Zitadelle Spandau

Umfeld wird für mehrere Millionen Euro umgebaut

Bei einer Planungswerkstatt wurden die Ideen mit interessierten Spandauern diskutiert. Kritik gibt es an geplanten Baumfällungen.

Das Umfeld der Zitadelle wird in den kommenden Jahren neu gestaltet.

Das Umfeld der Zitadelle wird in den kommenden Jahren neu gestaltet.

Foto: Krauthöfer

Die Zitadelle von Weitem sichtbarer machen, den Bastionsweg ausbauen, Aussichtspunkte schaffen - das sind Ideen, um das Umfeld des historischen Bauwerks in Spandau aufzuwerten. Die Planungen für die Umgestaltung laufen seit Jahren, bis zum September dieses Jahres sollen sie nun abgeschlossen sein.

Ab dem kommenden, spätestens übernächsten Jahr soll dann die Umsetzung des Entwurfs beginnen. Laut Bezirksamt werden insgesamt mehrere Millionen Euro an Fördermitteln aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ in das Projekt fließen. „Seit Jahren gibt es viel Bewegung auf der Zitadelle“, sagte Spandaus Baustadtrat Frank Bewig (CDU). „Wir wollen nun das Umfeld dazu gestalten.“ Die bisherigen Ideen wurden kürzlich bei einer Ideenwerkstatt mit Interessierten vorgestellt und diskutiert.

Grundlage für die Umgestaltung bildet das Freiraum- und Entwicklungskonzept, das bereits 2016 erstellt wurde. Konkretisiert wird dieses nun von Architekten des Planungsbüros „hoch c“. Zunächst musste dabei eine Auswahl von Flächen getroffen werden, die bei der Umgestaltung als erste angegangen werden sollen. Denn, erklärte Projektleiter Frank Riebesell „hoch c“ bei der Ideenwerkstatt, für sämtliche Pläne des Konzepts reichen die Fördermittel nach derzeitigem Stand nicht aus.

Bereich der Tennisplätze im Norden soll renaturiert werden

Konkret sehen die weiteren Pläne vor, den Bastionsweg im südlichen und östlichen Teil als Asphaltweg auszubauen. Um diesen sind sogenannte Aktivitätsfelder geplant, die Besuchern zusätzliche Angebote bieten. Zu den Ideen zählen ein Barfußweg und, eine Station, die Natur erlebbar macht - etwa, in dem sie es ermöglicht die Rufe von Fledermäusen zu hören. Außerdem soll es Ruheorte mit Sitzbänken geben. Entlang des Zitadellenwegs sind Aussichtsbalkone vorgesehen.

Die Tennisplätze, die sich im Moment im Norden des Glacis befinden, sollen verschwinden, der Bereich mit Blick auf den Spandauer See soll renaturiert werden. Für den Natur- und Artenschutz, berichtete Riebesell außerdem, wolle man im Süden ein naturnaher Parkwald entwickeln, bei dem Rasenflächen zu Wiesen mit größerer Pflanzenvielfalt werden. Dennoch werden, zumindest wenn es nach den bisherigen Planungen geht, nicht alle Bäume erhalten bleiben. „Wir denken, es sollte weitere Fällungen geben“, sagte Riebesell. Dadurch würde man schon von der Straße aus einen Blick auf das historische Bauwerk haben. Auch Wälle sollen freigestellt und so sichtbarer werden.

Bürgerinitiative kämpft gegen Baumfällungen

Die Pläne treffen jedoch auch auf Kritiker: Schon 2017 gründete sich die Bürgerinitiative „BI Zitadelle Spandau“, die sich vor allem für den Erhalt der Bäume und Sträucher engagiert. Tatsächlich schützen konnte sie diese - bislang - aber nicht. Denn Ende 2017 wurde bereits mit den ersten Fällungen begonnen. Insgesamt war geplant, im Umfeld der Festungsanlage rund 30 Bäume und 100 weitere Gehölze zu fällen.

Aufgegeben hat die Bürgerinitiative aber noch nicht - insbesondere im Hinblick auf die weiteren geplanten Baumrodungen: Man sei mit einem Kreis von rund 20 Personen weiter aktiv, sagt Sprecher Gerhard Oesten. „Die Planungen, die wir gesehen haben, bestätigen unsere Befürchtungen“, so Oesten. „Unsere große Sorge ist, dass durch die Eingriffe merklich an Natur verloren geht.“

Die Natur rund um die Zitadelle sei laut der Initiative aber von Bedeutung, als Lebensraum von diversen Tieren. „Wir müssen uns weiter einbringen“, sagt Oesten deshalb.

Seit kurzem gibt es zudem ein weiteres Gremium, dass die Planungen und Umsetzungen begleiten soll: ein Parkrat, inspiriert von denen, die es bereits an anderen Orten, etwa am Görlitzer Park oder dem Gleisdreieck, gibt. Dieser soll in beratender Funktion tätig sein, seine Bedenken und Anregungen in regelmäßigen Sitzungen einbringen.

Initiiert wurde der Parkrat vom Bezirksamt, zu den Mitgliedern gehören Institutionen, Fachämter und Bürger. Ziel sei es, so heißt es, durch ihn eine größere Mitbestimmung zu garantierten.

Machbarkeitsstudien zu Eingangsbereich und Freilichtbühne laufen

Die Umgestaltung des Zitadellenumfelds soll dabei nicht das letzte Projekt rund um die historische Festung bleiben. Derzeit läuft auch eine Machbarkeitsstudie zum Eingangsbereich, der aktuell vor allem bei Großveranstaltungen überlastet ist.

Zudem wird untersucht, ob es möglich ist, einen neuen Vorplatz zu schaffen, um Besucher besser zu empfangen und zu lenken. Derzeit trifft, wer aus Richtung U-Bahnhof kommt, zuerst auf Autohäuser und einen Parkplatz. Im Gespräch ist auch ein neuer Ausgang vom U-Bahnhof Zitadelle.

Auch zur Freilichtbühne an der Zitadelle wird aktuell eine Machbarkeitsstudie erstellt. Sowohl Zuschauerbereich als auch die Bühne selbst sollen modernisiert werden, zudem ist hier ebenfalls geplant, den Ort besser sichtbar zu machen.

Und nicht zuletzt gibt es die Idee, die Zitadelle durch eine zusätzliche Brücke mit dem Kolk, dem ältesten Teil der Altstadt, zu verbinden. Notwendig für das alles sind aber zusätzliche Gelder. Das Bezirksamt will prüfen, inwieweit weitere Fördermittel organisiert werden können. Andernfalls müssten Mittel aus dem Bezirkshaushalt verwendet werden.

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