Wohnungsbau

"Das Neue Gartenfeld": Abgehängt auf der Insel

Ein städtebaulicher Vertrag für „Das Neue Gartenfeld“ in Spandau ist geschlossen. Eine gute Verkehrsanbindung fehlt jedoch noch.

So könnte das neue Quartier auf der Insel Gartenfeld in Spandau aussehen.

So könnte das neue Quartier auf der Insel Gartenfeld in Spandau aussehen.

Foto: UTB Projektmanagement GmbH/COBE Berlin GmbH

Spandau. Berlin braucht dringend mehr Wohnungen. Und dabei spielt Spandau eine wichtige Rolle. Das hatte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bei der Grundsteinlegung des neuen Quartiers „Waterkant Berlin“ vor zwei Monaten gesagt. Und tatsächlich: Nicht einmal zwei Kilometer Luftlinie vom Gebiet in der Wasserstadt Oberhavel entfernt, soll das nächste große Stadtquartier entstehen. Name: „Das Neue Gartenfeld“. Anzahl der geplanten Wohnungen: rund 3700. Besonderheit: Das neue Quartier ist von Wasser umgeben, es soll auf der Insel Gartenfeld entstehen.

Die Pläne, auf der Insel im Ortsteil Siemensstadt Wohnungen zu bauen, gibt es schon seit Jahren. Erst vor kurzem wurde aber der städtebauliche Vertrag zwischen dem Bezirk Spandau und dem Vorhabenträger geschlossen. Gesteuert wird das Projekt von der UTB Projektmanagement GmbH, beteiligt an der Realisierung sind die Wohnungsbauunternehmen Gewobag und Buwog, außerdem Genossenschaften und weitere Baugruppen. Dass sich das Projekt hinzieht, liegt an der Lage. „Die Grundsatzfrage bei der Insel Gartenfeld ist, wie sie erschlossen werden soll“, sagt Spandaus Baustadtrat Frank Bewig (CDU). „Das ist an vielen Stellen verschlafen worden.“

Bisher industrielle Nutzung der Insel

Die knapp 60 Hektar große Insel wurde bislang industriell genutzt. „Siemens hatte mit dem Start der Kabelproduktion auf diesem Grundstück Berliner Industriegeschichte geschrieben“, erklärt die UTB auf Nachfrage. Mit dem Strukturwandel habe der Ort in den vergangenen Jahren aber seine Bedeutung verloren. Zurzeit führt nur eine Hauptstraße über die Insel, die sie im Norden mit dem Reinickendorfer Ortsteil Tegel und im Süden mit dem Spandauer Ortsteil Haselhorst verbindet.

Wenn es nun statt Industrie ein Wohnquartier mit Tausenden Bewohnern auf der Insel geben soll, sei das nicht mehr ausreichend, findet Bewig. Es braucht einen weiteren Zugang. Nun habe es vom Land Berlin das Signal gegeben, dass dieser kommen soll. Für den Stadtrat war das entscheidend, um den städtebaulichen Vertrag zu schließen. Für diesen gilt das Berliner Modell, wonach 25 Prozent der Wohnungen gefördert und mietpreisgebunden sein sollen.

Das Verkehrsproblem muss noch gelöst werden

In einer Mitteilung des Senats heißt es, dass eine zweispurige Straße mit Geh- und Radwegen gebaut werden soll. Außerdem werde auf der Straße Platz für den öffentlichen Personennahverkehr eingeplant. Eine Brücke soll die Insel im Westen mit der Wasserstadt verbinden. Der Baubeginn der Straße ist für das Jahr 2024 vorgesehen. Kostenpunkt nach derzeitiger Schätzung: 50 Millionen Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Brückenbau.

Über die neue Brücke könnte die Insel zumindest auch per Bus angebunden werden. Auf die Dauer, findet Spandaus Stadtrat, sei das jedoch nicht ausreichend. „Da muss auf jeden Fall etwas passieren“, sagt Bewig. „Die Siemensbahn würde ich begrüßen.“ Die Reaktivierung der 1980 stillgelegten S-Bahn wurde zuletzt im Zusammenhang mit dem geplanten Siemens-Campus diskutiert. Die alte Strecke endet zurzeit kurz vor der Insel und würde eine Anbindung des Gebiets bis zum Bahnhofs Jungfernheide möglich machen. Im Gespräch ist außerdem eine Straßenbahn. Lösungen erscheinen umso wichtiger, da „Das Neue Gartenfeld“ ein autoarmes Quartier werden soll.

Verkehrsanbiendung: Es fahren nur Busse

Eine bessere Verkehrsinfrastruktur und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist für das gesamte „Entwicklungsband West“, wie die Bereiche Haselhorst, Wasserstadt und Insel Gartenfeld genannt werden, entscheidend. Rund 10.000 Menschen könnten dort in den kommenden Jahren hinziehen. Bislang fahren in dem Gebiet nördlich der Nonnendammallee nur Busse. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagte kürzlich die Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses Ina Bittroff (SPD). „Das bei der Masse an Menschen nur mit Bussen zu machen … Niemals.“

Ähnlich äußert sich Stadtrat Bewig. Seit Jahren warte er auf Entscheidungen des Senats, wie das Verkehrsproblem gelöst werden kann. „Der Wohnungsbau wird ins Stocken geraten, wenn das beim Land nicht an Fahrt aufnimmt“, sagt er. Wenn die Infrastruktur nicht hinterherkomme, müssten Bauprojekte im Zweifelsfall auch angehalten werden.

Zumindest für die soziale Infrastruktur soll gesorgt sein: Ein drei Hektar großer Schulcampus mit Grund- und Oberschule ist geplant, außerdem sind Kitas vorgesehen. Die bestehenden denkmalgeschützten Hallen sollen als Markthallen erhalten oder in moderne Gewerbeflächen und lichte Studios verwandelt werden. Und „Das Neue Gartenfeld“ soll ein „urbanes Labor für die Erprobung innovativer Stadtentwicklung und Mobilität“ werden. Wann das alles entsteht, ist offen. Einen Zeitplan gebe es nicht, so Stadtrat Bewig.

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