Straßenbeleuchtung

Senat baut Gaslaternen in Siemensstadt ersatzlos ab

Ohne Straßenbeleuchtung tappen die Anwohner in Siemensstadt nun im Dunkeln. Viele Rentner trauen sich abends nicht mehr raus.

Stehen im Dunkeln: das Ehepaar Schmidt-Lammert

Stehen im Dunkeln: das Ehepaar Schmidt-Lammert

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Wenn heute gegen halb fünf die Sonne über Berlin untergeht, wird es stockdunkel vor der Wohnung von Franz Schmidt-Lammert und seiner Frau. Denn vor einigen Wochen hat der Senat im Bödikersteig in der Spandauer Siemensstadt, wo das Pensionärspaar wohnt, die Laternen abgebaut. Neubau? Fehlanzeige.

„Abends gehen wir jetzt nicht mehr aus unserer Wohnanlage“, sagt der Rentner. Auch ein paar Straßen weiter, im Wehneltsteig, wurden alte Gaslaternen ersatzlos entfernt. „Hier wohnen viele ältere Leute, die haben jetzt in der dunklen Jahreszeit Sorge, aus dem Haus zu gehen“, erzählt Schmidt-Lammert.

Dass in Berlin Gaslaternen abgebaut werden, ist keine Seltenheit. Allein in diesem Jahr ließ der Senat 1300 Gasleuchten durch moderne LED-Lampen ersetzen. Der Gaslampenbestand sank in Berlin in den letzten Jahren von über 35.000 auf etwa 31.000. Meist ist das für die Anwohner kein Problem. Aber warum wurden in Spandau keine neuen Laternen aufgestellt? Warum sitzen die Schmidt-Lammerts im Dunkeln?

Eigentümer für Beleuchtung von Privatstraßen zuständig

Diese Frage stellte sich auch der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz. Die Antwort des Senats auf eine entsprechende Anfrage fällt eindeutig aus: „Im Rahmen des kürzlich beendeten Bauvorhabens zur Umrüstung von Gasleuchten im Bezirk Spandau, wurden in einigen Privatstraßen die Gasleuchten ersatzlos demontiert.“

Die Eigentümer solcher Privatstraßen würden vor der Demontage der alten Beleuchtung allerdings informiert – sie sind dann dafür verantwortlich neu zu beleuchten. Auch der Bödikersteig ist so eine Privatstraße. „Bei uns hat sich aber niemand gemeldet“, sagt Anwohner Schmidt-Lammert.

Daniel Buchholz ist über die Antwort des Senats enttäuscht. Die Verkehrsverwaltung von Senatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) könne kaum konkrete Zahlen zum Umbau nennen. „Außerdem erklären die das für komplett egal, dass die Menschen nun im Dunkeln wohnen“, so Buchholz gegenüber der Berliner Morgenpost. Es werde in den Berliner Straßen immer dunkler, das könne nicht sein.

Senat will Energieverbrauch reduzieren

Denn das Problem gibt es nicht allein in Spandau: In den vergangenen Jahren hatte der Senat viele Gaslaternen auf Privatbesitz beseitigt, ohne sie zu ersetzen – vor allem in privaten Kleingartenanlagen und den Großsiedlungen in den Bezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Dort seien die Anlagen häufig historisch auf „Flurstücken von Wohnungsbaugesellschaften auf privaten Zuwegungen oder privaten Parkplätzen angeordnet“.

Wenn die Wohnungsgesellschaften nicht nachrüsten, stehen die Anwohner im Dunkeln. „Es ist nicht Aufgabe des Senats, Anlagen auf privatem Besitz zu betreiben“, sagte Derk Ehlert, Sprecher der Verkehrsverwaltung, dazu.

Nur weshalb können die Anlagen in Privatstraßen nicht betrieben werden, bis eine Lösung gefunden ist? Die Gasversorgung, so Ehlert, werde für einen ganzen Bereich gekappt, man könne sie deshalb nicht für einzelne Straßen aufrechterhalten. Und grundsätzlich sei das Ziel, die Gasbeleuchtung so weit wie möglich zurückzubauen. Nur 3300 Gaslaternen wurden unter Denkmalschutz gestellt. Mit der Umrüstung will der Senat vor allem den Energieverbrauch reduzieren. Die neuen LED-Leuchten sind deutlich energieeffizienter und weniger störanfällig. Manchmal sind sie aber auch gar nicht da, wie vor der Wohnung von Familie Schmidt-Lammert.

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