich.

Foto: Helga Labenski

Berlin.  In der Wilhelmstadt herrscht Frust: Nach jahrelangen Planungen sollte der Umbau der Pichelsdorfer Straße in Spandau eigentlich in diesem Jahr beginnen. Doch die Arbeiten verzögern sich – wohl durch ein Missverständnis zwischen Bezirk und Berliner Wasserbetrieben (BWB). Auch in der nahen Götelstraße findet die Umgestaltung später statt als geplant.

Grund für die Verzögerungen ist, dass in der Pichelsdorfer Straße zunächst noch Leitungen erneuert und Kanäle saniert werden sollen. Diese Arbeiten werden wohl erst im Juni 2020 beginnen und planmäßig im Januar 2021 abgeschlossen sein. Frühestens im kommenden Sommer können damit auch die Umbauarbeiten beginnen, durch die die Einkaufsstraße attraktiver und für Fußgänger sicherer werden soll.

Der zuständige Baustadtrat Frank Bewig (CDU) erklärte nun, man habe bei den jährlich stattfindenden Abstimmungsgesprächen mit den BWB bereits 2015 und 2016 über das Bauvorhaben Pichelsdorfer Straße gesprochen. Zudem sei im März 2016 eine Leitungsanfrage mit den entsprechenden - vorläufigen – Planunterlagen an die Wasserbetriebe gestellt worden, so Bewig. Eine Antwort habe wenige Tage später vorgelegen.

Wasserbetriebe weisen Schuld an Verzögerungen von sich

Mit den vorbereitenden Planungen für die Erneuerung von mehr als 1700 Metern Trinkwasserleitungen wurde dagegen erst im vergangenen Jahr gestartet. Die BWB weisen aber die Schuld, zu spät mit den Vorbereitungen begonnen zu haben, von sich: „Werden wir für Leitungsauskünfte angefragt, dann gibt es dazu stets ein Begleitschreiben, in dem steht, dass eine solche Auskunft für uns keinen Planungsstart begründet“, teilt Stephan Natz, Sprecher der BWB auf Nachfrage der Morgenpost mit.

Zwei Voraussetzungen für Planungsbeginn

Der Grund liege darin, dass auf solche Auskünfte häufig keine oder erst viel spätere Maßnahmen folgen würden. Auch mündliche Absprachen lösen bei den BWB keine Planungen aus, sagt Natz. Stattdessen gebe es zwei konkrete Voraussetzungen für einen Planungsbeginn: „Entweder wir bekommen einen Straßenbauentwurf in der Qualität ,Ausführungsplanung’ oder uns wird schriftlich erklärt, dass wir mit der Planung beginnen können.“ Den Bezirken sei das bekannt.

Für die Götelstraße hätten laut Natz die Planungen im Februar 2018 begonnen, im März 2020 soll es dort losgehen. In der Straße stehen Arbeiten an Regen- und Schmutzwasserkanälen an, insgesamt gut 500 Meter Kanäle werden laut BWB erneuert. Heißt auch: Mit dem geplanten Umbau der Straße kann ebenfalls frühestens im kommenden Jahr begonnen werden. Auch hier sollten die Arbeiten eigentlich bereits beginnen.

Engagierte Anwohner aus der Wilhelmstadt sind enttäuscht

Für Frust sorgen die Verzögerungen besonders bei den Bewohnern der Wilhelmstadt. „Wir als langjährige ehrenamtlich Engagierte in der Stadtteilvertretung Wilhelmstadt (STV) nehmen Versäumnisse durch städtische Institutionen teilweise nur noch resignierend zur Kenntnis“, sagt Emilio Paolini, Sprecher der STV.

Als vor kurzem eine Arbeitsgemeinschaft tagte, seien aber auch einige neue Anwohner anwesend gewesen, die empört reagierten. „Die Debatte entwickelte sich so weit, bis letztlich sogar die Sinnfrage einer STV als Gremium der Bürgerbeteiligung gestellt wurde“, so Paolini. „Eine Frage, die sich altgediente STV Mitglieder über die Jahre auch immer wieder mal selbst gestellt haben.“

Schlechter Informationsfluss

Enttäuscht seien sie vor allem davon, dass ein anscheinend schlechter Informationsfluss immer wieder ihr Engagement behindere. Oder zu Verzögerungen führt, wie im Fall der Arbeiten an den beiden Straßen.

Das Bezirksamt will nun, in Gesprächen mit den Wasserbetrieben, versuchen, den Prozess zu beschleunigen. Da für dieses Jahr aber bereits Fördergeld bereit steht, soll dieses nun anderweitig verwendet werden, um nicht zu verfallen - etwa, in dem ein dauerhaftes Provisorium zur Abhängung der angrenzenden Weißenburger Straße errichtet wird. Dies kann zum Beispiel durch Bordsteine oder Poller geschehen.

Laut Bezirksamt hatte sich eine große Mehrheit der Anwohner und Geschäftsinhaber für die dauerhafte Abhängung ausgesprochen.

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