Verbrechen

Wie ein Polizist in Spandau der Kriminalität vorbeugen will

Patrick Spatzker ist Präventionsbeauftragter und an Schulen und öffentlichen Orten unterwegs, um aufzuklären und Tipps zu geben.

Patrick Spatzker ist Präventionsbeamter der Polizeidirektion 2 in Spandau.

Patrick Spatzker ist Präventionsbeamter der Polizeidirektion 2 in Spandau.

Foto: Jessica Hanack / BM

Berlin. "Achtung, hier spricht nicht die Polizei", steht auf den Plakaten, die Polizist Patrick Spatzker an diesem Nachmittag mitgebracht hat. Spatzker ist Präventionsbeauftragter im Abschnitt 21 in Spandau. Er will aufklären, um Kriminalität zu verhindern - wie eben Betrugsfälle, die aus Anrufen resultieren, bei denen sich Kriminelle als Polizisten ausgeben. "Diese Anrufe sind seit vergangenem Herbst massiv gestiegen", sagt Spatzker.

Eine Masche: Die vermeintlichen Polizeibeamten behaupten, Diebe würden bei den Angerufenen einbrechen wollen. Sie sollten ihr Geld etwa aus dem Fenster werfen, die Polizei würde es dann sicher verwahren und, wenn die Täter geschnappt sind, zurückgeben. Klingt skurril, tatsächlich würde das aber immer wieder funktionieren, sagt Spatzker.

Dass Anrufe von Betrügern regelmäßig vorkommen, zeigt sich auch an diesem Nachmittag. Spatzker hat seinen Informationsstand im Sport Centrum Siemensstadt aufgebaut. Mehrere Menschen kommen vorbei und berichten, selbst solche Anrufe bekommen zu haben oder aber andere zu kennen - sei es der Vater oder die weit über 80-jährige Nachbarin. Ein Mann erzählt, er sei telefonisch aufgefordert worden, eine Gebühr von 5000 Euro zu zahlen, weil er vor vier Jahren an einem Lotto-Gewinnspiel teilgenommen habe. Der Spandauer zahlte nicht, bemerkte mehrere Unstimmigkeiten. "Man muss wirklich aufpassen", sagt er dennoch. Spatzker rät ihm, Anzeige zu erstatten, denn. "Auch der Betrugsversuch ist strafbar."

Thematisch beschäftigt den Polizisten bei seiner Präventionsarbeit aber noch mehr. Es geht zum Beispiel auch auch um den Schutz vor Einbrüchen. Die Statistik liest sich dabei positiv: Bei Einbrüchen ebenso wie bei Fahrzeugdiebstählen oder Straßenkriminalität seien die Zahlen in der Direktion 2 - zu der Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau gehören - rückläufig. Einen Grund sieht er, in Bezug auf Einbrüche darin, dass die Strafen für die Täter Mitte 2017 verschärft wurden. Aber Spatzker meint auch, dass Prävention etwas damit zu tun habe, dass die Menschen sich heute besser informieren und schützen.

Besuche in Seniorenheimen und Schulen gehören zu Aufgaben

Seit Mitte der 2000er Jahre ist Spatzker Präventionsbeauftragter bei der Polizei. Damals wurden die Stellen neu geschaffen. "Es gab den Gedanken, dass man hauptberuflich Leute bereitstellen muss, die aufklären und dass das nicht länger stiefmütterlich behandelt werden soll", erklärt der 48-Jährige. "Ich stehe da voll dahinter." Auch, fügt Spatzker hinzu, wenn nicht alle Kollegen die Auffassung teilen würden. Und so steht der Polizeibeamte fast wöchentlich an öffentlichen Orten im Bezirk bereit, besucht Seniorenheime und andere Einrichtungen.

Vor allem während der wärmeren Monate ist der 48-Jährige regelmäßig in der Altstadt anzutreffen oder auch am U-Bahnhof Rathaus Spandau. Hier sei Taschendiebstahl ein großes Thema, sagt Spatzker. "Ich spreche dann auch mal Leute an". Etwa, wenn ihm auffällt, dass Taschen schlecht gesichert sind. Die Zahlen stimmen aber auch hier positiv, die Taschendiebstähle sind im Bereich der Direktion 2 ebenfalls weniger geworden.

Vor allem setzt der Polizist darauf, etwas bei den Kindern und Jugendlichen zu bewirken. In Spandauer Schulklassen gibt Spatzker Veranstaltungen zu Gewalt, Drogen oder sozialen Medien. Dann wird unter anderem mit Rollenspielen versucht, Straftaten vorzubeugen. Spürbar dabei: Die "Neuen Medien" werden ein wachsendes Thema. Das zeigt sich auch an dem Nachmittag im Sport Centrum. Die Broschüren, die sich gezielt an Kinder und Jugendliche richten und Hinweise zum Verhalten im Internet geben, sind gefragt.

"Cybermobbing gibt es an fast jeder Schule", sagt der Beamte. Die Kinder und Jugendlichen würden sich oft keine Gedanken machen, wenn sie jemanden online beleidigen. Dabei sei das Mobbing im Netz häufig nur der Anfang. "Das geht dann auf dem Schulhof weiter", sagt Spatzker. In solchen Fällen würden sie oft Anrufe von Lehrern bekommen, die sie bitten, etwas zu unternehmen. Eigentlich, meint der Polizist, sei es dann aber schon zu spät. Ihre Programme sollten vor allem präventiv wirken - und Kinder stärken, sagt er. Dabei geht es auch um Zivilcourage, ohne sich selbst zu gefährden. "Wir wollen vermitteln: Lauf nicht einfach weg, sondern hilf anderen, wenn du kannst", erklärt Spatzker.

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