Altstadt Spandau

Klimawerkstatt und Gastronomen starten Mehrweg-Aktion

Das Projekt soll ein Zeichen gegen Verpackungsmüll beim Take-Away-Konsum sein.

Fatma Tumir (l.) macht mit ihrem Restaurant "Fedice" bei der Aktion "Spandau boxt Mehrweg" mit. Um die Projektdurchführung kümmert sich Magdalena Adamczyk-Lewodzko (r.).

Fatma Tumir (l.) macht mit ihrem Restaurant "Fedice" bei der Aktion "Spandau boxt Mehrweg" mit. Um die Projektdurchführung kümmert sich Magdalena Adamczyk-Lewodzko (r.).

Foto: Jessica Hanack / BM

Berlin. 170.000 Außer-Haus-Essen werden Berechnungen zufolge täglich allein in Berlin verkauft. Jeden Tag entstehen 5,1 Tonnen Verpackungsmüll in Berlin, verursacht durch den Take-Away-Konsum. Eine wahnsinnige Größenordnung. Und Grund genug für die Spandauer Klimawerkstatt in Kooperation mit dem Verein "Life" eine Aktion zu veranstalten, um auf das Problem der Tausenden Einwegverpackungen aufmerksam zu machen. Zusammen mit fünf Gastronomien aus der Altstadt wollen sie Menschen dazu motivieren, künftig Mehrwegboxen für ihr Essen zu verwenden.

Schon in den vergangenen beiden Jahren hat die Klimawerkstatt verschiedene Aktionen unter dem großen Motto "Spandau macht Mehrweg" organisiert. So wollte man etwa Konsumenten anregen, auf Plastiktüten zu verzichten oder Mehrwegbecher für den Coffee to go zu verwenden. Finanziert wird das Projekt mithilfe von Fördergeldern der EU sowie Eigenmitteln des Bezirks, etwa 480.000 Euro sollen während der gesamten Laufzeit investiert werden. Gerade habe man eine Projektverlängerung bis August 2019 beantragt, sagt Cornelia Neimeitz von der Spandauer Leitstelle für Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Aktueller Anlass für "Spandau boxt Mehrweg" ist die Europäische Woche der Abfallvermeidung, die noch bis zum 25. November stattfindet. Währenddessen geben die teilnehmenden Restaurants den ersten zehn Käufern täglich 50 Cent Rabatt auf ihr Essen, wenn sie eine Mehrwegbox mitbringen. Die Vorbereitungen für die Aktion liefen bereits seit Monaten, sagt Magdalena Adamczyk-Lewoczko, die sich um die Projektdurchführung kümmert. "Im Juli haben wir angefangen, Gastronomen anzusprechen und eine kleine Befragung gemacht, wie viel Take-Away-Essen sie verkaufen." Das Ergebnis: Gerade in kleineren Imbissen würden 80 bis 90 Prozent der Kunden ihr Essen zum Mitnehmen bestellen. Entsprechend viel Müll wird dabei produziert.

Klimawerkstatt wirbt in der Fußgängerzone für Mehrweg

Neben den Gastronomen nahm die Klimawerkstatt aber auch Kontakt zu potentiellen Kunden auf. 70 Unternehmen und Dienstleister aus der Altstadt seien angeschrieben und über die Aktion informiert worden, sagt Adamczyk-Lewoczko. Auch in der Fußgängerzone sind Mitarbeiter unterwegs, um für Mehrwegboxen zu werben.

Einer der Gastrobetriebe, der sich an der Rabattaktion beteiligt, ist "Fadice". "Wir haben Gäste, die dafür ein Feingefühl haben, die auf die Tüte verzichten und möglichst wenig Verpackungen haben wollen", sagt Geschäftsführerin Fatma Timur. Einige würden sich ihre Salate schon jetzt in Tupperdosen packen lassen. Und auch für sich selbst betont Timur, dass ihr der Umwelt-Aspekt wichtig sei. "Wir möchten gesundes Fast-Food anbieten", sagt sie. Insofern sei es nur passend, sich auch für Nachhaltigkeit zu engagieren und Kunden darüber zu informieren. Mit der Klimawerkstatt gibt es bereits Gespräche darüber, ein mögliches Pfandsystem für Mehrwegboxen zu etablieren. Wer selbst keine Dose dabei hat, könnte sich dann eine im Restaurant leihen.

Täglich 30.000 verbrauchte Einwegbecher in Spandau

Natürlich erhofft sich die Klimawerkstatt, in Sachen Mehrweg auch über die Rabatt-Woche hinaus einen nachhaltigen Effekt zu bewirken - ähnlich wie bei der Coffee-to-go-Aktion: Inzwischen gibt es in Spandau mehr als 50 sogenannte Kaffeetankstellen. Cafés oder Bäckereien also, bei denen Kunden ihre eigenen Becher befüllen lassen können. Bei vielen gibt es dafür sogar einen dauerhaften Rabatt.

Dennoch sind die Einwegbecher weiterhin ein Problem. Laut der Klimawerkstatt werden täglich 30.000 von ihnen nur in Spandau verbraucht. Berlinweit sollen es etwa 280.000 sein. Um die Dimension zu verdeutlichen, wird am Donnerstag ein acht Kubikmeter großer, transparenter Würfel in den Spandau Arcaden aufgestellt. Gefüllt ist dieser mit Einwegbechern. Das Projekt wurde von Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Recht entwickelt und umgesetzt. Aufklärungsarbeit in Bezug auf Verpackungsmüll, sagt Adamczyk-Lewoczko, sei weiterhin notwendig. Der Verein "Life" und die Klimawerkstatt wollen daher auch künftig am Thema Mehrweg dranbleiben.

An der Rabatt-Aktion bis zum 25. November beteiligen sich folgende Restaurants: Altstadt Burger, Havelstraße 21, Fadice, Havelstraße 19, Hasir, Breite Straße 43, Isola Verde, Breite Straße 46 und MAGO, Markt 12-13.

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