Siemens-Campus

SPD drängt auf Milieuschutzgebiet in der Siemensstadt

Die Informationsveranstaltung zum Campus kürzlich war überfüllt. Bewohner sorgen sich vor allem um steigende Mieten und den Verkehr.

Mehr als 300 Menschen kamen zur SPD-Informationsveranstaltung zum Siemens-Campus. Wichtige Themen waren steigende Mieten und Verkehr. 

Mehr als 300 Menschen kamen zur SPD-Informationsveranstaltung zum Siemens-Campus. Wichtige Themen waren steigende Mieten und Verkehr. 

Foto: Jessica Hanack / BM

Berlin. Steigende Mieten und wachsende Verkehrsbelastung - das sind die Themen, um die sich die Bewohner der Siemensstadt besonders sorgen, wenn sie an den geplanten Siemens-Innovationscampus in ihrem Kiez denken. Wie sehr der Campus die Menschen beschäftigt, zeigte sich kürzlich bei einer Informationsveranstaltung, zu der die SPD Spandau eingeladen hatte und zu der auch der Chef der Senatskanzlei, Christian Gaebler, und ein Sprecher von Siemens gekommen waren. Der Raum war überfüllt, Menschen standen dicht gedrängt, saßen auf dem Boden oder auf einer Bühne hinter den Podiumsgästen. Schätzungen zufolge waren mehr als 300 Besucher gekommen.

Die Veränderungen, die der Siemensstadt wie auch dem angrenzenden Haselhorst bevorstehen, sind groß. In der Nähe des Siemensgeländes gibt es zahlreiche weitere Wohnungsbauprojekte, die bereits gestartet sind oder in den kommenden Jahren beginnen sollen. Mit dem Siemens-Innovationscampus sollen weitere knapp 3000 Wohnungen gebaut werden, außerdem sind auf der Fläche von 70 Hektar Büros, Hotels, Labors und Räume für Start-Ups geplant.

Weiterer Campus auf Gelände des Flughafen Tegel

Und nur wenige Kilometer entfernt, ist in Zukunft ein weiterer Campus vorgesehen: auf dem Gelände des Flughafen Tegel, nach dem dieser geschlossen wird. Unter anderem sollen sich dort Unternehmen und Forschungsinstitute ansiedeln. Am östlichen Ende des Rollfeldes und darüber hinaus sind auf 48 Hektar im Kurt-Schumacher-Quartier bis zu 5000 Wohnungen geplant.

Wenn Tegel bebaut wird, sagte ein Anwohner bei der Informationsveranstaltung, werde die Siemensstadt von zwei Campus umgeben. "Dann werden die Mieten bedrohlich steigen. Das ist die Angst, die die Bevölkerung hat." Auch andere Teilnehmer äußerten die Befürchtung, verdrängt zu werden. Die Sorgen wurden von den anwesenden Politikern durchaus als berechtigt angesehen. "Es ist absehbar, dass das Gebiet aufgewertet wird und dass es Raum geben wird für Spekulanten", sagte Raed Saleh, SPD-Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus und Kreisvorsitzender der SPD Spandau.

Ergebnis vom Grobscreening in Spandau im März erwartet

In Abstimmung mit dem Bezirk müsse man hier die Errichtung Milieuschutzgebiete vorantreiben, zur Not auch "am Bezirk vorbei", so Saleh. "Wenn der Bezirk nicht will, dann muss das Land eingreifen." Spandau gehört bislang zu den drei Berliner Bezirken, in denen es noch keinen Milieuschutz gibt. Derzeit findet eine Voruntersuchung statt, bei der Gebiete identifiziert werden sollen, in denen Spandauer durch steigende Mieten von der Verdrängung bedroht sind. Untersucht wird dabei auch die Siemensstadt.

Auf Anfrage der Morgenpost sagte Spandaus Baustadtrat Frank Bewig (CDU), dass die Ergebnisse dazu voraussichtlich Anfang bis Mitte März erwartet werden. Auf dieser Grundlage würden die zwei mit dem Grobscreening beauftragten Büros sicherlich Empfehlungen für mögliche Milieuschutzgebiete im Bezirk aussprechen. "Ich will auch nicht, dass Mieter aus ihren Wohnungen durch Luxussanierungen verdrängt werden", betonte Bewig. Milieuschutzgebiete müssten begründet sein. Wenn das der Fall ist, würde deren Errichtung aber nicht ausgeschlossen werden.

Verkehrslösungen werden noch Jahre brauchen

Das zweite große Thema ist der Verkehr. Die zentrale Nonnendammallee sei heute schon oftmals überlastet, berichtet eine Anwohnerin. Staus zu Berufsverkehrszeiten gehören zum Alltag. Dass der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden soll, darin scheinen sich alle einig. Das sei auch eine Forderung von Siemens gewesen, sagte Senatskanzlei-Chef Gaebler. Ideen sind insbesondere die Wiederinbetriebnahme der Siemensbahn und der Aufbau einer neuen Straßenbahn.

Die Prüfungen laufen, zur Siemensbahn habe es erst kürzlich einen Termin gegeben. Auch die Bundesregierung soll die Pläne unterstützen. Bis tatsächlich wieder eine S-Bahn über die 1980 still gelegte Strecke fahren kann, werden aber wohl noch einige Jahre vergehen. Auch ein Start der Straßenbahn ist ungewiss. Auch Siemens macht sich Gedanken zum Verkehr in der Siemensstadt. Man wolle etwas Car-Sharing und Elektromobilität vorantreiben, sagte Unternehmenssprecher Yashar Azad.

Zum weiteren Zeitablauf erklärte der Siemens-Sprecher, dass in Kürze der städtebauliche Wettbewerb starten solle. Das Ergebnis wird bis zum Ende des zweiten Quartals erwartet. Ende Mai, Anfang Juni solle es eine öffentliche Veranstaltung geben, kündigte Azad an. Dann könnten Wünsche der Anwohner zu den baulichen Ideen aufgenommen und an die Planer weitergegeben werden. Außerdem soll die Bevölkerung in die Namensfindung für das Quartier einbezogen werden.

Nach Abschluss des Wettbewerbs müsse der vertragliche Rahmen geschaffen werden, so der Siemensvertreter, was wohl bis ins kommende Jahr dauern werde. Läuft alles nach Plan, wird mit einem Baubeginn Ende 2020 gerechnet. Bis 2030 soll der Innovationscampus dann fertig sein.

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