Friedhof In den Kisseln

Stadtjäger sollen Wildschweine in Spandau vertreiben

Seit Jahren durchwühlen die Tiere auf dem Spandauer Friedhof Grünflächen und Gräber. Nun sind endlich alle Zäune repariert.

Seit Jahren gibt es auf dem Spandauer Friedhof in den Kisseln Probleme mit Wildschweinen, die Grünflächen und Gräber durchwühlen. Nun soll es eine Lösung geben. 

Seit Jahren gibt es auf dem Spandauer Friedhof in den Kisseln Probleme mit Wildschweinen, die Grünflächen und Gräber durchwühlen. Nun soll es eine Lösung geben. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/BM

Berlin. Die Spuren der Wildschweine auf dem Spandauer Friedhof In den Kisseln sind unverkennbar. Schon kurz nach dem Betreten des Friedhofs fallen die verwüsteten Grünflächen auf. Die Erde ist aufgewühlt, Grasstücke liegen herum. Auch Gräber sind betroffen. Ein Problem, das seit Jahren besteht und Menschen, deren Angehörige auf dem Friedhof begraben sind, zunehmend verärgert hat.

Jetzt soll die Plage behoben werden: Kaputte Zäune sind laut Bezirksamt ausgebessert, zusätzlich wurde ein spezieller Wildzaun im Bereich der Bötzowbahn im Boden verankert. Ein sogenannter Unterwühlschutz soll zudem verhindern, dass Wildschweine sich auf den Friedhof graben. Nun sind die Stadtjäger am Zug: Am ersten Februarwochenende waren sie erstmals wieder auf dem Gelände unterwegs, um die Wildschweine zu vergrämen - was heißt, sie entweder dauerhaft von dem Friedhof zu vertreiben, oder sie zu erlegen. Dabei sollen sie bereits erste Tiere erwischt haben.

Nach Schätzungen sollen sich zuletzt noch um die 15 Schweine auf dem Gelände von Berlins größtem städtischen Friedhof aufgehalten haben. "Wir sind aber in der Hoffnung, dass wir bis Ende März kein Wildschwein mehr hier haben", sagt Torsten Kramer von der Friedhofsgärtnerei der Paul-Gerhardt-Diakonie am Evangelischen Johannesstift. Die Friedhofsgärtnerei war in den vergangenen Monaten auch der Ort, an dem die zahlreichen Beschwerden der Menschen aufliefen. Denn gerade während des trockenen Sommers seien die bewässerten Privatgräber zum bevorzugten Ziel der Wildschweine geworden, erzählt Kramer. Und so sei man schließlich als Initiator einer Unterschriftensammlung tätig geworden. Rund 500 Personen haben die Liste unterzeichnet.

Stadtjäger weigerten sich, weiter auf dem Friedhof tätig zu sein

Obwohl der Bezirk laut eigenen Angaben in den vergangenen Jahren bereits 200.000 Euro in die Sicherung des Friedhofs vor Wildschweinen investierte, bekam er das Problem lange nicht in den Griff. Im vergangenen Jahr stellten schließlich auch die Stadtjäger ihre Arbeit ein. Laut dem zuständigen Bezirksstadtrat Frank Bewig (CDU), hieß es von Seiten der Jäger: Solange die Zäune nicht ausgebessert sind und Wildschweine weiterhin auf das Gelände kommen können, mache es keinen Sinn, dort zu jagen. "Wir haben daraufhin einen Runden Tisch einberufen und eine Bestandsaufnahme gemacht, um zu gucken: Was ist notwendig, damit die Stadtjäger wieder arbeiten können", berichtet Bewig.

Diese notwendigen Arbeiten sind nun erledigt. Auch in den kommenden Wochen werden die Stadtjäger laut Bewig weiter auf dem Friedhof - auch während der Öffnungszeiten - unterwegs sein, bis alle Tiere vergrämt sind. Sämtliche Wildschweine vom Gelände zu vertreiben, ist jedoch nicht einfach. Der mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Friedhof bietet den Tieren viele Möglichkeiten, sich zu verstecken. Zudem besteht das Risiko, dass durch Vandalismus neue Schäden in den - immerhin 3,7 Kilometer langen - Zäunen entstehen und die Wildschweine durch diese Stellen oder offen gelassene Eingänge erneut auf das Gelände kommen.

Torsten Kramer und seine Kollegen wollen daher regelmäßig Kontrollgänge entlang der Zäune unternehmen, um Schäden möglichst schnell festzustellen. Viel Zeit räumt er den Verantwortlichen nicht mehr ein, bis die Wildschweinplage und damit die verwüsteten Gräber eine Ende haben müssen. "Sollte sich im Frühjahr nichts ändern, werden die Kunden das nicht mehr hinnehmen", meint Kramer. "Das kann man nur eine gewisse Zeit ertragen."

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