Tourismus

So will sich Spandau besser vermarkten

Der Bezirk arbeitet an einem Tourismuskonzept, um mehr Besucher anzulocken. Der erste große Aktionstag ist am 7. Oktober.

Eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten im Bezirk ist die Zitadelle Spandau aus dem Mittelalter

Eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten im Bezirk ist die Zitadelle Spandau aus dem Mittelalter

Foto: dpa Picture-Alliance / Sabine Lubenow / picture alliance / DUMONT Bildar

Spandau. Probleme, Besucher-Attraktionen in Spandau zu finden, gab es keine. Die Teilnehmer des Runden Tischs „Tourismus“ trugen mehr als 150 Orte zusammen, zu denen sich ein Ausflug lohnen würde. Das Problem ist laut Patrick Sellerie, Leiter der Spandauer Wirtschaftsförderung, ein anderes. „Es gibt bislang kein Tourismuskonzept für den ganzen Bezirk“, sagt er. Es fehle an einer einheitlichen Marke, einer gemeinsamen Vermarktung der Attraktionen. Das soll sich ändern. Mit einer Kommunikationsagentur wird derzeit daran gearbeitet, ein Tourismuskonzept für Spandau zu entwickeln – und so mehr Besucher für den westlichsten Berliner Bezirk zu begeistern.

Die Initiative der Wirtschaftsförderung passt zum gesamten Berliner Tourismuskonzept, das Anfang des Jahres vorgestellt wurde. Es sieht vor, die Kieze zu stärken und Besucher stärker in die Außenbezirke zu lenken. Tatsächlich hat Spandau bislang nur einen kleinen Teil der Berlin-Besucher angezogen. Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg kamen im vergangenen Jahr knapp 262.000 Gäste in den Bezirk. Das entsprach rund zwei Prozent aller Besucher der Hauptstadt.

Beim zweiten oder dritten Berlin-Besuch nach Spandau

„Wir können nicht erwarten, dass jemand bei seiner ersten Berlin-Reise nach Spandau kommt“, sagt Sellerie. Vielmehr gehe es darum, Menschen beim zweiten, dritten oder vierten Aufenthalt in den Bezirk zu holen. Um das zu schaffen, ist im Juni 2017 das Tourismusprojekt gestartet, das mit 300.000 Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ gefördert wird. Seit Mitte Januar gibt es zudem eine Tourismusbeauftragte. Spandau sei der erste Bezirk gewesen, in dem eine solche Stelle eingeführt wurde, so Sellerie.

Im ersten Teil des Projekts haben die Beteiligten die derzeitige Situation in Spandau erfasst. Fazit: Es gebe viele Unternehmen oder Institutionen, die ein tolles Besucherangebot haben, aber dieses nicht richtig bewerben, sagt die Tourismusbeauftragte Jana Friedrich. „Die wollen wir vernetzen und sichtbar machen.“ Momentan ist Spandau vor allem für zwei Dinge bekannt: seine Natur und seine lange Geschichte. Nun soll gezeigt werden, dass es noch mehr zu entdecken gibt.

Da wären zum Beispiel die Radwege, die in den vergangenen Jahren ausgebaut wurden, unter anderem entlang der Havel oder des ehemaligen Grenzverlaufs. Nur: „Das weiß kaum einer“, sagt Sellerie. Zweites großes Vorhaben: eine Linie in die Vermarktung bringen. Das gilt für Flyer oder Broschüren wie auch für Informationstafeln. Derzeit, so Sellerie, sehe jedes Produkt anders aus. „Dadurch ist der Wiedererkennungswert für den Bezirk gleich null.“

Neues Online-Portal für den Bezirk geplant

Bei der digitalen Bewerbung Spandaus orientiert man sich am Bezirk Treptow-Köpenick, der bereits auf Kanälen wie Facebook und Instagram vertreten ist und die Online-Vermarktung ebenfalls ausbauen will. „An Social Media kommt man nicht mehr vorbei“, sagt Sellerie überzeugt. Daneben soll auch ein neues Online-Portal für Spandau entstehen und vor allem ein Bookingtool, das es ermöglicht, von einer Website aus Übernachtungen in den Unterkünften des Bezirks zu buchen.

Wunsch ist es aber nicht nur, die Touristen nach Spandau zu holen, sondern sie auch gezielt durch den Bezirk zu führen. Dafür wurden die gesammelten Attraktionen im Bezirk in Kategorien – etwa Industriekultur, Familie oder Wasser – gebündelt. Verschiedene, thematisch abgestimmte Routen sollen sie miteinander verbinden und außerdem gastronomische Angebote einbeziehen. Eine weitere Idee ist es, eigene Bus-Rundfahrten durch Spandau anzubieten. Denn die bestehenden Touren würden sich auf die Innenstadt konzentrieren. Spandau sei darin nicht eingebunden, so Sellerie.

Erste Ergebnisse des Projekts sind bereits zu sehen. In Zusammenarbeit mit dem Altstadtmanagement ist ein Gastro-Guide entstanden, der vor Kurzem veröffentlicht wurde. Er beinhaltet einen Plan, auf dem verschiedene Restaurants, Cafés und Bars in Spandaus Altstadt verortet sind. Den – so die Idee – können Hotels künftig an ihrer Rezeption an Gäste verteilen.

"Spandau tourt"-Tag im Oktober

Ein großer Aktionstag folgt im Herbst. Für den 7. Oktober ist erstmals ein „Spandau tourt“-Tag geplant. Fünf bis sechs geführte Touren soll es geben, die sich jeweils einem Themenschwerpunkt widmen, etwa Rüstungen und Festungen, besonderen Türmen oder der Altstadt. Menschen, die lieber allein unterwegs sind, sollen das mithilfe von aufgezeichneten Strecken tun können. „Ziel ist es, in diesem Jahr die Touren zu testen und zu sehen, ob sie praxistauglich sind“, sagt Friedrich.

Für die Zukunft sollen die Themen-Touren, sofern sie denn den Test bestehen, zu einem festen Angebot ausgebaut werden. Auch den Tag selbst will die Wirtschaftsförderung als jährliche Aktion etablieren. Das gesamte Tourismus-Projekt läuft noch bis Ende Mai 2019. Bis dahin muss das finale Konzept stehen, das dann hoffentlich auch die Besucher überzeugt.

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