Engagement

Spender finanzieren Inklusionsschule in Spandau

Seit 2015 hat eine Spendenkampagne fast 13 Millionen Euro gesammelt. Damit soll eine "Schule ohne Grenzen" entstehen. Wie geht das?

Schüler der Evangelischen Schule Spandau und der August-Hermann-Francke-Schule beim Spatenstich für die "Schule ohne Grenzen" in Spandau. Sie sollen künftig gemeinsam unterrichtet werden. 

Schüler der Evangelischen Schule Spandau und der August-Hermann-Francke-Schule beim Spatenstich für die "Schule ohne Grenzen" in Spandau. Sie sollen künftig gemeinsam unterrichtet werden. 

Foto: Juliane Lindner

Berlin. Die Erleichterung war allen Beteiligten anzumerken. Nach jahrelangen Planungen geht es nun endlich los: In Spandau soll in den kommenden zwei Jahren die „Schule ohne Grenzen“ entstehen, eine Schule mit einem besonderen Inklusionsmodell – und einer besonderen Finanzierung. Denn das rund 13 Millionen Euro teure Projekt auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts wird zum größten Teil durch Spenden finanziert.

Die „Schule ohne Grenzen“ ist ein Vorhaben des Evangelischen Johannesstifts und der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO. Sie soll das halten, was ihr Name verspricht: Kinder ohne Behinderung sollen dort mit Kindern zusammen lernen, die körperlich oder geistig schwer behindert sind. 120 Schüler aus den Klassen eins bis sechs der Evangelischen Schule Spandau und 70 Schüler der August-Hermann-Francke-Schule sollen in das Gebäude einziehen, ihre Lehrer haben das Konzept für den Unterricht entwickelt. „Beide Schulen haben bereits seit vielen Jahren punktuell zusammengearbeitet“, erklärt Thomas Brand, Leiter der Evangelischen Schule Spandau. So gab es gemeinsame Theaterprojekte oder Sportfeste. „Wir sind dann darauf gekommen, ob man das nicht verstetigt.“

Neues Schulgebäude hat 4500 Quadratmeter

Das Konzept sieht vor, dass sich gemeinsame und getrennte Unterrichtsphasen abwechseln. Je sechs Klassen der Schulen sollen in den Neubau einziehen. „Die Klassenlehrer arbeiten im Team zusammen“, sagt Brand. Sie schauen, was die Kinder zusammen lernen können und was jede Klasse für sich leisten muss. Neben den Lehrern werden auch Sozialarbeiter, Physiotherapeuten und Logopäden an der Schule arbeiten. 4500 Quadratmeter soll die Grundfläche des neuen Gebäudes umfassen, das neben den Klassen- und Begegnungsräumen auch Therapieräume beinhaltet.

Es sei schnell klar gewesen, dass für die Umsetzung des Unterrichtskonzepts ein Neubau benötigt werde, sagt Karmen Savor, die als Geschäftsführerin Stiftungsfundraising den Spendenprozess betreut hat. „In der August-Hermann-Francke-Schule ist es sehr eng, die Kinder werden zum Teil in einem Container unterrichtet“, berichtet sie. Auch die Evangelische Schule stößt an ihre Grenzen. Die neue Schule wird auf die Anforderungen der Schüler ausgerichtet sein. Auch ein Sportplatz ist vorgesehen.

Spendenkampagne läuft seit 2015

Anfang 2015 sei begonnen worden, Spender aus dem Unterstützerkreis des Johannesstifts auf das Projekt aufmerksam zu machen, sagt Savor. Damals sei das Thema Inklusion stärker in die öffentliche Wahrnehmung gerückt. Das gesammelte Geld kommt von Stiftungen und privaten Spendern, darunter auch Reinhard Lange: gebürtiger Berliner, früherer Unternehmer, 85 Jahre alt. „Ich hatte das Gefühl, ich habe noch mehr Aufgaben in meinem Leben“, sagt er. Schon seine Eltern hätten für das Johannesstift gespendet. Von den Planungen für die „Schule ohne Grenzen“ habe er bei einer Weihnachtsfeier gehört. Er fuhr zum Johannesstift, schaute sich das Gelände an, entschied, dass sein Geld hier gut aufgehoben sei.

„Das ist eine Art Pilotprojekt“, sagt Lange, der Namensgeber des neuen Gebäudes ist. Die Inklusion Behinderter sieht er als gesellschaftliche Aufgabe. In der „Schule ohne Grenzen“ könnten behinderte und nicht behinderte Kinder zusammenfinden. Im Frühjahr sollen die Bauarbeiten beginnen. Klappt alles, können zum Schuljahr 2020/21 die ersten Kinder einziehen.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.