Arbeitsplätze in Gefahr

Bundesregierung schaltet sich bei Infinera in Spandau ein

Der neue Eigentümer will die frühere Siemens-Tochter in Spandau schließen. Mitarbeiter und Gewerkschaft wehren sich.

Der Infinera-Standort in der Siemensstadt soll im September schließen. 

Der Infinera-Standort in der Siemensstadt soll im September schließen. 

Foto: euroluftbild.de/bsf swissphoto

Berlin. In die geplante Schließung des Werks der früheren Siemens-Tochter Infinera schaltet sich nun offenbar die Bundesregierung ein. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall werde die geplante Verlagerung der Produktion nach Asien vom Bundeskanzleramt, dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesverteidigungsministerium überprüft. Infinera stellt in Berlin-Spandau Technik für die Datenübertragung in Telekommunikationsnetzen her. „Auch Sicherheitsorgane der Bundesregierung sind Kunden von Infinera“, sagte die zweite Bevollmächtigte der Berliner IG Metall, Regina Katerndahl, am Mittwoch. Die Bundesregierung bestätige die Überprüfung der geplanten Standortverlagerung zunächst nicht.

Das US-Unternehmen Infinera ist erst seit Oktober des vergangenen Jahres Eigentümer des Standorts in Spandau. Zuvor gehörte das Werk dem Wettbewerber Coriant, den Infinera im vergangenen Jahr übernommen hatte. Das Werk in Spandau hatte zuvor immer wieder wechselnde Besitzer. Ursprünglich hatte der deutsche Industriekonzern Siemens das Werk aufgebaut.

Mitte Januar hatte der neue Eigentümer den 400 Mitarbeitern am Standort verkündet, das Werk zu schließen und die Produktion verlagern zu wollen. Am 30. September dieses Jahres soll Schluss sein. Bereits am Freitag soll die erste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern über einen Interessensausgleich stattfinden. Zeitgleich ruft auch die Gewerkschaft IG Metall vor dem Werk am Spandauer Siemensdamm zu einer Kundgebung auf. „Wir werden alles in unserer Macht stehenden tun, um die Schließung des Werks und den Abbau dieser wichtigen Industriearbeitsplätze in Berlin zu verhindern“, kündigte Berlins IG-Metall-Chefin Birgit Dietze an.

Die Mitarbeiter seien von den Schließungs-Plänen überrascht gewesen, erklärte der Betriebsratsvorsitzende des Infinera-Werks Jörg Wichert. Die Belegschaft hatte gehofft gemeinsam mit dem neuen Eigentümer auf Wachstumskurs zu sein. „Die Kollegin sind in einer Schockstarre gefallen, die dann schnell in Empörung wechselte“, so Wichert. Nach Angaben des Betriebsrats plant Infinera Kosten zu sparen und künftig komplett ohne eigene Fertigung zu arbeiten. Dafür plant das Unternehmen, die Herstellung der komplexen Hardware an Lohnfertiger auszulagern. Im Gespräch ist nach Informationen der Berliner Morgenpost dafür ein Unternehmen in Thailand.

Kai Wegner kritisiert Verlagerungspläne

Infinera hatte durch die Übernahme von Coriant zu großen Konkurrenten aufgeschlossen. Vor allem der chinesische Konzern Huawei war in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Technologie, die sowohl Infinera als auch Huawei herstellen, ist auch für den Aufbau des neuen, schnelleren Mobilfunknetzes 5G relevant. Das Werk in Spandau ist nach Angaben der IG Metall einer der wenigen Standorte in Europa, der die Hardware für diese Datenautobahnen der Zukunft herstellt. Ziehe die Produktion wie geplant nach Fernost würde auch das gesamte Know-how verloren gehen, befürchtet die Gewerkschaft.

Infinera habe, so die Gewerkschaft, schon jetzt einiges an Wissen abgeschöpft. Durch die Übernahme von Coriant habe das Unternehmen auch die 1598 Patente des früheren Konkurrenten erhalten. Infinera selbst habe zuvor nur 572 eigene Patente gehabt.

Der Spandauer Bundestagsabgeordnete Kai Wegner (CDU) kritisierte am Mittwoch die Verlagerungspläne und forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. „Hier werden hochkomplexe Leiterplatten hergestellt, wie sie in höchst sicherheitsrelevanten Bereichen auch in der Bundesrepublik zum Einsatz kommen. Die Produktion und das Know-how der deutschen Sicherheitsinfrastruktur darf daher aus meiner Sicht nicht ins Ausland verlagert werden! Das kann auch nicht im Interesse des Landes sein“, sagte Wegner der Berliner Morgenpost. „Wir müssen die sicherheitsindustriellen Schlüsseltechnologien in Deutschland erhalten, denn sie dienen der Wahrung der strategischen Souveränität Deutschlands“, so Wegner weiter. Er werde sich jetzt für den Erhalt des Werkes einsetzen.

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