Siemensstadt

Infinera will Werk mit 400 Beschäftigten schließen

Der US-Konzern hat den ehemaligen Coriant-Standort erst im Oktober 2018 übernommen. Die Produktion soll nach Asien verlagert werden.

Der Infinera-Standort in der Siemensstadt soll im September schließen. 

Der Infinera-Standort in der Siemensstadt soll im September schließen. 

Foto: euroluftbild.de/bsf swissphoto

Spandau. Die Ankündigung kam überraschend: Das US-amerikanische Unternehmen Infinera hat bekannt gebeben, seinen Standort in der Spandauer Siemensstadt schließen zu wollen. Erst zum Oktober 2018 hatte die Firma den ehemaligen Siemens-, Siemens Nokia- und Coriant-Betrieb übernommen, 400 Beschäftigte arbeiten dort. Bis Ende September soll das Werk nun dicht sein. Die geplanten Maßnahmen seien Teil einer globalen Umstrukturierung, erklärt eine Sprecherin von Infinera auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Bei dieser sollen Unternehmensabläufe umfassend überprüft werden, um die Effizienz zu steigern und Ressourcen für Wachstum zu optimieren.

Bei der IG Metall trifft die Ankündigung auf Unverständnis und Empörung. Es scheine, als ob Infinera schon beim Kauf einen gründlichen Plan gehabt hätte, sagt die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Birgit Dietze. 1600 Patente hätte sich Infinera mit dem Kauf gesichert, außerdem eine Datei mit rund 600 Kunden. "Und jetzt soll die Produktion nach Südostasien verlagert werden", sagt Dietze. "Dreist" und "rücksichtslos" nennt sie das Verhalten der US-Firma.

Auch der Spandauer Wirtschaftsstadtrat, Gerhard Hanke (CDU), reagiert mit Unverständnis auf die Pläne von Infinera. "Spandau als klassischer Industriestandort - insbesondere auch im Technologiesektor - bietet beste Chancen und Potentiale für die Unternehmen", sagt Hanke. "Dass dies im Falle von der Infinera-Konzernspitze nicht erkannt wird, ist für die dort beschäftigten Fachkräfte ein herber Rückschlag." Sollte das Werk tatsächlich wie angekündigt geschlossen werden, wolle er den Infinera-Mitarbeitern in jedem Fall Unterstützung anbieten, um die Fachkräfte am Standort Spandau zu halten. Auch Bundespolitiker haben bereits ihre Unterstützung für die Beschäftigten bekundet.

Gefertigte Technik wird für geplantes 5G-Netz gebraucht

Der Betrieb hat in der Vergangenheit bereits verschiedene Eigentümer gehabt. Anfangs gehörte er zu Siemens, später zu Siemens-Nokia, dann folgte der Wechsel zu Coriant und schließlich zu Infinera. Anzeichen darauf, was Infinera plant, habe es bei der Übernahme im Oktober nicht gegeben, sagt Andreas Bentlage, Projektmanager am Spandauer Standort. "Wir haben erwartet, dass unsere Arbeitsplätze für längere Zeit gesichert sind." Die Bekanntgabe der Pläne Anfang Januar sei für alle unerwartet gekommen - zumal die Technik, die in Spandau gefertigt wird, durchaus Zukunft hat. "Wir bauen optische Übertragungssysteme, die von weltweiten Providern für ihre Handynetze gekauft werden", sagt Bentlage. Die gebaute Hardware wäre etwa auch notwendig, um das geplante 5G-Netz aufzubauen. "Die Technik ist definitiv zukunftsorientiert, wo gerade alle über 5G sprechen und die Bundesregierung sich auch dafür stark macht", sagt er.

In dem Spandauer Betrieb sei seit 30 Jahren Wissen aufgebaut worden, Übertragungstechnik wurde dort von Beginn an gebaut. Mit dem geplanten Siemens-Campus werde der Standort außerdem gestärkt, meint Bentlage. In diesem Zusammenhang sollen dort auch weitere Unternehmen und Start-Ups angesiedelt werden. Die Siemensstadt und ganz Berlin würden eine Art Renaissance als Fertigungsstandort erleben. "Da ist das Verhalten von Infinera wirklich unverständlich", sagt Bentlage. Nicht zuletzt geht es um die 400 Mitarbeiter, die vor dem Aus stehen und von denen viele bereits seit Jahren für den Betrieb arbeiten würden. "Gerade für die älteren Beschäftigten wird es keine leichte Aufgabe, einen neuen Job zu finden."

Um die Mitarbeiter zu unterstützen, hat die IG Metall auch eine Online-Petition gestartet, an der sich bereits rund 2000 Menschen beteiligt haben. Mehr als 700 Kommentare wurden innerhalb weniger Tage gesammelt, in denen Menschen ihre Unterstützung bekunden. "Hier zeigt sich, dass es eine große Solidarität unter den Arbeitnehmern gibt", sagt die Berliner IG-Metall-Chefin Dietze. Der Auftakt der Verhandlungen mit Beteiligung der IG Metall ist laut Dietze für den 1. Februar geplant. Vorher soll es eine kleine Kundgebung geben. Öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, sagt Mitarbeiter Bentlage, sei im Moment das einzige, was sie tun können, um für ihr Ziel zu kämpfen. Und das ist klar: "Wir wollen die Offenhaltung des Werks erreichen."

Mehr über den Bezirk Spandau lesen Sie hier.