Innovationscampus

Siemens baut 3000 Wohnungen in Berlin

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser sieht den Aufbau eines Innovationscampus als eine „nationale Aufgabe“.

Auf der 200.000 Quadratmeter Wohnfläche sollen 3000 neue Wohnungen entstehen

Auf der 200.000 Quadratmeter Wohnfläche sollen 3000 neue Wohnungen entstehen

Foto: picture alliance/Bildagentur-online

Berlin.  Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hat den Aufbau eines Innovationscampus des Konzerns in Berlin-Siemensstadt als eine „nationale Aufgabe“ bezeichnet, die in Berlin stattfinde: „Wir wollen hier vordenken und gemeinsam gestalten, wie die vierte Industrielle Revolution in einem gesellschaftlichen Ökosystem funktionieren kann.“ Gerade die weltweit führende Industrienation sei stark betroffen von der Digitalisierung der Produktion. „Wir müssen Neues erfinden, weil Altes wegfällt“, sagte Kaeser.

Der Konzernlenker stellte am Mittwoch mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Pläne für die 600-Millionen-Euro-Investition vor, mit denen Siemens die Siemensstadt bis 2030 neu beleben und zugleich den Strukturwandel in Deutschlands größtem Industriekonzern voranbringen möchte. Es ist die größte Einzelinvestition von Siemens in Berlin in seiner 170-jährigen Geschichte. In Berlin würden zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, sagte Kaeser: „Wir werden die Gebäude nicht leer stehen lassen und dort Beschäftigung ansiedeln.“ Es gehe aber nicht nur um ein Gewerbegebiet, sondern um ein Miteinander von Forschen, Arbeiten, Wohnen und Freizeit.

200.000 Quadratmeter Wohnfläche

Siemens plant wie berichtet auf dem Firmengelände nördlich der Nonnendammallee auf 70 Hektar neben Büros, Hotels, Labors und Räumen für Start-ups auch 200.000 Quadratmeter Wohnfläche, was knapp 3000 neuen Wohnungen entspricht. Davon sollen 60.000 Quadratmeter mietpreisgebunden sein.

Kaeser grenzte sich scharf von den amerikanischen Campus-Modellen ab. Es störe ihn, dass Leute nach San Francisco flögen, wenn sie glaubten, Innovationen sehen zu müssen. „Hier in Deutschland, gerade in Berlin, gab es Gründungen schon, da gab es in Silicon Valley noch gar keine Garagen.“ Das Silicon Valley zeige Fehlentwicklungen, vor allem eine hohe Obdachlosigkeit. „Da gibt es dann Multimilliardäre, die wir alle glorifizieren, und viele Menschen, die eigentlich arbeiten können, aber keine Bleibe haben“, sagte der Siemens-Chef. Er wisse um die Sorgen mancher Anwohner in Siemensstadt, verdrängt zu werden. „Das wollen wir in Berlin anders machen.“

Energie, smarte Infrastruktur und Mobilität

Mit der Investition verbunden sei der Anspruch, die technologischen und ethischen Zukunftsfragen miteinander voran zu treiben, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller. Siemens-Vorstand Cedrik Neike, gebürtiger Berliner und Motor hinter der Entscheidung für die Hauptstadt, nannte die Themen Energie, smarte Infrastruktur und Mobilität als Themen, mit denen drei der sechs Siemens-Geschäftsbereiche künftig in Berlin präsent sein werden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) begrüßte die Entscheidung von Siemens als „großen Erfolg und eine Auszeichnung für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Deutschland.“ Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) appellierte an den Bund, sich bei der Förderung der Digitalisierung der Industrie auf Berlin zu fokussieren.

Das Campus-Projekt soll nun mit einem städtebaulichen Wettbewerb für das Areal, der 2020 abgeschlossen sein soll, vorangebracht werden. Erste Schritte werden aber schon vorher gegangen. In einem seit Monaten unabhängig von dem Großprojekt diskutierten „Industrie- und Wissenschaftscampus Berlin“ in Hallen des Dynamowerks sollen Forscher von Siemens, der Technischen Universität, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Bundesanstalt für Materialforschung gemeinsam unter anderem zu modernen Fertigungstechniken, neuen Materialien und elektrischen Antrieben arbeiten. Forschungsprojekte für 55 Millionen Euro sind verabredet. Siemens bezahlt zudem drei neue TU-Professuren.

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