Berlin-Spandau

Schule mit besonderem Inklusionsmodell entsteht

Die "Schule ohne Grenzen" wird auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts gebaut. Möglich machen das vor allem Spender.

Auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts in Spandau soll die "Schule ohne Grenzen" entstehen. Kürzlich gab es den ersten Spatenstich

Auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts in Spandau soll die "Schule ohne Grenzen" entstehen. Kürzlich gab es den ersten Spatenstich

Foto: Jessica Hanack / BM

Berlin. Die Erleichterung war allen anzumerken. Nach jahrelangen Planungen geht es nun endlich los: In Spandau soll in den kommenden zwei Jahren die "Schule ohne Grenzen" entstehen, eine Schule mit einem besonderen Inklusionsmodell - und einer besonderen Finanzierung. Denn das rund 13 Millionen teure Projekt auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstift wird zum größten Teil durch Spenden finanziert.

Die "Schule ohne Grenzen" ist ein Gemeinschaftsprojekt des Evangelischen Johannesstifts und der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO. Sie soll das halten, was ihr Name verspricht: Kinder ohne Behinderung sollen dort mit Kindern zusammen lernen, die zum Teil körperlich oder geistig schwer behindert sind. 120 Schüler aus den Klassen eins bis sechs der Evangelischen Schule Spandau und 70 Schüler der August-Hermann-Francke-Schule sollen in das Gebäude einziehen, ihre Lehrer haben in den vergangenen Jahren das Konzept für den Unterricht entwickelt. Das Ziel: Neben Fähigkeiten wie rechnen, schreiben, Lesen auch Achtsamkeit und Toleranz fördern.

"Beide Schulen haben bereits seit vielen Jahren punktuell zusammen gearbeitet", erklärt Thomas Brand, Leiter der Evangelischen Schule Spandau. So gab es bislang etwa gemeinsame Theaterprojekte oder Sportfeste. "Wir sind dann darauf gekommen, ob man das nicht verstetigt."

Das Konzept sieht vor, dass sich gemeinsame und getrennte Unterrichtsphasen abwechseln. Je sechs Klassen der beiden Schulen sollen in den Neubau einziehen. Die Gebäudeplanung sieht vor, dass Partnerklassen jeweils ein eigenes Zimmer bekommen und ein gemeinsames, das die beiden Räume verbindet. "Die Klassenlehrer arbeiten im Team zusammen", sagt Brand. Sie schauen, was die Kinder zusammen lernen können und was jede Klasse für sich leisten muss. Neben den Lehrern werden unter anderem Sozialarbeiter, Physiotherapeuten und Logopäden an der Schule arbeiten.

In den Schulen wird der Platz knapp

4500 Quadratmeter soll die Grundfläche des neuen Gebäudes umfassen, das neben den Klassen- und Begegnungsräumen auch verschiedene Therapieräume beinhaltet. Es sei schnell klar gewesen, dass für die Umsetzung des gemeinsamen Unterrichtskonzepts ein Neubau benötigt werde, sagt Karmen Savor, die als Geschäftsführerin Stiftungsfundraising den Spendenprozess betreut hat. "In der August-Hermann-Francke-Schule ist es sehr eng, die Kinder werden zum Teil in einem Container beschult", berichtet sie. Auch die Evangelische Schule stößt von den Kapazitäten an ihre Grenzen. Die neue Schule wird mit breiten Fluren, Ruhe- und Spielmöglichkeiten und unterschiedlichen Höfen genau auf die Anforderungen der Schüler ausgerichtet sein. Auch ein neuer Sportplatz ist vorgesehen.

Anfang 2015 sei begonnen worden, Spender aus dem Unterstützerkreis des Johannesstifts auf das Projekt aufmerksam zu machen, sagt Savor. "Der Zeitpunkt war richtig, um für so eine Schule zu werben." Immerhin sei das Thema Inklusion zuletzt stärker in die öffentliche Wahrnehmung gerückt. Das gesammelte Geld kommt von Stiftungen und privaten Spendern, darunter auch Reinhard Lange: gebürtiger Berliner, früherer Unternehmer, inzwischen 85 Jahre alt. "Ich hatte das Gefühl, ich habe noch mehr Aufgaben in meinem Leben", sagt er. Schon seine Eltern hätten für das Johannesstift gespendet, sodass er sich selbst irgendwann gedacht habe: Das will ich auch.

Zum Schuljahr 2020/21 sollen die ersten Kinder einziehen

Von den Planungen für die "Schule ohne Grenzen" habe er bei einer Weihnachtsfeier gehört. Er fuhr daraufhin zum Johannesstift, schaute sich das Gelände an, entschied, dass sein Geld hier gut aufgehoben sei. "Das ist eine Art Pilotprojekt", sagt Lange. Die Inklusion Behinderter sieht er als gesellschaftliche Aufgabe. Noch, meint Lange, wende sich die Gesellschaft zu oft ab. In der "Schule ohne Grenzen" könnten behinderte und nicht behinderte Kinder zusammenfinden.

In den kommenden Monaten und Jahren wird Reinhard Lange, der auch Namensgeber für das neue Gebäude ist, genau verfolgen, was sich dort tut. "Ich habe schon Pläne, wie es mal aussehen soll", sagt er. Wie die Verantwortlichen berichten, ist der Bauplan soweit fertig, dass nun ein Bauantrag gestellt werden kann. Für das kommende Frühjahr ist dann der Baubeginn vorgesehen, sodass zum Schuljahr 2020/21 die ersten Kinder einziehen können.

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