Stillgelegte Strecke

Siemens-Campus bringt neue Hoffnung für die Siemensbahn

Der neue Technologie-Campus könnte zur Reaktivierung der stillgelegten Strecke führen. Dies wäre machbar, aber auch teuer.

Stillgelegter S-Bahnhof Werner-Werk, Siemensdamm

Stillgelegter S-Bahnhof Werner-Werk, Siemensdamm

Foto: Michael Brunner

Berlin. Der von Siemens geplante Technologie-Campus in Spandau könnte auch zur Wiederbelebung einer lange brachliegenden S-Bahnstrecke führen. „Wir wären daher sehr froh darüber, wenn die Siemensbahn wieder vernünftig genutzt wird“, sagte dazu am Donnerstag der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn, Alexander Kaczmarek, der Berliner Morgenpost. Die Siemensbahn sei inzwischen auch Teil des Infrastrukturprogramms i2030, über das die Länder Berlin und Brandenburg mit der Deutschen Bahn seit 2017 verhandeln.

Planungsrechtlich könnte die von Siemens für den Campus gewünschte Reaktivierung der Siemensbahn relativ schnell möglich sein. Die Trasse wurde nie als Bahnstrecke entwidmet. Es gibt daher einen Bestandsschutz, auf zeitaufwendige Planfeststellungsverfahren könnte so verzichtet werden. Einfach und billig dürfte der Wiederaufbau der Strecke allerdings nicht werden. „Sie führt zum Teil über ein Viadukt, das neu aufgebaut werden muss. Weil es auch noch unter Denkmalschutz steht, dürfte das recht teuer werden“, vermutet Kaczmarek. Ein weiteres Problem sei die neu zu schaffende Anbindung an den S-Bahnring. Zudem fehlt eine Bahnbrücke über die Spree. Zu deren Wiederaufbau hat sich allerdings das bundeseigene Wasser- und Schifffahrtsamt verpflichtet, das die Überführung einst abreißen ließ. Insgesamt rechnet Kaczmarek mit einem dreistelligen Millionenbetrag.

Unter dem Namen Siemensbahn hatte der gleichnamige Konzern von 1927–29 eine knapp fünf Kilometer lange S-Bahnstrecke von Jungfernheide zum Werksgelände in Siemensstadt gebaut. Damals arbeiteten dort bis zu 90.000 Mitarbeiter. In Spitzenzeiten fuhr die S-Bahn von Gesundbrunnen kommend auf dem Abzweig nach Gartenfeld im Fünf-Minuten-Takt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zunächst ein Gleis für Reparationsleistungen abgebaut, im Ergebnis des S-Bahn-Boykotts durch die West-Berliner nach dem Mauerbau wurde schließlich 1980 die kaum genutzte Verbindung stillgelegt. Nach der Wiedervereinigung wurde über eine Nutzung etwa als Radweg diskutiert. Für eine Reaktivierung als Bahnstrecke setzte sich der Berliner Fahrgastverband Igeb ein, bislang vergeblich.

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